Hans Nittnaus: Der große Zusammenbringer aus dem Burgenland

Winzer Hans Nittnaus im Weingarten

Ob nun respekt-BIODYN, Leithaberg DAC oder die Pannobile-Gruppe. Kaum ein anderer Winzer hat sich derart für eine Weinregion engagiert wie Hans Nittnaus. Herkunft schmeckbar machen, Weinen Raum und Zeit lassen, damit sie ihren Charakter entfalten können. Damit ist Hans Nittnaus einer der ganz großen Vorreiter im Burgenland.

Manchmal muss man Weinmenschen statt Weingüter hervorheben. Auch, wenn sie selbst gar nicht so gerne in den Vordergrund treten. Aber sie haben nun einmal derart viel auf den Weg gebracht, dass man das einfach honorieren muss. Im Herzen, im Kopf. Und im Glas. Einer dieser Weinmenschen ist Hans Nittnaus, der von Freunden auch John genannt werden darf. Tief verwurzelt im Wein, seine Familie betreibt in und um Gols schließlich seit über 300 Jahren Weinbau, gab es bei Hans Nittnaus immer auch eine andere Liebe: die Musik. Nach seiner Winzerausbildung übernahm er 1975 zwar die Verantwortung im Keller, folgte dann aber 1982 doch seinem Herzen und studierte in Wien Komposition. Musik ist nach wie vor ein großer Bestandteil seines Seins. Doch 1984 ging es zurück nach Gols. Der Familienbetrieb brauchte ihn. Die Musik ruhte, Hans Nittnaus wurde Vollzeitwinzer.

Ausgerechnet im Jahr 1985 übernahm Hans Nittnaus zusammen mit seiner Frau Anita das elterliche Weingut. Also in dem Jahr, als in der Öffentlichkeit der Weinskandal wütete. Das Jahr, in dem plötzlich alle österreichischen Weine über einen Kamm geschert wurden und am Pranger standen. Ein Jahr, das auch Winzer hart traf, die eben nicht pantschten, die immer und konsequent ganz nah an der Natur und am authentischen Wein waren. Winzer eben wie Hans Nittnaus. Wie die meisten seiner Kollegen orientierte sich auch Nittnaus zunächst an dem, was gefragt war. Und das waren vor allem Bordeaux-Sorten. Mit Internationalität ließ sich der lädierte Ruf wenigstens etwas retten.

Blick in die Rebflächen am Leithagebirge.
Oh, du schönes Leithagebirge! @Julia Geiter

Hans Nittnaus und der Blaufränkisch

Mal ganz davon abgesehen, dass niemand auf der Welt damals österreichische Rotweine goutierte. Sich an den großen klassischen Rebsorten zu orientieren, war also ein durchaus logischer Schritt. Also pflanzte auch Hans Nittnaus vor allem Cabernet Sauvignon und Merlot, machte aber eine kleine Ausnahme. Den Ungerberg, dem besten Weingarten des Betriebs, bestockte er mit Blaufränkisch. Quasi als kleines Experiment, ob denn auch einheimische Rebsorten Strahlkraft entwickeln können. Konnten sie, wie sich dann 1990 herausstellte. Damals brachte die Lese zwei herausragende Qualitäten in den Keller. Zum einen Cabernet Sauvignon. Zum anderen eben Blaufränkisch.

Und während alle um ihn herum noch konsequent der ausschließlichen Internationalität frönten, traute sich Hans Nittnaus was. Er brachte beide Rebsorten in einer Cuvée zusammen. Es war die Geburtsstunde des “Comondor” – benannt nach einer ungarischen Hunderasse, für noch mehr Lokalkolorit. Eine Cuvée also, die zwei Welten in sich vereint. Und die die Weinwelt ob ihrer Qualität in Begeisterung versetzte. Plötzlich blickte man wieder gen Burgenland, redete über Österreich als Rotweinland. Hans Nittnaus war einer der ersten Winzer, der so das lädierte Image des österreichischen Weins wieder aufpolierte. Die Cuvée “Comondor” ist bis heute einer der großen Flaggschiff-Weine des Weinguts, besteht seit 2004 aber hauptsächlich aus Merlot und nicht mehr Cabernet Sauvignon. Am Blaufränkisch hat sich nichts geändert. Nur ein Schuss Zweigelt kommt noch mit rein.

Schiefer-Erde rund um einen Rebstock im Detail
Tief verwurzelt in den Burgenland-Böden ©Julia Geiter

Die Sache mit Pannobile

Neben dem “Comodor” entstand bei Hans Nittnaus 1990 aber noch ein anderer Wein, der nicht nur für Furore sorgte, sondern die ganze Region erheblich prägen sollte. Der “Pannobile”. Nittnaus wurmte es sehr, dass überall ausschließlich ein Hohelied auf die internationalen Rebsorten gesungen wurde. Er war fest davon überzeugt, dass auch heimische Sorten vergleichbare Qualitäten hervorbringen können. Und weil der Wein für Heimat und Qualität stehen sollte, war auch schnell der passende Name gefunden. Eben “Pannobile” als Mischung aus Pannonien und Nobel. Es folgte der Wein. Oder besser gesagt: die Weine. Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent auf der roten und Burgundersorten sowie Neuburger auf der weißen Seite.

Doch Pannobile ist noch mehr als ein Wein. Hans Nittnaus war mit seinem Unmut nämlich nicht allein. Mitte der 1990er-Jahre gab es in Gols einen Winzerstammtisch. Mit dabei waren unter anderem Paul Achs, Matthias Beck oder auch Gernot Heinrich. Sieben Winzer insgesamt. Hans Nittnaus war einer von ihnen. Sie alle hatten Wut im Bauch. Gegen den Einheitsgeschmack, der vorherrschte, gegen die Uniformität. Und dass man generell nicht erkannte, wie hochqualitativ die einheimischen Rebsorten waren. Statt allein vor sich hin zu arbeiten, schlossen sich diese sieben Winzer zu einer Vereinigung zusammen. Hans Nittnaus gab der Gruppe einen Namen: Pannobile. Genau diesen hatte er sich eigentlich für seine Weine schützen lassen. Eigentlich. Der Rest ist faszinierende Weingeschichte. Denn gemeinsam schafften es die Winzer tatsächlich, dass Blaufränkisch und Co. wieder Trumpf waren.

Fasskeller vom Weingut Hans Nittnaus
Im Keller stapeln sich die 500-Liter-Fässer ©David Schreyer

Hans Nittnaus, der Gemeinschaftsmensch

Womit wir auch schon direkt bei dem Thema sind, das Hans Nittnaus nicht nur als Winzer, sondern vor allem auch als Menschen charakterisiert. Der Gemeinschaftssinn. Pannobile ist nämlich nicht das einzige Projekt, das er vorantrieb. Bereits vor Pannobile war er bei der Gruppe Renommierte Weingüter Burgenland aktiv. Auch beim Leithaberg-Verein und dem daraus resultierenden DAC-Status war er federführend. Und dann ist da natürlich noch respekt-BIODYN. Auch hier war Hans Nittnaus ganz vorne mit dabei.

Und das bringt uns jetzt wieder zu seinen Weinen. Beziehungsweise zu seiner Arbeitsweise. 2006 stellte Hans Nittnaus auf Biodynamie um, ist seit 2013 zertifiziert. Eine logische Konsequenz, denn seit er das Weingut übernommen hat, kommt es ihm ja darauf an, die Herkunft schmeckbar zu machen. Ein Credo, das sich inzwischen so viele Winzer auf die Fahnen geschrieben haben, das bei dem Vorreiter Nittnaus aber tatsächlich mit seinen Ursprung hat. Handarbeit, schonende Weinbergspflege und Diversität im Weingarten verstehen sich bei ihm ebenso von selbst wie eine Vinifikation, die auf Zeit und Bedacht setzt statt auf Eingriffe. Spontanvergärung ist da selbstverständlich. Ebenso, dass weder Schönung und noch Filtration stattfinden. Und ausgebaut wird in 500-Liter-Fässern, die nicht getoastet wurden, damit das Terroir ungestört seinen Charakter im Wein entfalten kann.

Winzer Hans Nittnaus durch die Zweige eines Baums hindurch fotografiert.
Hat viel für den Wein aus dem Burgenland getan: Winzer Hans Nittnaus ©David Schreyer

Große Weine eines großen Winzers

Und eh: das Terroir! Gerade bei Leithaberg DAC ist Hans Nittnaus wieder Vorreiter und baut gleich drei unterschiedliche Blaufränkisch unter dieser Fahne aus, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Joiser Altenberg ist geradlinig und hat ein höchst lebendiges Säurespiel. Der Neusiedler Lange Ohn besticht hingegen mit seiner enormen Eleganz und Harmonie. Unglaublich komplex und dicht kommt indes der Joiser Gritschenberg daher, während der Joiser Jungenberg eine unglaubliche innere Spannung hat, die den Wein auf der Zunge schon fast vibrieren lässt.

Was die Weine dann aber wieder vereint, ist ihr Purismus. Bei den Weinen von Hans Nittnaus rollt nichts fett über die Zunge. Alle Weine sind von einer klaren Struktur geprägt. Es sind keine wilden Stürmer oder lauten Brüller, sondern ruhige Geschichtenerzähler, die auch noch in einer kleinen Ewigkeit mit ihren Stories vom Leithaberg begeistern können. Denn ja, sie alle sind auch Langstreckenläufer und offenbaren ein beeindruckendes Lagerpotenzial, machen mit Luft und Geduld aber bereits jetzt schon enorm Freude. Kurzum: große Weine von einem großen Winzer. Letzteres wird Hans Nittnaus wahrscheinlich nicht gerne hören, steht bei ihm doch konsequent die Arbeit im Vordergrund. Aber manchmal muss man Lob auch einfach aushalten können.

Copyright Titelbild: ©David Schreyer

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Anita und Hans Nittnaus und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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