Winzer Fred Loimer sitzt auf einer Bank unter einem Baum, vor ihm ein Sekt von ihm

Fred Loimer und der Sekt

Der Begriff Winzersekt mag deutschen Erzeugern vorbehalten sein. Was aber nichts daran ändert, dass auch österreichische Winzer fantastische Schaumweine auf die Flasche bringen. Wie Fred Loimer. Und der hat jetzt mit der Gumpoldskirchen Großen Reserve Blanc de Noirs 2016 seine neueste Kreation auf den Markt gebracht.

Mit Winzer Fred Loimer verbindet man viel. Querkopf. Rastloser. Erneuerer. Und auch Biodynamiker oder Orange-Wine-Macher. Vom Mainstream hin zu höchst eigenständigen Charakterweinen in nicht einmal drei Jahren. Wobei das jetzt auch schon wieder fast 15 Jahre her ist. Seitdem ist Fred Loimer eine echte Größe in Österreich. Weit über das Kamptal hinaus. Neben seinen Stillweinen und seiner Pionierarbeit in Sachen Biodynamie (er gehört zu den Gründungsmitgliedern von respekt-BIODYN) macht sich der Winzer seit geraumer Zeit auch einen Namen als Sektproduzent. Und das nicht zu knapp!

Schaumweine sind seit jeher eine große Liebe von Fred Loimer. Vor allem Winzerchampagner in all seinen Facetten. Da lag es ja eigentlich nahe, auch selbst Sekt zu machen. Gedacht, getan. Und zwar bereits 1991. Aber: wenn der Winzer etwas macht, dann bitteschön auch richtig. Deswegen war 1998 nach sieben Jahren erst einmal wieder Schluss mit dem Sekt. Loimer fehlte schlichtweg die Zeit, um den Schäumern die (für ihn) nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Rüttelpulte für Schaumwein in einem Kellergang
Rüttelpult im Keller von Fred Loimer. © Andreas Hofer

Österreichs Sektpyramide

Doch zum Glück vergeht wahre Liebe ja bekanntlich nicht. 2013 ging es bei Fred Loimer mit der traditionellen Flaschengärung wieder los. Zwei Jahre bevor man in Österreich die dreistufige Sektpyramide einführte, übrigens. An deren Basis steht der Sekt Klassik mit mindestens 9 Monaten Hefelager. Hier dürfen die Trauben von überall aus einem Bundesland kommen und für die Sektbereitung sind alle Methoden erlaubt – nicht nur die zweite Gärung auf der Flasche. Gefolgt von der Reserve mit mindestens 18 Monaten auf der Feinhefe. Hier sind zusätzliche Handlese sowie zweite Gärung auf der Flasche verpflichtend. Die Krönung bildet dann die Große Reserve. Handlese ist hier ebenso vorgeschrieben wie der Fakt, dass die Trauben aus einer Gemeinde kommen müssen – und auch dort gepresst werden sollen. Die klassische Flaschengärung mit mindestens 30 Monaten auf der Hefe sind obligatorisch.

Ein Klassik-Sekt kommt bei Fred Loimer, wie übrigens bei fast allen Winzern, die Sekt machen, nicht vor. Das sind eher massenproduzierte Schaumweine, die trotzdem einen gewissen Anspruch haben (und damit weit über den Erzeugnissen von zum Beispiel Rotkäppchen Sekt stehen, um mal einen deutschen Vergleich mit ins Spiel zu bringen). Bei Loimer fängt die Sektpyramide mit der Reserve an. Da hat er zwei Schaumweine. Beide ohne Jahrgang. Das Besondere: wie schon bei den Stillweinen durchlaufen auch hier die Grundweine den biologischen Säureabbau. Und natürlich sind sie spontan vergoren. Das biodynamische Prinzip greift auch bei der Schaumweinbereitung. Ausgerechnet! Denn nirgendwo sonst könnte man so sehr manipulieren wie hier! Manipuliert wird bei Fred Loimer nicht. Bewusst komponiert indes schon. Beim Sekt ist ja schon der Ausbau der Grundweine (hier: Holzfässer unterschiedlicher Größen) entscheidend. Und natürlich die Assemblage. Also die Vermählung der unterschiedlichen Rebsorten für die Cuvée.

Eine Flasche Sekt von Fred Loimer auf einem Holztisch im Garten, daneben steht ein leeres Weinglas
Natürlich arbeitet Fred Loimer auch beim Sekt biodynamisch. © Andreas Hofer

Burgundersorten und Fred Loimer

Bei der Assemblage gibt es dann direkt die nächste Auffälligkeit. Das Kamptal ist ja vor allem für zwei Rebsorten bekannt. Grünen Veltliner und Riesling. Von beiden Trauben ist Fred Loimer ein großer Fan. Allerdings für Stillweine. In seine Sekte kommt Riesling deswegen nicht. Einen Hauch von Grünen Veltliner findet man lediglich in der Reserve Extra Brut. Ansonsten setzt er vor allem auf die Burgundersorten. Pinot Noir, Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder. Und Zweigelt. “Zweigelt eignet sich meiner Meinung nach für Schaumweine viel besser als für Stillweine”, sagt Loimer während der Präsentation seiner neuesten Sektkreation. So mancher Winzer aus Carnuntum oder dem Burgenland würde ihm da vielleicht widersprechen. Aber fürs Kamptal mag das sehr gut zutreffen.

Mit dem Schwerpunkt auf die Burgundersorten könnte man meinen, dass Fred Loimer der Stilistik von Champagner so nahe wie möglich kommen möchte. Dieser Gedanke ist ihm allerdings fremd, wie er selbst bestätigt: “Wir wollen einen eigenständigen österreichischen Sekt machen und nicht irgendeine Kopie!” Eigenständigkeit ist dann auch das Zauberwort bei den beiden Reserve-Sekten. Die Rosé Reserve Brut  vereint in sich zum Beispiel Zweigelt, Pinot Noir und St. Laurent. Die Stilistik ist fruchtig und recht weinig und süffig. Und trotzdem knochentrocken. Ein wunderschönes Spiel der Kontraste, das zumindest meinen Gaumen immer wieder begeistert. Die Reserve Extra Brut kommt da schon voluminöser und üppiger daher. Da schmeckt man das längere Hefelager und die Aromensymphonie der unterschiedlichen Trauben (Zweigelt, Pinot Noir, Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder sowie eben diesem kleinen Hauch Grünen Veltliner). Herrlich animierend und intensiv, mit einem beeindruckenden Qualitätslevel.

Vier Flaschen Sekt von Fred Loimer auf einem Tisch
Die vier Sekte von Fred Loimer. © Andreas Hofer

Fred Loimer: Langenlois Große Reserve Blanc de Blancs

Womit wir jetzt bei der Königsklasse der österreichischen Sekte wären. Die Große Reserve. Bis vor Kurzem hatte Fred Loimer da mit der Langenlois Großen Reserve Blanc de Blancs einen einzigen Schaumwein im Portfolio. Der erste Jahrgang war 2013. Also dem Jahr, in dem Loimer wieder mit dem Versekten anfing. Derzeit ist der 2016er erhältlich. Mindestens 44 Monate liegt die Cuvée aus Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder auf der Hefe. Natürlich dominieren erst einmal die Noten nach Brioche und gerösteten Haselnüssen. Hinzu kommen Bratapfel und Zitronenschnitte. Aber: wer die Weine von Fred Loimer oder das Kamptal an sich etwas kennt, der wird hier auch das Terroir schmecken. Diese intensive Kraft, die konsequent mit Eleganz gepaart ist; die mineralischen Noten und die feine Würze. Ja, das kommt so nur aus dem Kamptal. Ganz ehrlich? Mich verwundert es gar nicht, dass dieser Sekt 2021 Sieger beim Österreich Wein Salon war.

Detailaufnahme des Sekts Langenlois Große Reserve Balnc de Blancs
Der Blanc de Blancs war die erste Große Reserve von Fred Loimer. © Andreas Hofer

Ganz neu: Gumpoldskirchen Große Reserve Blanc de Noirs 

Mit der Gumpoldskirchen Große Reserve Blanc de Noirs 2016 hat Fred Loimer jetzt aber einen Sekt herausgebracht, der mich tatsächlich noch mehr begeistert. Gumpoldskirchen. Damit verlassen wir das Kamptal und sind in der Thermenregion. Vor ein paar Jahren hatte Loimer dort die Möglichkeit, Pinot-Noir-Rebflächen zu übernehmen. Er griff sofort zu. Der Grund: das Terroir. Hier, an den östlichen Alpenausläufern, dominiert Kalkstein. Und zwar so sehr, dass die zerklüfteten Felsen schon fast ein wenig an die Champagne erinnern. Ideale Voraussetzungen für Schaumwein also.

Und in der Tat: mit raffiniert gezügelter Kraft brilliert dieser reinsortige Pinot Noir mit einer unheimlich schlanken und mineralischen Eleganz, tänzelt mit lebendiger Säure über die Zunge, begeistert mit seinen feinen Brioche-Noten und seinem sehnigen Körper. Und auch wenn Fred Loimer alles andere als Champagner-Kopien auf die Flasche bringen will, das hier ist Eleganz pur im Glas. So sehr, dass jeder bei einer Blindprobe sofort “Champagner!” rufen würde. Nur, dass es eben ein ganz, ganz großer Sekt aus Österreich ist. Ihr seht: so sehr deutscher Winzersekt momentan auch im Trend liegen mag – die österreichischen Schaumweine sollte man auf jeden Fall auf dem Schirm haben. Vor allem die von Fred Loimer. Sie lohnen sich. Sehr sogar.

Copyright Titelbild: © Andreas Hofer

*Dieser Text wurde von Fred Loimer weder beauftragt noch vergütet. Er spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen ausschließlich Service-Zwecken.

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