Winzerehepaar Lisa Bunn und Bastian Strebel vor sehr alten und sehr großen Holzfässern

Lisa Bunn und die Riesling-Schätze vom Roten Hang

Nicht nur Riesling, auch die Burgundersorten haben es der jungen Winzerin Lisa Bunn und ihrem Mann Bastian Strebel angetan. Gemeinsam haben sie zwischen Nierstein und Wintersheim in Rheinhessen die ideale Lage für jede einzelne Rebsorte gefunden.

Lisa Bunn gehört eindeutig zu der jungen Winzer-Generation, der es gelungen ist, dem Weinbau in Deutschland neues Leben einzuhauchen. Gut, das klingt jetzt vielleicht ein wenig arg pathetisch. Der Weinbau an sich lag hier schließlich nicht wirklich am Boden. Aber zum einen war das Image von deutschen Weinen so um die Jahrtausendwende schon ein wenig trutschig. Was zum anderen daran lag, dass in der Masse an kleinen Traditionsbetrieben die Luft ausging. Man übernahm halt das Weingut der Eltern, weil es sich so gehörte. Wenn Pflicht statt Leidenschaft die Triebfeder ist, ist das ursächliche Problem ja eigentlich schon benannt. Wobei es um die Jahrtausendwende tatsächlich immer häufiger vorkam, dass ein Weingut einfach aufgegeben wurde. Der Nachwuchs wollte schlichtweg nicht ans Ruder. Es fehlte an Ambitionen.

Und auch Lisa Bunn übernahm den Margarethenhof, wie das Weingut früher noch hieß, nicht mit wehenden Fahnen. Ihre Eltern kamen mit Müh und Not mit ihrem Wein über die Runden, ackerten dafür aber sieben Tage die Woche. Und die Großmutter riet ihr sogar, lieber Lehrerin zu werden. Zumal es damals noch nicht so üblich war wie heute, dass die Tochter des Hauses den Betrieb übernimmt. Lisa Bunn probierte es während der Schulzeit mit diversen Praktika in anderen Bereichen, konnte aber mit nichts warm werden. Anders ging es ihr da schon mit ihrer Jugendliebe Bastian Strebel. Der Winzersohn aus Wintersheim und Lisa Bunn fanden sich aber nicht nur gegenseitig, sondern auch gemeinsam die Liebe zum Wein. Während Bastian Strebel auf eine klassische Winzerausbildung setzte, studierte Lisa Bunn ab 2006 in Geisenheim.

Lisa Bunn und ihr Mann Bastian Strebel stehen zusammen im Weingarten in Rheinhessen
Ein perfektes Team: Lisa Bunn und Bastian Strebel. © Weingut Lisa Bunn

Lisa Bunn übernimmt den Margarethenhof

Bereits während ihres Studiums begann sie, im elterlichen Betrieb, der inzwischen nur noch von ihrem Vater Georg Bunn geschmissen wurde, Dinge zu verändern. “Ich hatte das große Glück, dass mein Vater mir freie Hand gelassen hat”, erinnert sich Lisa Bunn. Eines ihrer ersten eigenen Weinprojekte war etwa die die Qualitätssteigerung beim Riesling aus dem Roten Hang. Hier hatte es ihr von Anfang an die Lage Orbel angetan, deren Riesling besonders pikant und würzig ist, dem es aber auch nicht an Eleganz mangelt.

Nach und nach lernte Lisa Bunn jede Rebe einzeln kennen, machte sich mit dem Betrieb vertraut. Und stieg dann schließlich 2011 ganz ein. Ihr Vater war froh, die Verantwortung abzugeben. Lisa konnte deswegen ungestört an der Qualitätsschraube drehen. Handarbeit ist bei ihr zum Beispiel nach wie vor Pflicht. Ebenso wie eine Begrünung und das Verbannen von Herbiziden für eine größere Biodiversität. Auch führte sie Spontangärung und Holzfässer für die weißen Burgundersorten ein. Als wäre das noch nicht genug, folgte 2013 aber der eigentlich Paukenschlag. Denn genau 2013 legten Bastian Strebel und Lisa Bunn ihre beiden elterlichen Weingüter zusammen. Es war die Geburtsstunde des Weinguts Lisa Bunn. Denn dass der neu gegründete Betrieb Lisas Namen tragen würde, war von Anfang an klar. Schließlich wurde der ehemalige Margarethenhof quasi der Hauptsitz, während die Weine hauptsächlich in Wintersheim gekeltert werden.

Winzerin Lisa Bunn und Winzer Bastian Strebel stehen im Weingarten im Roten Hang und probieren Weintrauben
Qualitätskontrolle muss sein! © Weingut Lisa Bunn

Gemeinsam stark: Lisa Bunn und Bastian Strebel

Daran hat sich bis heute übrigens nichts geändert. Selbiges gilt für die Arbeitsteilung. Während Bastian Strebel eher auf dem Trecker in den Weingärten anzutreffen ist, ist Lisa Bunn zu Fuß unterwegs. Sie kümmert sich zusätzlich um die Kinder, das Marketing und den Weinverkauf, er ist im Keller federführend. Entschieden wird allerdings alles konsequent gemeinsam. So geht das verlängerte Hefelager für die Lagen-Weine zum Beispiel auf die Kappe von beiden. Selbiges gilt für die Entscheidung, die Trauben so reif wie möglich zu lesen.

Für die Kunden des ehemaligen Margarethenhofs war das tatsächlich eine Umstellung, denn Lisa Bunns Vater erntete immer relativ früh, wodurch seine Weine oft eine recht knackige Säure hatten. Die gibt es in den Weinen von Lisa Bunn zwar auch, aber wird sie jetzt um eine vielschichtige Aromenfülle ergänzt. Denn auch da sind sich Lisa Bunn und ihr Mann Bastian Strebel einig: Herkunft soll man schmecken können.

Winzer Bastian Strebel aus Rheinhessen hält Erde vom Roten Hang in Händen, im Hintergrund fließt der Rhein
Das Ziel: Die Herkunft schmeckbar machen. © Weingut Lisa Bunn

Riesling vom Roten Hang

Womit wir jetzt beim Herzstück des Weinguts Lisa Bunn wären. Dem Riesling. Und zwar dem Riesling vom Roten Hang. An dieser Stelle muss ich allerdings den Plural verwenden. Denn tatsächlich gehören zu den insgesamt 21 Hektar des Betriebs auch einige Parzellen in drei prominenten Lagen des Roten Hangs: Hipping, Ölberg und Orbel. Am bekanntesten ist wohl zweifelsohne der Riesling Hipping von Lisa Bunn. Die 35 Jahre alten Reben gedeihen in südöstlicher Ausrichtung hier auf rotem Ton-Sandstein.

Und zwar absolut exponiert in einer Steillage. Die Sonne brutzelt im Sommer also kräftig drauf, was in der Regel eine recht frühe Lese zur Folge hat, damit die Aromenfrische erhalten bleibt. Der Riesling aus dem Orbel braucht etwas Zeit im Glas. Er öffnet sich nicht sofort, offenbart erst nach und nach eine herrlich mineralische Note, die an nasse Steine erinnert, einen sanften Petrol-Touch und schöne zitrische Anklänge sowie eine delikate Kräuter-Note. Am Gaumen kommen hier Intensität und Eleganz zusammen, niemals wuchtig, aber immer höchst präsent.

Des Ölbergs schwere Seele

Nicht minder präsent ist der Riesling aus der Lage Ölberg. Auch er ist in der Nase zunächst etwas zurückhaltend, offenbart nur zögerlich seine zitrischen Noten und Anklänge von weißem Pfirsich. Er ist nicht ganz so mineralisch und es fehlt ihm (in jungen Jahren) auch der Petrol-Touch. Aber der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Rieslingen wird dann erst am Gaumen klar. Denn beim Ölberg ist die Säure sehr präsent und frisch – und zwar auf eine höchst angenehme Art und Weise. Diese bildet dann übrigens einen sehr spannenden Kontrast zu der “schweren Seele”, die diesem Wein innewohnt. Ein Phänomen, das ich übrigens bei allen Rieslingen aus der Lage bei verschiedenen Weingütern wie Kopp oder auch Gröhl beobachten konnte. Und das ich bei Lisa Bunn nur allzu gerne wiedergefunden habe. Denn diese unterschwellige Schwere in Kombination mit der zitrischen Frische und der Säure sorgt für einen ganz wunderbaren Spannungsbogen.

Winzer steht im Weinkeller und hält die Maische eines Rotweins in seinen Händen
Im Keller hat vor allem Bastian Strebel das Sagen. © Weingut Lisa Bunn

Pikante Orbel-Grüße

Wieder ganz anders kommt dann der Riesling Orbel daher. Hier sind wir eher auf der pikanten Seite des Genusses. Die etwa 30 Jahre alten Reben gedeihen in konsequenter Südausrichtung auf dem Rotliegenden, der dem Roten Hang seinen Namen gab. Neben süßen Pfirsich-Noten findet man hier herbe Aromen von Orangenzesten sowie eine sehr präsente Mineralik und Anklänge von feinen Gewürzen wie zum Beispiel Muskatnuss. Der Riesling aus dem Orbel ist charakterlich etwas tiefgründiger als die beiden anderen, braucht mehr Aufmerksamkeit, belohnt dann aber mit einem großen Genuss.

Mir persönlich hat es da ja vor allem die Muskat-Note angetan, die noch deutlicher hervortritt, wenn man den Wein noch ein paar Jährchen lagert und im heimischen Weinkeller reifen lässt. Wobei ich hier auch noch einen kleinen Geheimtipp habe. Denn im Shop des Weinguts findet man auch das ein oder andere gereifte Exemplar von den Lagen-Rieslingen. Falls ihr die unterschiedlichen Jahrgänge mal miteinander vergleichen möchtet. Das lohnt sich hier sehr, wie ich finde.

Lisa Bunn und Bastian Strebel stehen im Weinkeller und kontrollieren den Geschmack der Jungweine
Gemeinsam wird die Qualität der Weine kontrolliert. © Weingut Lisa Bunn

Noch mehr Weine von Lisa Bunn

Falls jetzt der Eindruck entstanden sein sollte, dass Riesling die große Spezialität von Lisa Bunn ist … Ja, das stimmt. Eine weitere große Liebe von ihr und Bastian Strebel sind allerdings die Burgundersorten. Ihr Spätburgunder gedeiht etwa konsequent in Wintersheim. Hier ist es schließlich kühler. Und Spätburgunder ist nun mal eine kleine Diva, der zuviel Sonne beziehungsweise Wärme nicht gut tut. Und dann wäre da ja noch der Grauburgunder! Dieser wächst in Guntersblum auf einem schweren Lössboden. Die Trauben bekommen hier ordentlich aromatische Substanz. Und diese wird in der Reserve-Version dank eines sehr, sehr klugen Holzeinsatzes noch verstärkt. Wobei aber auch die Eleganz nicht zu kurz kommt. Hier erkennt man dann die feine Handschrift von Bastian Strebel.

Ihr seht: in den vergangenen zehn Jahren hat Lisa Bunn das elterliche Weingut zu einem sehr modernen Betrieb umgekrempelt und in die Zukunft geführt. Und zwar nicht, weil es die Tradition verlangte, sondern weil es ihre eigene Leidenschaft so forderte. Dementsprechend ruht sich weder die junge Winzerin noch ihr Mann auf ihren Lorbeeren aus. Das nächste Ziel ist nämlich schon klar definiert: 2023 wollen sie das Weingut Lisa Bunn komplett auf biologische Bewirtschaftung umstellen. Es tut sich also nach wie vor was in Nierstein.

Copyright Titelbild: © Weingut Lisa Bunn

*Dieser Text wurde vom Weingut Lisa Bunn weder beauftragt noch vergütet und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen ausschließlich Service-Zwecken.

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