Federweißer – was ist das eigentlich?

Traditionelles Weinglas mit Federweißer gefüllt draußen auf einem Tisch

Langsam aber sicher kann man in den Supermarkt-Regalen die ersten Federweißer-Flaschen sehen. Aber was ist das eigentlich? Wie schmeckt er? Warum gibt es ihn nicht das ganze Jahr über zu kaufen? Und warum sollte man eine volle Flasche niemals hinlegen? Hier bekommt ihr auf alle Fragen Antworten.

Kaum beginnt bei den Winzern die Lese, werden viele Schleckermäuler ungeduldig. Sind die Trauben erst einmal im Keller, dauert es nicht mehr lange, bis man Federweißen kaufen kann. Denn Federweißer ist nichts anderes als Traubenmost, der gerade erst angefangen hat zu gären. Sind durch die Gärung die ersten vier Volumenprozent Alkohol im Most erreicht, kann dieser dann auch schon abgefüllt und verkauft werden. Ganz ohne Klärung und mit allen Trubstoffen, die der Saft so zu bieten hat. Da ist dann also auch noch die Hefe mit drin.

Und die arbeitet weiter. Deswegen werden die Federweißer-Flaschen auch nicht luftdicht verschlossen. Denn durch das CO2, das durch die Gärung entsteht, erhöht sich der Druck in der Flasche, die dann letztlich irgendwann bersten würde. Die Schraubverschlüsse sitzen also locker, um den Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid zu gewährleisten. Womit ihr jetzt wisst, warum es keine gute Idee ist, eine Federweißer-Flasche hinzulegen.

Limo für Erwachsene?

Frisch gekauft ist Federweißer vor allem eines: sehr süß. Je weiter die Gärung voranschreitet, desto herber wird er, da der Zucker in Alkohol umgewandelt wird. Ergo steigen auch die Volumenprozente im Most. Und zwar bis zu 11% vol. Dann ist er so gut wie durchgegoren, weswegen man ihn auch als Jungwein bezeichnen kann. Wie sehr ein Federweißer durchgärt, könnt ihr übrigens selbst bestimmen. Wenn ihr ihn bei Zimmertemperatur stehen lasst, habt ihr innerhalb von einer Woche einen Jungwein im Glas. Stellt ihr die Flasche in den Kühlschrank, stoppt die Gärung aufgrund der Kälte. Voilà: euer Federweißer bleibt süß wie eine Limo für Erwachsene.

Ob nun mit gestoppter oder fast vollendeter Gärung ist in dem Most eine Sache in rauen Mengen vorhanden: Milchsäurebakterien. Wer da eine Intoleranz hat, sollte lieber die Finger von der süßen Verführung lassen. Aber auch kerngesunde Menschen können die Auswirkungen spüren. Denn Federweißer regt tatsächlich die Darmtätigkeit an. Ich gehe jetzt mal nicht ins Detail – den Rest könnt ihr euch bitte selbst denken. 😉

Reife weiße Weintrauben an einem Rebstock
Für Federweißer werden vor allem frühreife Rebsorten verwendet ©stux/Pixabay

Wann hat Federweißer Saison?

Da Federweißer kurz nach der Traubenlese abgefüllt wird, hat er im Herbst Saison. In den Supermarkt-Regalen findet man in der Regel bereits ab Anfang September die ersten Flaschen. Das ist dann aber kein deutscher, sondern italienischer Federweißer. Ganz einfach, weil die Ernte im Süden früher beginnt. Zwei bis drei Wochen später findet ihr dann aber auch deutschen Federweißer.

Falls ihr das Glück habt und in einer Weinregion wohnt, dann fragt einfach den Winzer eures Vertrauens, ob er auch Federweißen abfüllt – und wenn ja, wann damit zu rechnen ist. Normalerweise gibt es den süffigen Traubenmost bis Ende Oktober zu kaufen. Einige Winzer heben aber auch Trauben gezielt auf und lagern sie sehr kühl, um auch noch im November oder sogar Dezember Federweißen anbieten zu können. Das ist allerdings inzwischen eher die Ausnahme. Falls ihr nicht in einer Weinregion wohnt, dann bleibt euch leider nichts anderes übrig, als im Supermarkt zu kaufen. Online bestellen und schicken lassen, ist keine so gute Idee. Die Literflaschen (in diesen wird Federweißer traditionell abgefüllt) sind ja schließlich nicht fest verschraubt.

Aus welchen Rebsorten wird Federweißer gemacht?

Damit Federweißer direkt zu Flamm- und Zwiebelkuchen, die im September Hochsaison haben, genossen werden kann, muss er natürlich so schnell wie möglich nach der Lese auf die Flasche kommen. Nun reifen Rebsorten ja bekanntlich unterschiedlich. Für Federweißen werden in Deutschland vor allem frühreife Sorten verwendet. Also Bacchus, Ortega oder Siegerrebe. Das sind jetzt wahrlich keine Edelreben. Aber mal ehrlich: beim Federweißen geht es nicht darum, den Charakter einer Rebsorte oder deren Geschmacksprofil tiefsinnig zu ergründen. Da geht es dann doch schon eher um unkompliziertes Trinkvergnügen.

Roten Federweißen gibt es natürlich auch. Der heißt dann aber – wie sollte es auch anders sein – Federroter. Auch hier spielen frühreife Rebsorten die Hauptrolle. Zum Beispiel Frühburgunder oder Dornfelder. Und wenn wir schon bei anderen Namen sind: In Österreich wird dieser angegorene Traubenmost zum Beispiel Sturm genannt. Beziehungsweise Staubiger oder Gestaubter, wenn man aus Ostösterreich kommt. In der Schweiz ist Federweißer als Sauser bekannt. Wobei die Schweizer tatsächlich auch den Begriff Federweißer verwenden – allerdings für einen Blanc de Noirs. Falls ihr mal in der Schweiz seid, wird aus diesem Klugscheißer- dann plötzlich ganz alltagspraktisches Wissen. 😉

Copyright Titelbild: ©tegrafik/Pixabay

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine eigene Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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