Laura Catena: “Gold in the vineyards”

Das Buch Gold in the vineyards von Laura Catena vor schwarzem Hintergrund

Sie ist Ärztin und Weingutsleiterin. Und jetzt auch Buchautorin. In ihrem Werk “Gold in the vineyards” geht Laura Catena auf höchst charmante Art und Weise den Geschichten berühmter Weinlagen auf den Grund. Eine Rezension.

Bodega Catena Zapata! Der Name dieses argentinischen Weinguts aus Mendoza ist wohl das Erste, was einem einfällt, wenn man von Laura Catena spricht. Ihr Vater hat dank seiner Pionierarbeit in Sachen Höhenlagen die Bodega international bekannt gemacht. Und Laura Catena sorgt seit vielen Jahren dafür, dass das auch so bleibt. Weine, die aus dem Adrianna Vineyard aus einer Höhe von über 1.500 kommen, sind nach wie vor kleine Legenden. Was dann aber schon weniger Weinliebhaber wissen: Laura Catena ist auch Ärztin. Sie stieg nicht von Anfang an in den Familienbetrieb mit ein. Es ergab sich dann aber doch irgendwann. Eine glückliche Fügung, wenn ihr mich fragt.

Und noch weniger Menschen wissen, dass sich Laura Catena nicht nur für Weine an sich interessiert, sondern auch für die Geschichten dahinter. Außerdem hat sie noch ein anderes Faible. Kinderbücher. Bunte Bilder, die den Text, den Inhalt, die Geschichte optisch lebendig werden lassen. Wie war sie doch enttäuscht, als sie von Kinder- zu Erwachsenenbüchern wechselte und feststellen musste, dass die Illustrationen einer Bleiwüste weichen mussten. Ein Umstand, mit dem sie sich nie so recht abgefunden hat. Genau diesem Umstand ist ihr Buch “Gold in the vineyards” zu verdanken, in dem ihre Liebe zu Weinen, Weingeschichten und fröhlich gestalteten Kinderbüchern kulminieren.

Buchrücken von Gold in the vineyards

Laura Catena erzählt 12 Geschichten

Denn streng genommen handelt es sich tatsächlich um ein Bilderbuch für Erwachsene. Keinen Comic, keine Graphic Novel. Sondern tatsächlich ein Bilderbuch mit vinophilen Geschichten. Der Name von “Gold in the vineyards” ist dabei natürlich Programm. Es geht um 12 legendäre Weinlagen. Oder Weingüter. Ganz so konsequent ist Laura Catena dann doch nicht. Was aber nicht weiter schlimm ist. Schließlich sind die Geschichten unheimlich interessant.

Da geht es zum Beispiel um Romanée-Conti und ihr legendäres Burgund-Terroir. Oder um die noch legendäreren Süßweine von Château D’Yquem. Die Geschichte rund um Viña Tondonia fehlt ebenso wenig wie die um Château Lafite Rothschild. Selbst die Story hinter der Wehlener Sonnenuhr ist mit dabei. Und natürlich spielt zum Schluss dann auch Adrianna Vineyard eine Rolle. Der berühmte Weingarten im Valle de Uco, der nach Laura Catenas Schwester benannt ist.

Doppelseitige Illustration aus dem Buch Gold in the vineyards

Laura Catenas Geschichtenschnipsel

Der Clou an all diesen Geschichten: Sie sind nur bedingt stringent erzählt. Klar, es gibt schon Texte. Aber immer wieder finden sich Illustrationen, Skizzen, Sprechblasen, Karten und künstlerisch gestaltete Grafiken, die kuriose Fakten und brillant unnützes Wissen perfekt zusammenfassen.

Aus all diesen Schnipseln, ergeben sich sehr schnell stimmige und vor allem emotionale Bilder, die dann wiederum zu einer höchst lebendigen Geschichte werden. Das ist ebenso charmant wie interessant. Auf diese Art und Weise wird Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und ein großer vinophiler historischer Bogen gespannt. Das kann man in einem Rutsch weglesen. Oder aber Häppchenweise genießen.

Grafiken im Buch Gold in the vineyards von Laura Catena

Das Team rund um “Gold in the vineyards”

Die Infografiken stammen übrigens aus der Feder von Pablo Ayala, die Illustrationen von Fernando Adorneti, während Juan Pablo Domenech die Texte zu den Geschichten schrieb. Ja genau, nicht Laura Catena selbst. Was für mich aber nicht weiter tragisch ist. Von ihr kommen letztlich ja Konzept und Hintergrundwissen. Wo manch andere Menschen einfach einen Ghostwriter anheuern, macht sie wenigstens keinen Hehl daraus, dass die Schreibarbeit von Mitarbeitern erledigt wurde. Warum trotzdem nur ihr Name auf dem Cover steht? Nun ja. Die Buchbranche ist ein mindestens ebenso hartes Pflaster wie die Weinbranche. Vielleicht sogar noch härter. Denn Bücher trinkt man nicht leer und entsorgt sie dann im Altbuchcontainer – um mal ein Pendant zur Weinflasche zu fantasieren.

Oder anders ausgedrückt: ein prominentes Zugpferd schadet nicht, damit sich so eine Auflage auch verkauft. Apropos Auflage: bis dato ist das Buch nur auf Englisch erschienen. Auf eine Übersetzung würde ich nicht warten. Wie bei den meisten Büchern zum Thema Wein ist der deutschsprachige Markt einfach zu klein, als dass sich das lohnen würde. Aber lasst euch davon bitte nicht abschrecken. Gerade durch all die bunten Bildchen ist der Inhalt sehr einfach zu verstehen. Mal ganz davon abgesehen, dass das Buch derart charmant gestaltet ist, dass es sich auch gut an andere Weinliebhaber oder gar Weinfreunde verschenken lässt.

Laura Catena: Gold in the vineyards. Illustrated stories of the world’s most celebrated vineyards. 184 Seiten, Catapulta Editores, 2020. 16,99 Euro.

Copyright alle Fotos: ©NK/Bottled Grapes

*Bei diesem Buch handelt es sich um einen Eigenkauf. Die Rezension spiegelt ausschließlich meine eigene Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen alleine Servicezwecken.

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