Sommelière und Schaumweinexpertin Gerhild Burkard mit einem Glas Champagner in der Hand

Gerhild Burkard: “Ich bin ja nicht umsonst Unternehmerin”

In dieser Interviewreihe kommen Frauen aus der Weinbranche zu Wort. Heute unterhalte ich mich mit Gerhild Burkard über ihr Internationales Sparkling Festival.

Mit Haut und Haaren hat sich die Architektin und Sommelière Gerhild Burkard dem Wein und vor allem dem Schaumwein verschrieben. 2012 wurde sie beim internationalen Wettbewerb des französischen Champagnerverbands zur “Champagner Botschafterin Deutschland” gekürt. Sie schreibt und verkostet für den “Falstaff” und andere Magazine. Vor allem Schaumweine. Außerdem veranstaltet Gerhild Burkard für private Weinliebhaber:innen sowie Fachleute Weinreisen rund um die Welt. Und sie rief im Jahr 2017 das Internationale Sparkling Festival ins Leben, das nach zwei Jahren Corona-Pause nun am 19. Juni 2022 im Kloster Eberbach endlich wieder stattfindet.

Genau um dieses Internationale Sparkling Festival dreht sich dann auch alles in diesem Interview. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, so ein Event zu planen? Was sind die Hürden? Und wie heftig hat Corona dazwischengefunkt. Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Gerhild Burkard, wie kamst du eigentlich auf die Idee mit dem Internationalen Sparkling Festival?

Gerhild Burkard: Eigentlich hat alles bereits im Jahr 2014 angefangen. Damals wollte ich einen generellen Schaumweinführer schreiben. Auch mit deutschen Sekten. Aber ich habe keinen Verlag für die Idee gewinnen können. Und auch Magazine haben sich mit dieser Nische schwer getan. 2016 habe ich dann beim “Falstaff” in der Jury für deutsche Sekte gesessen. Da ist mir aufgefallen, wie enorm vielfältig und gut die Qualitäten bei den Winzersekten inzwischen sind. Sie müssen sich vor der internationalen Konkurrenz wahrlich nicht verstecken.

Auf der ProWein 2016 habe ich, neben Champagner-Verkostungen, dann auch ein Tasting mit deutschen Sekten gemacht. Dort ist dann letztlich die Idee geboren, ein Event mit nationalen und internationalen Schaumweinhersteller:innen ausschließlich in traditioneller Flaschengärung zu veranstalten. Schließlich gab und gibt es so etwas in Europa nicht: Die Möglichkeit, unterschiedliche Produzent:innen, Stilistiken und Länder direkt nebeneinander zu haben und zu vergleichen. Und dann auch noch mit den Macher:innen selbst ins Gespräch zu kommen.

Welche Hürden musstest du nehmen?

Gerhild Burkard: So einige! lacht Ich hatte ja keinen finanziellen Hintergrund, um so etwas zu organisieren. Ich habe erstmal geplant, kalkuliert und ein Budget aufgestellt. Dann war da die Suche nach der passenden Location, die zentral in Deutschland liegen und gut erreichbar sein sollte. So kam es zur Villa Kennedy in Frankfurt am Main. Und schließlich ging es an die Finanzierung. Viele Sponsor:innen habe ich für das erste Internationale Sparkling Festival nicht gewinnen können. Die Idee war einfach zu neu und zu sehr vermeintliche Nische. Also ging ich zu meiner Bank. Den Kredit, den ich wollte, habe ich auch dort nicht bekommen. Aber mit einer Bürgschaft auf mein Privateigentum hatte ich dann schließlich das nötige Kapital.

Gerhild Burkard öffnet am Rhein eine Flasche Champagner mit einem Säbel
Gerhild Burkard in Aktion. © Polina Kluss/Gerhild Burkard

Wow, das war aber ganz schön mutig!

Gerhild Burkard: Frauen und Geld ist so ein Thema. Ich mache ja auch Coachings genau zu diesem Thema – Frauen und Geld. Weil Frauen immer total vorsichtig sind. Ich gehöre jetzt bestimmt auch nicht zu den super Risikoreichen. Aber ich musste auch früher mit meinem Architekturbüro immer wieder Risiken eingehen. Und ich habe einfach dran geglaubt, dass dieses Internationale Sparkling Festival funktioniert. Deswegen habe ich es dann durchgezogen. Das war schon ein wenig verrückt.

Mit wie vielen Ausstellern ist das erste Internationale Sparkling Festival 2017 an den Start gegangen? Und wie konntest du sie gewinnen?

Gerhild Burkard: Es waren 45 Aussteller:innen. Bei den deutschen Winzer:innen hatte ich ja schon einen Überblick, was gut ist. Es war von Anfang an so gedacht, dass es auch immer genauso viele deutsche wie internationale Winzer:innen sein sollten. Als Champagner Botschafterin wollte ich aber natürlich auch Champagner dabei haben. Und dann sollte es ja auch richtig international sein. Es war also klar, dass Italien mit dabei ist. Ebenso wie Spanien und Frankreich auch mit Crémant. Dann hatte ich Crémants aus Luxemburg probiert und konnte vier Winzer:innen für das Event gewinnen. Gleiches galt für Österreich. Darüber hinaus habe ich mich dann bei Kolleg:innen erkundigt, wer sonst noch gute Sekte macht.

Zusätzlich habe ich dann  2016 auch die ProWein genutzt, an verschiedenen Stände zu verkosten und neues zu entdecken. Der Rest war dann ganz bodenständige Akquise. Voraussetzung bei allem war, dass sämtliche Schaumweine nach traditioneller Methode bereitet werden. Am Ende hatte ich dann 45 Winzer:innen. Alle waren letztlich begeistert, was für ein Event ich da auf die Beine gestellt habe. Und fanden es dann auch wirklich gut. Was aber nicht hieß, dass das nächste Jahr dann leichter geworden ist. 

Warum?

Gerhild Burkard: Weil ich 2018 noch einmal andere Winzer:innen zeigen wollte, mit dem Ziel: mehr Abwechslung und Vielfalt. Außerdem gestaltete sich die Suche nach Sponsor:innen erneut schwierig. Weder 2017 noch 2018 haben sich finanziell gelohnt.

Trotzdem hast du 2019 weitergemacht.

Gerhild Burkard: Zum Glück! 2019 war sozusagen der Durchbruch für das Internationale Sparkling Festival. Wir hatten viel mehr Besucher:innen. Und auch die Schaumwein-Podiumsdiskussion, die wir vor dem eigentlichen Beginn des Events angesetzt hatten, stieß auf eine große Resonanz. Verschiedene Schaumweinverbände aus Deutschland, Österreich und Südtirol haben in Verbindung mit einem Auftaktreferat von Dr. Matthias Schmitt von der Hochschule Geisenheim zum Thema Klimawandel miteinander diskutiert. Es hatten sich 40 Fachleute für die Konferenz angemeldet. Letztlich waren da aber 80 Menschen dicht gedrängt im Raum. Das war ein voller Erfolg! lacht Deswegen habe ich bereits während des Festivals geplant, beim nächsten Mal eine richtige Konferenz zu veranstalten. Als Partner konnte ich dafür dann die Hochschule Geisenheim gewinnen.

Screenshot von einer digitalen Champagnerverkostung
Digitale Veranstaltung mit Champagner-Größen. © Gerhild Burkard

Und dann kam Corona…

Gerhild Burkard: Ja, dann kam Corona. Ich musste das Internationale Sparkling Festival für 2020 absagen. Das war erstmal ein großer Schock für mich. Ich war tatsächlich paralysiert und dachte: das war’s jetzt. Ich habe den Teilnehmer:innen und Sponsor:innen dann mitgeteilt, dass alles 2021 stattfindet. Und alle haben mir einen wahnsinnigen Vertrauensvorschuss gegeben. Was nicht zuletzt an dem großen Erfolg des Events im Jahr 2019 lag. Alle sind da mitgegangen und haben für 2021 geplant. Bis ich das dann aufgrund Corona erneut absagen musste. Ich komme mir tatsächlich so vor wie 2017, weil sich alle während Corona neu aufgestellt haben und ich quasi wieder bei Null anfangen muss. Das betrifft auch die Sponsor:innen. Von denen haben mir zum Glück einige die Treue gehalten und ausdrücklich meinen Mut, nicht aufzugeben, belohnen wollen.

Wie hast du die Corona-Zeit eigentlich überbrückt?

Gerhild Burkard: Ich bin ja nicht umsonst Unternehmerin. Also habe ich mich hingesetzt und geschaut, was ich jetzt mache. Das führte dann zu den ersten Online-Verkostungen. Die tatsächlich eine gute Perspektive waren. Es folgten dann 16 oder 17 Live-Diskussionen mit Winzer:innen auf YouTube, die sozusagen im Geiste das Sparkling Festivals waren, weil man halt nicht nur verkostet, sondern auch gemeinsam diskutiert hat. Und dann kam noch eine virtuelle Sparkling-Weltreise hinzu. Damit konnte ich etwas den Ausfall des Festivals überbrücken. Viel wichtiger war mir da aber, in Erinnerung zu bleiben. Denn es war ja auch klar, dass es das Internationale Sparkling Festival wieder geben wird, sobald die Situation es zulässt.

Jetzt findet das Internationale Sparkling Festival am 19. Juni im Kloster Eberbach in Eltville am Rhein statt.

Gerhild Burkard: Genau. Mit einem anschließenden Schaumwein-Symposium am 20. Juni 2022 an der Hochschule Geisenheim. Kurze Wege also, was ein großer Vorteil ist. Die Villa Kennedy in Frankfurt am Main ist eine wunderschöne und sehr hochwertige Location. Aber da bestehen keine Erweiterungsmöglichkeiten. Im Kloster Eberbach bin ich da jetzt ein bisschen flexibler. Darüber hinaus finde ich natürlich auch, dass so ein Zisterzienser-Kloster eine toller Ort mit geschichtlichem Weinhintergrund ist.

Mittlerweile hat sich viel in der Schaumweinwelt getan, sie ist vielseitiger, spannender und vor allem nachhaltiger geworden. Zum Glück habe ich auf die ersten Aussendungen eine große positive Resonanz gehabt und viele – auch Neuentdeckungen für mich – haben sich für das für das Internationale Sparkling Festival 2022 angemeldet. Einige warten auch ab,  was passiert. Ich bin mir sicher, dass das Internationale Sparkling Festival am 19. Juni 2022 stattfinden wird und mein Herzblut und das Risiko, dass ich in den letzten Jahren dort hineingesteckt habe, (hoffentlich) wieder belohnt wird.

 Copyright Titelbild: © Polina Kluss/Gerhild Burkard 

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung von Gerhild Burkard wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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