Buch 111 Schaumweine aus aller Welt vor einer schwarzen Wand fotografiert

111 Schaumweine aus aller Welt, die man getrunken haben muss

Mit “111 Schaumweine aus aller Welt” bekommt das beliebte Format vom Emons Verlag jetzt prickelnden Zuwachs. Doch kann man die Schaumweinwelt tatsächlich auf 111 Gewächse reduzieren? Eine Rezension.

In der Welt der 111-Bücher des Emons Verlags sind die beiden Autorinnen Daniela Dejnega und Luzia Schrampf keine Unbekannten. Schließlich entsprang bereits “111 Weine aus Österreich, die man getrunken haben muss” aus deren Federn. Die beiden Weinakademikerinnen legen jetzt schäumend nach. Und das auch noch äußerst ambitioniert. Auf den ersten Blick mögen 111 Schaumweine ganz schön viel sein. Weltweit betrachtet sind sie natürlich aber nur ein winzig kleiner Tropfen in einem wunderbar großen und prickelnden Ozean. Da stellt sich natürlich zuerst die Frage, wie es zu der Auswahl kam.

Genau diese Frage beantworten die beiden Autorinnen direkt in ihrem Vorwort. Ihnen geht es nämlich nicht um große und bekannte Namen, sondern um interessante Entdeckungen und Sparkler, die mit Eigenständigkeit überzeugen. Womit einhergeht, dass auch die Qualität eine große Rolle spielt. Sprudler mit zugesetzter Kohlensäure kommen so zum Beispiel konsequent nicht vor. Flaschen- und Tankgärung sind also Grundvoraussetzung. Wobei es bei der Flaschengärung nicht unbedingt immer die zweite Fermentation sein muss. Es sind nämlich auch erstaunlich viele Pet Nats mit von der Partie. Völlig verständlich, wie ich finde. Denn diese wohl ursprünglichsten Prickler liegen ja nach wie vor stark im Trend. Da kann man ihnen auch ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen.Champagner von Marie-Courtin vor einem Buch auf einem Balkontisch

111 Schaumweine – ohne Platzhirsche

Große Namen wie Rotkäppchen, Henkel, Mumm (Deutschland), Schlumberger (Österreich) oder auch Veuve Clicquot und Moët & Chandon sucht man hier vergebens. Eine hervorragende Entscheidung, meiner Meinung nach. Denn so bleibt einfach mehr Platz für echte Entdeckungen. Genau diese stammen übrigens gar nicht mal so sehr aus der Champagne. Könnte man ja vermuten, denn Champagner ist halt nach wie vor der Goldstandard, wenn es um hochwertige Schaumweine geht. Obwohl zum Glück ja immer mehr schäumende Gewächse ihre Eigenständigkeit beweisen, statt ständig den (für mich) überflüssigen Vergleich zu suchen. Aber das nur am Rande.

Natürlich kommt in dem Buch “111 Schaumweine aus aller Welt, die man getrunken haben muss” auch der Champagner nicht zu kurz. Er steht aber weder als strahlender Stern am Anfang, noch dominiert er die Auswahl. Den 16 vorgestellten Champagnern (ergänzt von einer guten Handvoll französischer Crémants) stehen etwa 17 deutsche Winzersekte oder 28 Schäumer aus Italien gegenüber. Wer bei Italien vor allem Prosecco erwartet, könnte eine kleine Überraschung erleben. Denn Prosecco nimmt nur einen ganz kleinen Teil ein. Viel präsenter ist da zum Beispiel das Thema Lambrusco. Oder auch Franciacorta. Neben Gewächsen aus Österreich, Spanien, Portugal, England und natürlich Südafrika, den Vereinigten Staaten und Neuseeland haben es sich die beiden Autorinnen nicht nehmen lassen, auch echte Exoten vorzustellen. Schon mal einen Schaumwein aus Polen, Ungarn, Kroatien oder Dänemark und Schweden im Glas gehabt? Nein? Dann findest du in dem Buch sehr viel Inspiration!Plaques de Muselet rund um das Buch 111 Schaumeine aus aller Welt auf einem Holztisch

Für Anfänger und Fortgeschrittene

Genau darum geht es übrigens. Inspiration. Auch wenn das Buch den Zusatz “die man getrunken haben muss” im Titel trägt. Meiner Meinung nach ist das etwas unglücklich formuliert. Wofür die Autorinnen aber nichts können. Schließlich sind alle 111-Bücher sprachlich so aufgebaut. Leider. Zum Glück tröstet der ebenso interessante wie spannende und informative Inhalt dann schnell über dieses kleine Manko hinweg. Denn neben der gelungen Schaumwein-Auswahl trumpfen Daniela Dejnega und Luzia Schrampf bei jedem Prickler mit Hintergrundgeschichten auf. Da kann es mal um den Winzer, mal um einen bestimmten Schaumweinstil oder auch wieder um eine Region an sich gehen. Oder eben auch um Methoden, die im Zusammenhang mit der Bereitung stehen. Dafür sollte man sich schon interessieren, wenn man das Buch lustvoll lesen möchte. Auch ein wenig Vorkenntnis kann durchaus vorteilhaft sein. Aber keine Bange! Für Schaumwein-Neulinge gibt es hinten ein Glossar, das alle wichtigen Begriffe kompakt erklärt. Man kann also auch noch eine Menge lernen.

Oder man lässt sich eben einfach hemmungslos verführen. Ich gebe gerne zu, dass ich während der Lektüre fast immer ein Glas mit Schaumwein in der Hand hatte. Einfach, weil das Buch so große Lust darauf macht. Zumal die stimmungsvollen Fotos von Tobias Fassbinder zusätzlich Bock auf die 111 Schaumweine machen. Und auch wenn ich viele der vorgestellten Sparklings bereits vorher kannte, bin ich mit einer riesengroßen Wunschliste aus der Lektüre gegangen. Ich freue mich schon sehr darauf, diese zeitnah abzuarbeiten. In der Zwischenzeit kann ich jedem Schaumweininteressierten dieses feine Buch nur ans Herz legen.

Daniela Dejenga & Luzia Schrampf: 111 Schaumweine aus aller Welt, die man getrunken haben muss. 240 Seiten, Emons Verlag, 2022. 18,60 Euro.

Copyright alle Fotos: © AK/Bottled Grapes

*Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Der Text spiegelt ausschließlich meine eigene Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen alleine Servicezwecken.

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