Weinjournalistin Daniela Dejnega probiert einen Weißwein in einem Weingarten

Daniela Dejnega: “Sprudelnde Weine heben einfach die Laune”

In dieser Interviewreihe kommen Frauen aus der Weinbranche zu Wort. Heute unterhalte ich mich mit der Weinjournalistin und Autorin Daniela Dejnega über ihr neues Schaumwein-Buch.

Eigentlich wollte Daniela Dejnega Landschaftsplanerin werden. Als sie dann aber für ihre Diplomarbeit zum Thema “Erosionsschutz im Weinbau” praktische Versuche bei einem Weingut im Burgenland durchführte, entdeckte sie ihre Weinliebe. Und zwar sehr nachhaltig. Inzwischen ist die Österreicherin eine bekannte Weinjournalistin und schreibt für den Weinwisser, wein.plus oder Trink. Zudem verkostet sie für den Gault Millau Weinguide Österreich und ist auch als Weinjurorin bei Wettbewerben tätig.

2019 erschien ihr Buch “111 Weine aus Österreich, die man getrunken haben muss”, das sie gemeinsam mit Luzia Schrampf schrieb, im Emons Verlag. Mit “111 Schaumweine aus aller Welt, die man getrunken haben muss” legt das Autorinnen-Duo jetzt sein zweites Buch vor. Wie es zu dem zweiten Werk kam, wie viele Schaumweine Daniela Dejnega dafür verkosten musste und wie sie ihre Auswahl traf, darum geht es jetzt. Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Daniela Dejnega, wie kam es eigentlich zur Idee, ein zweites 111-Buch zu schreiben?

Daniela Dejnega: Tatsächlich hat die Pandemie dazu beigetragen. Im allerersten Lockdown im Frühjahr 2020 telefonierte ich mit meiner Co-Autorin Luzia Schrampf. Wir waren beide etwas ratlos, ob und wie es für uns Weinschreiberinnen weitergehen kann, denn jede von uns hatte ein paar Aufträge verloren. Unser Gespräch mündete in: „Dann schreiben wir eben noch so ein Buch!“ „Okay, und worüber?“

Weinexpertin verkostet einen Weißwein, im Hintergrund stehen viele Weinflaschen in Regalen
Den Weinen auf den Grund gehen. © Michael Hetzmannseder

Es stand also nicht von Anfang an fest, dass ihr euch dem Thema Schaumwein widmen werdet?

Daniela Dejnega: Nein, wir haben kurz auch andere mögliche Themen diskutiert. Doch ziemlich schnell kamen wir zu dem Schluss, dass es Schaumwein sein muss. Denn erstens lieben wir beide Schaumweine über alles – von Champagner über Sekt bis Pet Nat. Und zweitens fanden wir das ein sehr geeignetes Notprogramm in tristen Pandemie-Zeiten – sprudelnde Weine heben einfach die Laune! Nur der Verlag gab sich anfangs ein wenig skeptisch. Mit dem weltweiten Schaumweinboom als Argument konnten wir die Verantwortlichen aber von dem Thema überzeugen.

Wie sah eure Arbeitsaufteilung auf – hattet ihr unterschiedliche Schwerpunkte?

Daniela Dejnega: Oh ja, da gab es schon unterschiedliche Schwerpunkte. Zu Beginn war aber vor allem das Gemeinsame wichtig, da Luzia Schrampf und ich jeden einzelnen der Schaumweine im Buch auch gemeinsam verkostet und diskutiert haben. Die Texte dazu haben wir dann zwischen uns aufgeteilt. Für Deutschland und Österreich hat jede in etwa gleich viele übernommen. Als Luzias Spezialgebiet hat sich dann Italien herauskristallisiert, denn sie ist ja Italian Wine Ambassador. Das war mir gar nicht unrecht, denn so konnte ich mich mehr in Frankreich und den Champagner vertiefen.

Wie sah eigentlich die praktische Umsetzung aus? Seid ihr zu Weingütern gereist, habt ihr auf Messen probiert oder wurden euch Muster geschickt?

Daniela Dejnega: Das Reisen war ja durch die Pandemie sehr eingeschränkt, und auch die Messen fielen zum Großteil aus. So befanden wir uns eigentlich in einer sehr schwierigen Lage. Wenigstens die österreichischen Sekthersteller:innen konnten wir problemlos besuchen, und auch für Deutschland fanden wir eine tolle Lösung: Wir verkosteten die Proben der Deutschen Sektmacher gesammelt bei wein.plus in Erlangen mit Marcus Hofschuster.

Mit Italien und Frankreich stellten sich die Dinge als etwas komplizierter heraus. Manche Weingüter schickten Probeflaschen, aber längst nicht alle, die wir gerne gehabt hätten. Zum Glück bekamen wir teilweise Unterstützung von den italienischen Konsortien. Weinhändler:innen haben uns ebenfalls bereitwillig mit Kostmustern versorgt. Jede Menge Nerven kosteten allerdings aus den USA versendete Probeflaschen. Der österreichische Zoll hatte nämlich ein großes Problem damit, dass man uns die Weine gratis zur Verfügung stellte. Eines dieser Pakete landete mit sage und schreibe vier Monaten Verspätung in meinen Händen.

Porträt der österreichischen Weinautorin Daniela Dejnega
Mit Schaumwein durch die Pandemie: Weinautorin Daniela Dejnega. © Marion Gabriel

Wie viele Schaumweine hast du insgesamt für das Buch verkostet?

Daniela Dejnega: Ui, so genau kann ich das gar nicht sagen. Wenn ich das kurz mal überschlage… schätze ich mindestens 900, eher mehr. Allein aus Deutschland hatten wir an die 100 Sekte und ein paar Pet Nats im Glas. Unser oberstes Ziel war ja, die riesige weltweite Schaumwein-Vielfalt darzustellen. So sind möglichst viele Herkünfte vertreten, zum Beispiel auch Dänemark, Kroatien oder Polen als Exoten. Dazu verschiedenste Rebsorten und fast alle Herstellungsmethoden. Nur der billigsten Art und Weise Schaumwein zu machen, nämlich das CO2 einfach in den Wein hineinzublasen, haben wir uns verweigert, denn so eine „Qualität“ wollen wir nicht propagieren.

111 hört sich ja erstmal viel an. Wenn man das global betrachtet, sind das aber doch sehr wenig Schaumweine. Wie habt ihr entschieden, welche es ins Buch schaffen?

Daniela Dejnega: Stimmt, 111 sind überhaupt nicht viele! In erster Linie wollten wie gesagt eine spannende prickelnde Vielfalt in Weiß, Rosé – und auch Rot – vorstellen. Manche Weine definierten Luzia und ich sofort bei der Verkostung als „Fixstarter“, anderen verliehen wir den Status „Kandidat“, viele schieden auch gleich aus. Wir haben die 111 ganz nach unseren persönlichen Vorlieben ausgewählt und sagten uns mitunter auch: „Mut zur Lücke!“ Denn einige „Klassiker“, die man vielleicht in einem Schaumweinbuch erwarten würde, haben wir bewusst weggelassen. Beim Champagner zum Beispiel wählten wir keine weltberühmten großen Häuser, sondern ausschließlich Winzerchampagner. So konnten wir die Geschichten kleiner Produzent:innen und die handwerkliche Schaumweinherstellung in den Fokus rücken. Insgesamt war es ein langer Weg, unsere Verkostungen zogen sich über viele Monate.

Gab’s da auch schon mal Diskussionen?

Daniela Dejnega: Ohja, die gab es… Zum Glück kennen wir uns schon lange und ticken in puncto Weingeschmack relativ ähnlich. Daher waren wir oft einer Meinung – aber natürlich nicht immer, denn jede von uns hat ihre eigenen Vorlieben. Luzia hat unter anderem ein Faible für hochwertigen Lambrusco – trocken, nicht süß! Dennoch konnte ich da nicht ganz mit, ließ mich am Ende aber überzeugen – und so ist Lambrusco nun mit fünf wirklich spannenden und sehr unterschiedlichen Exemplaren im Buch vertreten. Auch für mich war das eine Entdeckungsreise. Luzia ließ sich im Gegenzug auf einige Vertreter aus der Naturwein-Ecke ein, für die ich mich verstärkt eingesetzt habe.

Schaumwein wird verdeckt in ein Weinglas eingeschenkt
Schaumwein-Blindprobe. © Jürgen Schmücking

Wie lange hat es eigentlich vom ersten Schluck bis zum fertigen Buch gedauert?

Daniela Dejnega: Unser „Kick-Off“ war im Februar 2021 mit dem ersten gemeinsamen Verkostungstermin. Das Manuskript konnten wir schließlich im Jänner 2022 an den Verlag schicken. Nach ein paar Verzögerungen, zum Beispiel gab es auch Schwierigkeiten mit der Papierlieferung, ist unser Buch dann am 26. Mai 2022 erschienen.

Für welche Weinliebhaber:innen ist euer Buch besonders geeignet?

Daniela Dejnega: Für alle, die an Schaumwein interessiert sind, würde ich sagen. Und ganz besonders für solche, die gern Weine abseits vom Mainstream entdecken. Unsere Texte erklären vieles rund um die Schaumweinherstellung und den Schaumweingenuss – unterhaltsam und leicht verständlich, wie wir hoffen. Das Buch richtet sich an Einsteiger genauso wie an Fortgeschrittene; auch Weinfreaks können hier noch Neues erfahren. „111 Schaumweine aus aller Welt, die man getrunken haben muss“ soll unterhalten, aber auch weiterbilden – ganz nach dem Motto „Educate the Reader“, wie meine Co-Autorin so gern sagt. Deshalb gibt es hinten im Buch auch ein Glossar.

Abschließend noch eine Frage mit Blick in die Zukunft, liebe Daniela Dejnega. Wird es von dir ein weiteres 111-Buch geben?

Daniela Dejnega: Geplant ist derzeit keines, aber vorstellen kann ich es mir schon. Auch eine Idee dazu schwirrt mir schon durch den Kopf, aber mehr kann ich nicht verraten.

Copyright Titelbild: © Iza Kaminska

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung von Daniela Dejnega wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

Weitere Interviews der Reihe:

Andrea Heinzinger und der Vinum Weinguide
Romana Echensperger und die Biodynamie
Gerhild Burkard und das Internationale Sparkling Festival
Valerie Kathawala und das Wein-Magazin Trink
Paula Redes Sidore und ihre Arbeit bei den Purple Pages
Nicole Wolbers und die Weinwettbewerbe

Kommentar verfassen