La Durbane: Quereinsteiger an der Rhône

Winzer Thomas und Florence Giornal-Wesch vom Weingut La Durbane an der Rhone

Wenn zwei ehemalige Chemiker das Weingut des Vaters übernehmen, der eigentlich Steuerberater ist, darf man ruhig mal stutzig werden. Und sich dann wundern. Denn was Florence und Thomas Giornal-Wesch mit ihrem Weingut La Durbane in Châteauneuf-du-Pape auf die Flasche bringen, ist ebenso feinsinnig wie elegant.

Man könnte es als mutig bezeichnen. Oder auch als waghalsig. Fest steht jedenfalls, dass Thomas Wesch im September 2019 den Muskelkater seines Lebens hatte. Erst einen knappen Monat zuvor war er zusammen mit seiner Frau Florence Gioranal von der Schweiz an die südliche Rhône gezogen. Nach Caderousse. Also mitten in die Appellation Châteauneuf-du-Pape. Dort übernahmen sie das Weingut La Durbane von Florences Vater. Und mussten direkt mit der Lese loslegen. Natürlich per Hand. Einerseits, weil es die Statuten der Region so verlangen. Andererseits, um sich mit dem neuen Hab und Gut vertraut zu machen.

Wobei das jetzt überspitzt dargestellt ist. Denn natürlich haben die beiden nicht über Nacht beschlossen, La Durbane in zweiter Generation zu leiten. Tatsächlich reifte der Plan bereits seit 2015, als eben der Vater signalisierte, dass er sich gerne zur Ruhe setzen möchte und fragte, ob denn nicht eine der drei Töchter es übernehmen möchte. Zwei wollten nicht. Eine schon. Und das war Florence, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Mann in der Schweiz lebte, wo sie beide als Chemiker arbeiteten.

Alte Weinreben an der südlichen Rhone
Ein Blick auf die alten Reben von La Durbane. © La Durbane

Wie aus Chemikern Winzer wurden

Waschechte Quereinsteiger also, die erst einmal das taten, was Wissenschaftler halt so machen, wenn sie sich einer neuen Herausforderung stellen. Sie nährten sich von der theoretischen Seite, lasen viel über Weinbau und Önologie und errechneten die Wirtschaftlichkeit. Auf große Praxiserfahrung konnten sie indes nicht unbedingt zurückgreifen. Schließlich war schon Florences Vater ein Quereinsteiger, der seinen Beruf als Steuerberater 1999 an den Nagel hängte, um 3,5 Hektar Rebfläche in Châteauneuf-du-Pape zu kaufen, denen dann zwei weitere Hektar in der breit gestreuten Appellation Côtes du Rhône folgten.

Florence Giornal-Wesch ist keine waschechte Winzertochter, die zwischen den Reben aufwuchs und den Beruf quasi in die Wiege gelegt bekam. Selbst Winzerin zu werden, war also eine sehr bewusste und auch mutige Entscheidung. Mit diesem Wissen im Hinterkopf ist dann auch der schlimme Muskelkater von Thomas Wesch ganz logisch, den er im September 2019 hatte, wie er selbst lächelnd erklärt: “In der Schweiz saß ich als Chemiker neun Stunden vor dem Computer. Und plötzlich stand ich zehn oder mehr Stunden im Weinberg.” Das war nicht nur fürs Gemüt eine krasse Umstellung, sondern vor allem für den Körper. Aber Muskeln erholen sich, und der Drang, selbst etwas mit den Händen zu machen, war da.

Die Winzer vom Weingut La Durbane im Weingarten
Die beiden Generationen von La Durbane im Weingarten. © La Durbane

La Durbane: Neue Herausforderungen inklusive

Obwohl die Umgewöhnung tatsächlich eine gewisse Herausforderung darstellte: “In der Chemie hat man vier Parameter, mit denen man sicher spielen kann. Im Weinbau haben wir aber 90 Paramter. Und die kann man nicht kontrollieren”, verrät Thomas Welsch die größte Umstellung. Zumindest für das Paar selbst. Denn auch die Rebflächen, die inzwischen übrigens 20 Hektar umfassen, von denen 14 derzeit aktiv Ertrag bringen, mussten sich umgewöhnen.

Die ehemaligen Chemiker Florence und Thomas Giornal-Wesch stellten Anfang 2020 ihr Weingut La Durbane nämlich direkt auf biologische Bewirtschaftung um. Ob auch Biodynamie ein Thema ist? “Erst einmal nicht”, betont Thomas Wesch. “Wir haben genug zu tun und müssen noch eine Menge Erfahrung sammeln.” Wobei er die Umstellung auf biodynamischen Anbau nicht konsequent ausschließt. Schließlich ist er mit der Steiner-Lehre sehr vertraut, da er 13 Jahre auf eine Waldorfschule ging. Ein schönes biografisches Spannungsfeld, aus dem heraus jetzt die Ideen für die Zukunft von La Durbane erwachsen.

Große Kieselsteine am Boden an einer Weinrebe in Châteauneuf-du-Pape
Die galets roulés sind typisch für die Weingärten in Châteauneuf-du-Pape. © La Durbane

Profitieren vom Wissen der Nachbarn

Was indes noch nicht wuchs: ein eigener Keller. Wie schon der Vater, vinifziert auch Florence Giornal-Wesch, die bei La Durbane für die Weine verantwortlich ist, während sich ihr Mann um die Rebflächen kümmert, bei befreundeten Nachbarn. Hier pachtet sie Fläche und Equipment. “Da muss man natürlich auch immer Kompromisse eingehen”, verrät die Winzerin. “Nicht immer sind Gärbehälter oder die entsprechenden Tanks frei. Das gilt es bei der Lese zu berücksichtigen.” Andererseits möchte Florence Giornal-Wesch auf die Kompromisse auch nicht verzichten. Schließlich kann sie sich so viel besser mit anderen Winzern austauschen und von deren Erfahrungswerten profitieren.

Thomas Wesch geht es im Weinberg ähnlich: “Wenn ich mit den Reben beschäftigt bin, hält eigentlich regelmäßig immer irgendeiner der Nachbarn an, um zu schauen, was ich gerade mache. Und vor allem: wie ich es mache.” Auch in Frankreich ist das Dorfleben nicht anders als überall sonst. Neuankömmlinge werden erst einmal ausführlich beäugt. “Bei mir kam dann ja auch noch der komische deutsche Akzent dazu. Da schaute man dann eben noch einmal genauer”, erinnert sich Wesch lachend. Doch auch ihm kam und kommt diese Aufmerksamkeit nicht ungelegen. Schließlich hat er durch die anhaltenden und begutachtenden Nachbarn schon viele hilfreiche Tipps bekommen.

Drei Flaschen mit Rotwein auf einem Holzfass im Garten
Für eine kleine Ewigkeit gemacht: Châteauneuf-du-Pape © La Durbane

La Durbane im neuen Gewand

Die gepachtete Kellerfläche wird von dem Ehepaar übrigens mit Grundweinen bezahlt. Der Rest gehört dem eigenen Weingut La Durbane. Die Mengen sind dementsprechend gering: gerade einmal 12.000 Flaschen werden jährlich produziert. Und die haben seit 2020 eine neue, frischere Optik. Den Käufern sollte der Generationswechsel so schnell wie möglich näher gebracht werden. Und das ging am besten mit einem neuen Etiketten-Design, das sehr durchdacht ist. Denn jede Linie kommt mit einem anderen Look daher. Clean und puristisch ist zum Beispiel der Châteauneuf-du-Pape in rot und in weiß. Lediglich die auf die Flasche geprägten Schlüssel, die sich kreuzen, wurden beibehalten. Eben die Flasche, die so typisch für einen Châteauneuf-du-Pape ist.

Mit dem roten Châteauneuf-du-Pape steht die zweite Generation von La Durbane quasi in den Startlöchern. Es ist der letzte der ersten eigenen Weine, die auf dem Markt kommen werden. Das Besondere: statt ihn im Holz auszubauen, reift er 18 Monate im Edelstahltank. Statt eines fetten Holzbrummers erwartet den Weinliebhaber hier also ein etwas schlankerer, dafür aber wesentlich agilerer Wein. Diese Spannkraft wird durch die geschickte Assemblage noch unterstützt. Denn Florence Giornal-Wesch setzt hier vor allem auf Grenache, der durch einen Hauch Mourvèdre und Syrah verfeinert wird. Dabei vertraut sie auf die Qualität der 65 Jahre alten Reben. Das tat auch schon ihr Vater. Vor allem beim Grenache.

Weinflasche mit Côtes du Rhône vom Weingut La Durbane
Steht dem Châteauneuf-du-Pape in Sachen Eleganz in nichts nach: Côtes du Rhône. © La Durbane

La Durbane: Finesse trifft auf Komplexität

So ist der 2007er Châteauneuf-du-Pape zum Beispiel ein reinsortiger Grenache. Damit griff Florences Vater bereits vor über einer Dekade den alten Bereitungsstil auf, der gerade erst wieder in der Appellation wiederentdeckt wird: weg von den alkohollastigen fetten Schnecken, hin zu eleganteren und schlankeren Gewächsen. Die trotzdem brillant reifen können, wie der 2007er Châteauneuf-du-Pape von La Durbane mit seinen erdigen Waldnoten und dem ebenso vollen wie elastischen Körper eindrucksvoll beweist.

Natürlich ist der Châteauneuf-du-Pape das Flaggschiff des Weinguts. Wie sollte es in der Appellation auch anders sein! Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass auch die anderen Qualitäten mit erstaunlicher Finesse und komplexer Feinsinnigkeit punkten. Wie etwas der Côtes du Rhône, der aus 80% Grenache und 20% Syrah besteht. Die Reben wurden bereits 1953 gepflanzt. Dementsprechend intensiv und konzentriert ist das Aroma der Trauben. Nach roten und schwarzen Waldbeeren duftend, ist der Côtes du Rhône überraschend feingliedrig am Gaumen, wo er dennoch ordentlich Druck aufbaut. Dieser wird aber wiederum von den seidigen Tanninen und der präzisen Struktur abgemildert. Dadurch entsteht ein höchst lebendiges Spannungsfeld, das mich vom ersten Schluck an bezaubert hat.

Drei Weinflaschen auf einem Holzsteg am Strand.
Mit den Weinen der Hédoniste-Linie wird Lebensgefühl pur vermittelt. © La Durbane

Großer Einstiegswein von La Durbane

Nicht minder begeistert bin ich übrigens von der Einstiegslinie names Hédoniste. Weine, die im aktuellen Jahrgang auch erstmals die alleinige vinophile Handschrift von Florence Giornal-Wesch tragen. Im weißen Hédoniste vereinen sich 85% Viognier mit 10% Vermentino und 5% Muscat à Petits Grains (gelber Muskateller). Während Vermentino frische Säure in die Cuvée bringt und den Alkohol niedrig hält, sorgt der Muskateller für eine blumig-duftende Note, die perfekt zum Viognier passt. Eine ähnliche Aufgabe übernimmt die weiße Rebsorte dann auch im Hédoniste Rosé, wo sich 5% Muscat zu 95% Grenache gesellen. Die floralen Noten werden von dem zarten Erdbeer-Bouquet ideal im Zaum gehalten.

Hinzu kommt dann noch eine mineralische Frische, die man der südlichen Rhône, wo ja gerne mal alkoholstarke und etwas trägere Tropfen entstehen, gar nicht zutrauen würde. Genau das macht für mich gerade dieses Einstiegslevel von La Durbane zu der vielleicht größten Überraschung. Die Hédoniste-Linie besticht mit ungeheurem Charme und einer zauberhaften Lebensleichtigkeit, aber keiner der Weine ist langweilig oder gar banal. Damit passen sie perfekt zu dem ebenso anspruchsvollen wie auch hochwertigen Rest des Portfolios. Und das Beste habe ich noch gar nicht verraten. Denn alle Weine kommen mit einem unschlagbar guten Preis-Genuss-Verhältnis daher, das man so nur noch bei Underdogs von der südlichen Rhône findet. Ein Status, den La Durbane aber sicherlich bald abstreifen wird. Zu gut sind einfach die Weine. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man auch international auf sie aufmerksam wird. Oder anders ausgedrückt: absolute Kaufempfehlung meinerseits!

Copyright Titelbild: © La Durbane

*Dieser Text wurde von La Durbane weder beauftragt noch vergütet und spiegelt ausschließlich meine eigene Meinung wider. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen alleine Service-Zwecken.

2 Gedanken zu „La Durbane: Quereinsteiger an der Rhône“

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Die Weine und auch die Winzer hören sich für mich sehr interessant an. Wo kann man die kaufen? Versand aus Frankreich ist ja nicht ganz so leicht, oder?

    1. Leider hat La Durbane derzeit noch keinen Händler in Deutschland. Aber es wird dran gearbeitet. 😉 In der Zwischenzeit einfach beim Weingut selbst bestellen. Man spricht dort ja auch deutsch, was die Kommunikation erleichtert. Das Porto wird wahrscheinlich etwas höher sein. Aber die Weine fliegen konsequent unter dem üblichen Preisradar. Da lohnt es sich dann schon wieder. Kleiner Tipp: mal nach älteren CdP-Jahrgängen fragen. Ich war vom 2007er schwer begeistert!

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