Andrea Heinzinger mit dem Vinum Weinguide in der Hand

Andrea Heinzinger: “Bei mir laufen am Ende alle Fäden zusammen”

In dieser neuen Interviewreihe kommen Frauen aus der Weinbranche zu Wort. Sie sind ebenso unterschiedlich wie ihre Tätigkeitsfelder vielseitig. Denn ja, Wein wird immer weiblicher. Den Anfang macht die Text- und Kommunikationsexpertin Andrea Heinzinger.

Alles fing Ende 1997 an. Nämlich als Andrea Heinzinger zusammen mit Hans-Wilhelm Eckert das Weinportal wein-abc gründete. Das Netzwerk für Weinfreunde arbeitet bis heute komplett unabhängig und hat sich als eine der wichtigsten Plattformen zum Thema Wein im deutschsprachigen Raum etabliert. Mit dem Weingut-Finder brachte das Duo sogar eine der ersten Wein-Apps aus Deutschland auf dem Markt!

Abseits von wein-abc ist Andrea Heinziger aber auch mit ihrem Presse- und Kommunkationsbüro Tailored Text nicht mehr aus der Weinwelt wegzudenken. Im Jahr 2020 übernahm Andrea Heinzinger als Chefin vom Dienst für den Vinum Weinguide eine weitere Mammutaufgabe. Und über genau die habe ich mich mal mit ihr unterhalten. Viel Spaß mit dem Interview!

Liebe Andrea Heinzinger, kürzlich ist der Vinum Weinguide 2022 erschienen. Wie fühlt es sich an, sein “Baby” so fertig in Händen zu halten?

Andrea Heinzinger: Das ist ein tolles Gefühl, auch eine gute Portion Erleichterung schwingt mit, wenn so ein riesiges Projekt ein gutes Ende gefunden hat. Und dann natürlich Stolz. Vor allem auf unser gesamtes Team und die tolle Zusammenarbeit. Mein eigentlicher Gänsehautmoment aber ist immer dann, wenn die ersten fertigen Umbrüche aus der Grafik kommen, wenn man zum ersten Mal sieht, wie das, was über viele Wochen in die Datenbank eingepflegt und von den Verkostern geschrieben wurde, dann im Layout aussieht.

Wie wird man eigentlich Chefin vom Dienst bei so einem bekannten Weinguide?

Andrea Heinzinger: Glückliche Fügung, auf alle Fälle. Ich wurde von der Chefredaktion angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, mit ins Team zu kommen. Ich muss dazu sagen, ich kenne Harald Scholl und Matthias Mangold schon eine gefühlte Ewigkeit. Mit Matthias hatte ich vor vielen Jahren eine Verkostungsrunde in München, mit Harald habe ich in meiner aktiven Zeit bei Slow Food einige gemeinsame Projekte gehabt. Der Kontakt zu beiden hat sich über all die Jahre gehalten, man läuft sich in der Branche ja doch immer wieder über den Weg.

Kommunikationsexpertin Andrea Heinzinger im Porträt
Weinprofi durch und durch: Andrea Heinzinger. © privat

Als Matthias mich angerufen hat, habe ich mich riesig gefreut – es war genau der richtige Moment und es hat einfach gut gepasst. Auch weil ich schon längst mal wieder ein Buch machen wollte. Ich habe in den letzten Jahren zwar viel im Corporate Publishing gearbeitet und früher auch eine Menge Buchprojekte für ein kleines Redaktionsbüro gestemmt – aber so ein 1000-Seiten-Werk ist noch mal eine ganz andere Dimension. Das hat mich sehr gereizt.

Du hast ja bereits an der Vinum Weinguide-Ausgabe 2021 mitgearbeitet. Mitten in der Pandemie, mit neuem Team und einem neuen Datenbank-System. Was waren da für dich die größten Herausforderungen?

Andrea Heinzinger: Als ich in das Projekt eingestiegen bin, wusste irgendwie keiner im neuen Team so ganz genau, wie der Weinguide denn gemacht wird, das war im Grunde eine Blackbox, eine Übergabe in dem Sinn gab es nicht. Zudem konnten wir uns ja coronabedingt nur auf digitalem Weg verständigen, auch das war eine Herausforderung. Und dabei ist Teambuilding hier extrem wichtig: so ein Projekt stemmt man nur gemeinsam, man muss sich aufeinander verlassen können. Dass uns der Zufall am Ende zu einem so tollen neuen Team zusammengewürfelt hat, war ein echter Glücksfall.

Nun stellt einen ein Weinguide redaktionell ja vor ganz andere Herausforderung als zum Beispiel ein Weinmagazin. Wie sind da eigentlich die genauen Abläufe? Und vor allem: was sind da deine Aufgaben?

Andrea Heinzinger: Anders als beim Magazin gibt es bei uns ja nur ein Thema – die besten Weine aus den deutschen Weinregionen. Das Projekt beginnt bereits im Frühjahr, wenn die Redaktion zusammen mit den Verkostern die Weingüter bestimmt, die man einladen möchte. Die Betriebe werden dann angeschrieben, dann die Daten aktualisiert und nach und nach treffen dann die Weine bei den Verkostern ein. Als Chefin vom Dienst habe ich die Projektleitung. Bei mir laufen am Ende alle Fäden zusammen, ich bin die Schnittstelle zwischen der Redaktion und dem Verlag. Ich schaue, dass wir den Terminplan einhalten; rechtzeitig alle Inhalte vorliegen und auch der Seitenplan passt.

Und ich briefe die einzelnen Gewerke wie Lektorat und Grafik, Fotografen und arbeite eng mit diesen zusammen. Aber auch Operatives gehört zu meinen Aufgaben: ich überprüfe die Daten der einzelnen Weingüter, organisiere Abbildungen und erstelle am Schluss die vielen im Weinguide enthaltenen Wein- und Winzerlisten. Dann kommen die ersten Umbrüche, die kontrolliert werden müssen … und die immer an irgendwelchen Stellen noch zu lang sind. Auch in der Phase ist der Austausch mit der Redaktion und den Verkostern sehr eng. Irgendwann passt dann alles und es gibt die große Druckabnahme, direkt vor Ort in Zürich im Verlag.

Wie ist die Arbeit für den Vinum Weinguide eigentlich mit deiner Tailored-Text-Tätigkeit vereinbar? Gibt es da Berührungspunkte? Oder trennst du beides strikt voneinander?

Andrea Heinzinger: Vor allem in der heißen Phase, gut vier Wochen vor der Abgabe, bin ich eigentlich nur noch mit dem Weinguide befasst. Das ist schwierig, aber ich habe das große Glück, dass meine anderen Kunden, darunter führende Online-Weinhändler und Weinzubehör-Hersteller, hier sehr verständnisvoll sind und wissen, dass ich jetzt ein paar Wochen “untertauche”. Mehr Überschneidungen gibt es aber nicht zwischen den Tätigkeiten.

Andrea Heinzinger verkostet einen Weißwein
Hat ein Näschen für interessante Weine: Andrea Heinzinger. © Benjamin Olszwski

Was unterscheidet deiner Meinung nach den Vinum Weinguide von anderen Weinführern?

Andrea Heinzinger: Der große und auch wichtigste Unterschied ist, dass man für die Aufnahme in den Vinum Weinguide nicht bezahlen muss. Es werden keinerlei Anstellgebühren verlangt. Wer eingeladen wird und wer später ins Buch kommt, entscheiden allein Redakteure und Verkoster. Ein anderer Aspekt ist die Bandbreite der vorgestellten Betriebe. Natürlich haben auch wir die führenden Weingüter mit an Bord, aber es kommen in jedem Jahr auch neue Namen, junge Betriebe dazu. Das bringt Bewegung und bildet die Entwicklungen in den einzelnen Anbaugebieten ganz gut ab.

Wenn es um Guides und Bewertungen geht, wird ja regelmäßig die Frage nach der Unabhängigkeit gestellt. Wie sieht es da beim Vinum Weinguide aus?

Andrea Heinzinger: Wie gesagt, man kann sich nicht einkaufen in den Vinum Weinguide und auch die Bewertungen spiegeln einzig und allein die Meinung der Verkoster wider. Es wird nach dem 100-Punkte-Schema bewertet, eine verbindliche Skala gibt die Bedeutung der Punkte vor. Es gibt für jedes Anbaugebiet eine regionale Finalprobe, bei der die in der Vorrunde jeweils höchstprämierten Weine erneut verkostet werden – blind und in erweiterter Runde von Gebietsverkostern und Chefredaktion. Und ganz am Ende des Projekts gibt es dann noch die überregionale Finalprobe, bei der dann die Bestenlisten entstehen – auch hier wird blind verkostet. 

Copyright Titelbild: © Harald Scholl

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung von Andrea Heinzinger wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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