Weinkritiker René Gabriel im Porträt

Wein-Experte René Gabriel mit einem Glas Rotwein in der rechten Hand

Koch, Weineinkäufer, Buchautor, Universalglas-Erfinder – und Weinkritiker. Kaum ein anderer Weinexperte im deutschsprachigen Raum ist derart umtriebig wie der Schweizer René Gabriel. Ein Porträt.

Der Titel Wein-Papst mag nach wie vor von Robert Parker belegt sein, aber im Weinbereich kann es durchaus mehrere Päpste geben. Deswegen trägt René Gabriel seit vielen, vielen Jahren den Beinamen Bordeaux-Papst. Nicht ohne Grund, denn kaum ein anderer Weinexperte kennt sich mit eben dem Bordeaux derart gut aus wie der 1957 geborene Schweizer. Wenn man mal von einer handvoll anderer Weinkritiker wie Robert Parker oder Jeb Dunnuck absieht.

Große Vergleiche, die René Gabriel nicht zu scheuen braucht, auch wenn er vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt ist. Hinzu kommt, dass er eben kein reiner Weinkritiker ist, sondern dank diverser anderer Aktivitäten wohl besser als professioneller Weinmensch beschrieben werden kann. Aber fangen wir von vorne an.

Mövenpick und Weinwisser

Für René Gabriel stand schnell fest, dass es ihn in die Genusswelt zieht. Mit 16 begann er eine Ausbildung zum Koch in Luzern. 1986 übernahm er das Hotel Kreuz in Sempach, erkochte sich im dazugehörigen Restaurant gastronomische Aufmerksamkeit – und beeindruckte mit einer über 1.000 Positionen umfassenden Weinkarte. Denn ja, bereits damals war Wein Gabriels Steckenpferd. Wenn es ums Bordeaux ging, konnte ihm keiner etwas vormachen. Das beeindruckte. Und zwar unter anderem den Mövenpick-Gründer Ueli Prager, der René Gabriel als Chefeinkäufer in sein Unternehmen holte. Von 1990 bis 2005 prägte Gabriel so das Sortiment des Weinhändlers aus der Schweiz. Und auch nach seinem Ausscheiden aus der Firma war er noch einige Jahre dort als freier Berater ein gern gesehener Gast.

Wein-Experte René Gabriel zwischen seinen Universalweingläsern
René Gabriel mit seinem berühmten Universalglas ©René Gabriel/Heike Witzgall

Das war das Einkäufer Gabriel. Kommen wir zu dem Weinjournalisten Réne Gabriel. 1992 rief er nämlich den Weinwisser ins Leben. Damals noch kein Magazin, sondern ein monatlich erscheinender Infoletter mit Verkostungsnotizen. Also ein ähnliches Prinzip wie Robert Parker’s Wine Advocat. Weitere Parallelen: die Abonnentenzahl stieg – und die Fangemeinde wuchs ebenso wie das Autorenteam. 2007 verkaufte Gabriel den Weinwisser übrigens. In der Zwischenzeit publizierte er zahlreiche Bücher wie etwa “Bordeaux à Jour” oder “Bordeaux Total” (auch als Pocket-Ausgabe) und festigte so seinen Ruf als Bordeaux-Papst. Seit 2013 betreibt er mit bxtotal.com auch noch eine der größten Datenbanken zum Thema: über 60.000 Weinnotizen und Bewertungen warten dort auf die zahlenden Abonnenten.

René Gabriels Punkte-Skala

Womit wir dann jetzt auch endlich beim Bewertungssystem von René Gabriel wären. Wie in Europa üblich, nutzt er eine Skala mit 20 Punkten – das sogenannte COS-System, das sich von den lateinischen Wörtern Color, Odor und Sapor ableitet. Dieses Bewertungssystem ist wie folgt aufgebaut:

  • Max. 2 Punkte Color (Aussehen)
  • Max. 6 Punkte Odor (Geruch)
  • Max. 8 Punkte Sapor (Geschmack)
  • Max. 4 Punkte Gesamteindruck

René Gabriel, Goldene Nase, Buch, Rezension, Bottled GrapesWobei René Gabriel nicht strikt nach diesen Kriterien geht. Seine Weinbewertungen, die stilistisch eher blumig und philosophisch sind, weil sie immer auch die Emotionalität eines Weins einzufangen versuchen, lassen sich nicht in ein starres Bewertungskorsett pressen. Wenn Gabriel ein Wein besonders stark begeistert, kann es auch schon mal sein, dass er 21 statt der rechnerisch möglichen 20 als Maximalpunktzahl vergibt. Wobei das aber nichts an der eigentlichen Kategorisierung ändert:

  • 0 – 9 Punkte: fehlerhafter Wein
  • 10 -11 Punkte: nicht zufriedenstellender Wein
  • 12 – 13 Punkte: guter Wein
  • 14 – 15 Punkte: sehr guter Wein
  • 16 – 17 Punkte: ausgezeichneter Wein
  • ab 18 Punkte: Spitzenqualität

René Gabriel und das Universalglas

Neben vielen Moderationen, Verkostungen, professionellen Weinreisen und anderen Events, die René Gabriel in regelmäßigen Abständen anbietet, ist sein Name seit 2010 aber auch noch aus einem ganz anderen Weinbereich nicht mehr wegzudenken: der Glas-Branche. Damals entwickelte er nämlich ein Universalglas für Wein. Also ein Glas, in dem Rot-, Weiß-, Schaum- und Süßwein stets gleich gut zur Geltung kommen. Das Gabriel-Glas. Davon gibt es zwei unterschiedliche Ausführungen. Das maschinell gefertigte “Gabriel Standard”, das etwas günstiger ist, sowie das mundgeblasene “Gabriel Gold”, das um einiges leichter und eleganter ist.

Man kann jetzt gerne darüber diskutieren, in welchem Bereich René Gabriel sich einen größeren Namen gemacht hat – als Bordeaux-Papst und Weinkritiker, oder als Geschäftsmann in der Weinwelt. Fest steht, dass er in beiden Bereichen eine feste Größe ist.

Copyright Titelbild: ©René Gabriel

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er wurde von René Gabriel weder in Auftrag gegeben, beeinflusst oder vergütet, sondern spiegelt lediglich meine persönliche Meinung wider. Alle gesetzten Links sind nicht kommerziell, sondern dienen alleine Service-Zwecken.

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