Weinberge in Monterey mit Blick auf ein Gebirge in Kalifornien

Monterey: Kaliforniens Cool-Climate-Juwel

Neben den beiden Platzhirschen Napa und Sonoma gibt es ein paar kalifornische Weinbaugebiete, die einen genaueren Blick lohnen. So wie etwa Monterey County. Und genau dieser Region, ihrer Geschichte und ihren Weinen widmen wir uns jetzt.

Wenn die Sprache auf kalifornische Weine kommt, werden vor allem zwei Namen genannt. Zum einen das Napa Valley, das dank der Weinjury von Paris spätestens seit Mitte der 1970er-Jahre einen echten Kultstatus genießt. Und zum anderen ist da dann noch Sonoma County, das sich vor allem dank Russian River Valley und Co. schnell einen Ruf als Cool-Climate-Region und echte Alternative zum Napa Valley erarbeitet hat. Doch mitten in der Central Coast hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein weiteres Anbaugebiet etabliert, das sich innerhalb kurzer Zeit ziemlich gemausert hat. Monterey County.

Gemeinhin wird ja gerne kommuniziert, dass es in Monterey erst in den 1960er-Jahren mit dem Weinbau losging. Tatsächlich gibt es hier aber schon wesentlich länger Wein als man denkt. Werfen wir also mal einen kurzen Blick auf die Geschichte, bevor wir dann zu Klima, Böden, Rebsorten und natürlich den Weinen selbst kommen. Viel Spaß bei unserem kleinen kalifornischen Ausflug!

Weinberg vor einer Bergkette im kalifornischen Monterey County
Willkommen in Monterey County! © California Wine Institute

Geschichte des Weinbaus in Monterey

Es waren spanische Missionare (und nicht Einwanderer wie in Mendocino County), die im Jahr 1771 die ersten Reben in Monterey pflanzten. Und zwar die Missionarstraube, die ihren Saft vor allem für Mess-, aber auch für schlichte Tafelweine hergab. Auch Likörweine wurden aus ihr bereitet. Die ersten Hektar wurden im Salinas Valley gepflanzt und von den beiden Missionen San Antonio de Padua und Nuestra Senora de la Soledad bewirtschaftet. Beeindruckend war die Weinqualität damals freilich noch nicht. Die Gewächse waren eher schlicht – und ausschließlich für den Eigengebrauch bestimmt. Das blieb auch lange Zeit so, denn erst im Jahr 1919 legte der Franzose Charles L. Tamm den ersten kommerziellen Weinberg an. Und zwar einen Weinberg, den man heute noch kennt: Chalone Vineyard. Tamm pflanzte damals übrigens Chenin Blanc. Er war fest davon überzeugt, dass der Kalksteinboden mit dem aus dem französischen Burgund identisch ist. Und das darauf dementsprechend große Weine entstehen können.

Die wahre Größe des Bodens konnte Tamm dann aber erst einmal nicht herausfinden. Denn im Zuge der Prohibition (1920 bis 1933) sollten die Reben eigentlich herausgerissen werden. Was sie rettete, war der Glauben. Denn abermals wurden die Trauben für die Herstellung von Messweinen genutzt. Nach und nach geriet der Chalone Vineyard dann allerdings in Vergessenheit – und damit auch Monterey als Weinanbaugebiet. Das änderte sich dann tatsächlich erst 1960. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Denn damals veröffentlichte Professor Albert J. Winkler von der Universität Davis seinen nach ihm benannten Winkler-Index, mit dem er das Klima für den Weinbau klassifizierte. Und siehe da: er sortierte Monterey County in die Regionen I und II ein. Damit stand das Gebiet auf einer Stufe mit dem Bordeaux und dem Burgund. Als i-Tüpfelchen schätzte Professor Winkler Monterey County in seinem finalen Bericht als Premium-Weinbaugebiet ein.

Morgennebel über Bergen und Rebflächen an der kalifornischen Küste
Hier sieht man schön, wie der kalte Morgennebel weicht. © California Wine Institute

Monterey County wird Weinland

Was folgte, war ein regelrechter Run auf die landwirtschaftlichen Flächen in Monterey County. Denn neben der eindeutigen Empfehlung von Professor Winkler gab es von der US-Regierung auch noch einen Steuervorteil für alle Winzer, die in Monterey Land kauften und Weingärten anlegten. Standen im Jahr 1960 gerade einmal 40 Hektar unter Reben, waren es 1979 beeindruckende 12.500 Hektar. Allein zwischen den Jahren 1971 und 1973 wuchs die Rebfläche um 10.100 Hektar! Solch ein rapider Wachstum ist in der Weinwelt fast einmalig. Nur leider hatte diese Masse in den ersten Jahren nicht unbedingt auch Klasse zur Folge. Zum einen waren es vor allem Großbetriebe, die sich hier niederließen, beziehungsweise lediglich anbauten und die Trauben dann zu ihren Großkellereien in anderen Regionen verfrachteten. Tatsächlich werden bis heute 50 Prozent der gesamten Erntemengen aus Monterey County in Tanklastwagen in andere kalifornische Regionen gekarrt, wo aus ihnen dann “Central Coast”-Weine en masse entstehen.

Hinzu kam, dass man sich anfangs ein wenig mit den Weinlagen verzockte. Professor Winkler pries Monterey ja als großen Cool-Climate-Newcomer an. Was auch stimmte. Die meisten Großbetriebe legten ihre Weingärten aber im Salinas Valley an. Hier ist das Tal zur Monterey Bay hin nicht nur offen, sondern bildet eine Art Trichter, durch den sich jeden Nachmittag kalte Seeluft presst. Und zwar effektiver als erwartet. Die kalte Luft rauscht mit einer derartigen Kraft durchs Tal, dass sie bei Reben die zarten Triebe abreißen kann. Hinzu kommt, dass es im Salinas Valley verdammt trocken ist. Die Kombination aus Trockenheit und Kälte hat allerdings Weine zur Folge, die eher krautig schmecken und dank der Turbo-Cool-Climate-Bedingungen nicht so wirklich elegant sind.

Küste von Monterey in Kalifornien
Je näher an der Küste, desto kühler das Klima. © See Monterey

American Viticultural Areas

Was jetzt aber nicht bedeutet, dass alle Gewächse aus Monterey County derart schlicht und eher massentauglich sind. Im Gegenteil! Den von den 1980er-Jahren an tat sich in der Region einiges! Heute sind hier gut 18.600 Hektar mit Weinstöcken bepflanzt – von der Monterey Bay ganz im Norden bis zum 150 Kilometer entfernten Paso Robles. Das Wachstum wurde also erstmal verlangsamt. Hinzu kam, dass von 1982 bis 2004 die Region gezielt in AVAs aufgeteilt wurde. AVA steht für American Viticultural Area. Das ist sozusagen die amerikanische Appellations-Version. Also ein geschütztes Herkunftsgebiet, in dem für die Weinbereitung vorher klar definierte Regeln gelten. AVAs können sich überschneiden und machen auch vor County-Grenzen nicht halt. Aber dieses System erkläre ich demnächst mal an anderer Stelle.

Für Monterey County ist es erstmal gut zu wissen, dass man insgesamt neun AVAs geschaffen hat. Die da in chronologischer Entstehungsreihenfolge wären:

  • Chalon (1982)
  • Carmel Valley (1982)
  • Arroyo Seco (1983)
  • Monterey (1984)
  • San Lucas (1987)
  • Santa Lucia Highlands (1990)
  • Hames Valley (1994)
  • San Bernabe (2004)
  • San Antonio Valley (2006)

    Karte mit den Wein-Appellationen in Monterey County
    Viele der kleineren AVAs liegen in der großen AVA Monterey. © California Wine Institute

Zwei wichtige AVAs in Monterey County

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle AVAs im Detail aufzudröseln. Zumal nicht alle von ihnen auch international eine Rolle spielen. Ein paar Highlights gibt es dann aber doch. Wie etwa die älteste AVA Chalon, wo der kommerzielle Weinbau in Monterey County 1919 ja begann. Chalon liegt im zentralen Teil der Gavilan Mountain Range auf einer Höhe von 550 Metern über dem Meeresspiegel. Damit sind die Weingärten hoch genug, sodass die extrem kalten und heftigen Strömungen aus dem Salinas Valley keinen oder nur einen geringen Effekt haben.

Hinzu kommt, dass der Boden nicht nur von Kalkstein, sondern auch von Granit geprägt ist. Diese Kombination ist im kompletten County tatsächlich einmalig. Hier gedeihen vor allem Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Blanc, Chenin Blanc und Syrah. Die Verbindung von Sonne, Wärme und moderaten kühlenden Winden sorgen hier für vollmundige Weine, die trotzdem eine schöne Eleganz und Frische aufweisen. Mit gerade einmal 121 Hektar gehört Chalon zu den kleineren AVAs im County.

Monterey AVA ist indes mit über 16.000 Hektar das größte Gebiet in der Region. Da sich die AVA durch das komplette County zieht, sind die klimatischen Bedingungen hier sehr vielfältig. Einzig der Boden eint die AVA, denn der ist hier vor allem von Lehm geprägt. Im südlichen Bereich von Monterey ist es generell etwas wärmer, mit weniger kühlenden Brisen oder Morgennebeln. Hier sind deswegen Bordeaux-Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot Trumpf. Auch Syrah und Petite Sirah fühlen sich hier wohl. Im Norden hat man den kühlenden Einfluss der Monterey Bay sowie dessen klimatischen Effekt Richtung Salinas Valley. Das ist dann Cool Climate par excellence. Dementsprechend trumpfen Pinot Noir und Chardonnay ganz groß auf. Auch ein wenig Riesling findet man. Der unangefochtene Star ist aber ganz eindeutig Chardonnay, der hier 50 Prozent der Gesamtproduktion ausmacht.

Weingarten in Kalifornien, in dem ein paar Bäume stehen
Generell ist es in Monterey sehr trocken. © See Monterey

Weinwirtschaft im Überblick

Und eh: Chardonnay spielt in Monterey County generell eine wichtige Rolle. Zwar sind deren Gewächse aus den Sonoma-Cool-Climate-Gebieten bekannter. Was aber nichts daran ändert, dass Monterey der größte Chardonnay-Erzeuger in den Vereinigten Staaten insgesamt ist. Dicht gefolgt von Pinot Noir übrigens. Hier ist man allerdings nicht in den gesamten USA führend, aber immerhin in ganz Kalifornien. Und das will schon was heißen. Denn schließlich kommen 90 Prozent aller amerikanischen Weine aus dem Sunshine State. In diesem Kontext betrachtet liefern die neun AVAs in Monterey County dann aber lediglich neun Prozent der gesamten Weinproduktion der Vereinigten Staaten.

Auch wenn Weine aus Monterey in Europa noch eher eine Nebenrolle spielen, fokussieren sich immer mehr Winzer auf die Region. So gibt es hier derzeit insgesamt 82 Weingüter. Das hört sich erstmal nicht viel an. Aber 2012 waren es noch 46 Prozent weniger! Diese Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass immer mehr Winzer das Potenzial fernab der Massenweise erkennen und hier ganz gezielt mit dem Terroir arbeiten wollen. Natürlich dominiert noch dank der Großbetriebe die industrielle Mainstream-Verarbeitung. Aber der Wachstum an kleinen und eigenständigen Weingütern macht Hoffnung, dass es die Qualitäten, die derzeit verstärkt in Monterey County entstehen, auch irgendwann in größerer Stückzahl über den großen Teich nach Europa schaffen.

Copyright Titelbild: © California Wine Institute

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

4 Kommentare

  1. Wiederum ein interessanter, klar und kurz verfasster Weinblog. So „süffig“ geschrieben. Super. Vielen Dank Nicole Korzonnek. Frage: Welche Monterey und Chalon Weingüter verfolgst du selbst?

    1. Vielen Dank, lieber Pius! Ein großer Klassiker ist für mich das Weingut Chalon Vineyard. Hier vor allem die beiden Estate-Reserven Chardonnay und Pinot Noir – wie sollte es auch anders sein bei der speziellen Lage. Eher größer und bekannter: Scheid Vineyards. Dementsprechend etwas massentauglicher, wobei man auch hier Interessantes findet. Zum Beispiel die Claret Reserve. Die Single Vineyard Series von Wrath Wines finde ich persönlich auch interessant. Dort wird übrigens biodynamisch gearbeitet. Nicht in Monterey beheimatet, aber mit Weingärten in der Region: J. Lohr Estates. Der Pinot Noir Falcon’s Perch hat ein echt gutes Preis-Genuss-Verhältnis. Aber wie gesagt: alles mein persönlicher Geschmack – deswegen keine Garantie. 😉

        1. Gerne, lieber Pius. Die Weine von Scheid und J. Lohr bekommst du zu großen Teilen problemlos bei mehreren Online-Anbieter im deutschsprachigen Raum. Für Chalon und Warth sind mir leider keine Händler bekannt. Deren Weine sind mir lediglich im Rahmen von Fachverkostungen ins Glas gekommen.

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