Domaines Kilger: Das Beste aus drei Ecken Österreichs

Nahaufnahme von Hans Kilger mit Rotwein in der Hand

Mit Weinbau verbindet man automatisch eine lange Tradition und Familiengeschichte. Dass man aber auch ohne solch eine Biografie hervorragende Weine machen kann, beweisen die Domaines Kilger in der West-, der Südsteiermark und im Burgenland.

Es ist schon fast ein zweites Leben, das der Münchner Hans Kilger da in Österreich führt. Denn eigentlich ist der Entrepreneur ja Wirtschaftsprüfer und Steuerberater im Investoren-Bereich der Immobilien-Branche. Und eben seit 2015 auch Gründer und Besitzer der Domaines Kilger. Zum Wein kam Kilger schon ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde, zur Landwirtschaft an sich aber nicht. Denn als 2007 die Finanzkrise mit aller Kraft zuschlug, plante Kilger, langfristig auf eben jene zu setzen. Allerdings auf hohem Niveau. Der Münchner gehörte noch nie zu den Menschen, die nur halbe Sache machen. Deswegen erwarb er im rumänischen Siebenbürgen enorm viel Weideland – auf dem die bis heute größte Bisonherde Europas jede Menge Platz hat.

Und wie kam der Wein dazu? Ganz einfach: Kilgers Bisonherden-Verwalter stammte gebürtig aus der Weststeiermark. Als der Entrepreneur ihn in seiner Heimat besuchte, verliebte er sich sofort in die Landschaft. Und in die Weine. Warum also nicht selbst welche hier machen? Beziehungsweise machen lassen. Hans Kilger war sich durchaus bewusst, dass seine Fähigkeiten als Winzer begrenzt sind. Da wollte er sich lieber einen Profi mit an Bord holen. Genau diesen fand er mit Christian Reiterer. Ja, genau. Der Christian Reiterer, der zu den großen Wegbereitern des “österreichischen Weinwunders” gehörte, weil er konsequent auf Ertragsreduktion und schonende Verarbeitung setzte. Nicht zu vergessen, dass er der autochthonen Rebsorte Blauer Wildbacher ein neues Qualitätsleben einhauchte.

Blick vom Riemerberg in der Weststeiermark
Rebfläche in der Weststeiermark ©Weingut Reiterer/Domaines Kilger

Domaines Kilger und die Steiermark

2015 gründete Hans Kilger mit eben diesem Christian Reiterer sein Weingut in der Weststeiermark. Es folgten Rebflächen in der Südsteiermark. Es war die Geburtsstunde der Domaines Kilger. Reiterer verantwortet beide steirischen Gebiete. In der Weststeiermark spielt natürlich Blauer Wildbacher eine große Rolle. Vor allem in der Schaumweinproduktion. Kilger und Reiterer vermarkten diesen aber ganz bewusst nicht als Schilcher, um sich bewusst von den … nennen wir es mal liebevoll durchwachsenen Qualitäten abzusetzen. Neben Muskateller, Welschriesling, Weißburgunder und Morillon hat indes in der Südsteiermark eine andere Rebsorte die Hauptrolle: Sauvignon Blanc. Natürlich.

Das Besondere: Die Domaines Klinger besitzt sage und schreibe 13 zusammenhängende Hektar in der Ried Kranachberg. Also Grand Cru par excellence! Eben nicht ohne Grund eine der wenigen Großen Lagen der STK-Winzer wie etwa dem Sattlerhof. Hier sind die Bedingungen für Sauvignon Blanc einfach ideal: die kalkhaltigen Sande mit Hellglimmer sorgen für eine schöne Würze und eine dichte Fruchtigkeit in den Weinen. Genau diese Kombination findet man dann natürlich auch in den Weinen der Domaines Kilger. Mit der Ried Kranachberg haben Reiterer und Klinger eh ihr Optimum gefunden. Zum einen, weil die Weine, die hier entstehen, als Charakterköpfe von ihrer Herkunft erzählen. Zum anderen, weil sie durch eine beeindruckende Langlebigkeit brillieren.

Blick auf die Ried Kranachberg in der Südsteiermark
In der Ried Kranachberg gehört Domaines Kilger 13 Hektar Rebfläche ©Steve Haider/Domaines Kilger

Weine mit langer Zukunft

Genau das unterscheidet einen Allerweltswein von einem hochwertigen Wein, wie Hans Kilger sagt: “Ein Wein, der nur im ersten Jahr nach der Ernte beeindruckt und dann abfällt, kann nicht zu den Großen gezählt werden. Er muss sich langsam und stetig entwickeln und viele Jahre Potenzial haben.” Umso besser, dass sich seine Einstellung mit der Arbeit von Christian Reiterer zu 100 Prozent deckt.

Neben den Rebflächen erwarb Kilger aber auch noch Weideland. Denn auch in der Steiermark (und Kärnten) sollte Viehzucht betrieben werden. Vor allem Rotwild. Aber auch so exotische Tiere für Wasserbüffel. Weiterverarbeitet wird das Fleisch seit Jahr und Tag in der Weststeiermark. Auch die geschlachteten Tiere aus Siebenbürgen. Da war es nur ein logischer Schritt, neben dem Weingut auch gastronomische Betriebe zu eröffnen. Selbst in Wien gibt es inzwischen eine Weinbar.

Das Team von Domaines Kilger
Dreamteam (v.l.n.r.): Christian Reiterer, Hans Kilger und Uwe Schiefer ©Steve Haider/Domaines Kilger

Domaines Kilger goes Burgenland

Apropos Wein. Hans Kilger war 2017 der Meinung, dass zu einem qualitativ hochwertigen Stück Fleisch bitteschön auch ein Glas hochwertiger Rotwein genossen werden sollte. Nun ist die Steiermark nicht unbedingt für Rotwein bekannt. Das Burgenland indes schon. Dort traf Kilger auf Uwe Schiefer, dem „Rebell vom Eisenberg“. Der einstige Sommelier machte nämlich genau dort die Rebsorte Blaufränkisch wieder groß. Sein Stil: puristisch, querdenkerisch, terroirfixiert und grenzenauslotend. Mit dieser Maximaleinstellung passte Kiefer perfekt zu Domaines Kilger. Auch die Rotweine, die Schiefer seitdem im Burgenland vinifiziert, glänzen durch ihrer Eigenständigkeit. Sowie mit ihrer Langlebigkeit. 

Genau diese Unverwechselbarkeit der Weine, die konsequent die Stärken des jeweiligen Terroirs schmeckbar machen, ist es auch, die beweist, dass ein Weingut nicht zwingend eine lange Tradition haben muss, um hohe Qualitäten auf die Flasche zu bringen. Bei Domaines Kilger kommt einfach zusammen, was zusammengehört: drei Menschen mit jeweils hohen Kompetenzen, die vertrauensvoll auf höchst professionellem Niveau zusammenarbeiten. Und die trotzdem die Leidenschaft nicht vermissen lassen. So geht es eben auch. Sehr gut sogar.

Copyright Titelbild: ©Steve Haider/Domaines Kilger

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss der Domaines Kilger und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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