Sattlerhof: Charakterstarke Weine aus der Südsteiermark

Winzer Willi, Andreas und Alexander Sattler verkosten gemeinsam Wein im Weinkeller

Familie Sattler hat in der Südsteiermark echte Pionierarbeit geleistet. Ohne sie wäre die Südsteiermark heute nicht da, wo sie ist: ganz vorne auf dem internationalen Weinparkett. Höchste Zeit, euch den Sattlerhof samt seinen Menschen etwas genauer vorzustellen.

Wobei das mit der genauen Vorstellerei so eine Sache ist. Denn ich habe das Gefühl, dass bereits jedes kleinste Detail vom Sattlerhof hinaus in die weite Welt geschwappt ist. Und das auch aus gutem Grund, denn die Weine, die die Sattlers auf die Flasche bringen, strotzen nur so vor Charakter und Eigenständigkeit – und zwar im besten Sinne: unverwechselbare Weine, die von ihrer Herkunft erzählen. Auch schon bei den Ortsweinen.

Aber fangen wir mal von vorne an. Denn diese außergewöhnlichen Qualitäten, die Jahr für Jahr mit Punkten und Preisen überhäuft werden, sind ja schließlich keine Selbstverständlichkeit. Zwar gehört der Sattlerhof ganz eindeutig zu den älteren Betrieben in Gamlitz – er besteht seit 1887 – aber erst Wilhelm Sattler beschäftigte sich intensiv mit dem Weinbau. Seinem Sohn Willi Sattler sind die Wein-Anfänge auch heute noch sehr präsent: “In den 1960ern, da war hier nichts. Die ganze Gegend war praktisch tot.“

Panoramablick auf den Sattlerhof in der Südsteiermark
Traumhafter Blick auf den Sattlerhof ©Sattlerhof

Wilhelm Sattler, der Weinpionier

Und genau dieser toten Gegend, die ihre herrlichen Steilhänge kaum nutzte, hauchte Wilhelm Sattler vor allem mit einer Rebsorte neues Leben ein: Sauvignon Blanc. Damit aber noch nicht genug! Er baute seine Weine auch noch trocken aus! Und dann hatten sie auch damals schon Charakter, waren dadurch unverwechselbar. Nicht nur in der Südsteiermark sorgte das für Wirbel. Die Aufmerksamkeitswellen schlugen bereits damals über die regionalen Grenzen hinaus durch ganz Österreich.

Nach und nach nahmen sich immer mehr Winzer Wilhelm Sattler als Vorbild und machten selbst auch Weine, die von ihrer Herkunft erzählten. Tschüss, Konformität. Hallo, Einzigartigkeit. Plötzlich regte sich die ganze Region vinophil. Es war also echte Pionierarbeit, die Wilhelm Sattler mit seinen Weinen da leistete. Eine Leistung, die dann auch mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes gewürdigt wurde.

Sattlerhof: Wie der Vater, so der Sohn

Winzer Willi Sattler vor Barrique-Fässern im Keller des Sattlerhofs
Kann zupacken: Willi Sattler ©Moodly

Was sich nach eitel Sonnenschein anhört, war tatsächlich aber harte Arbeit. Mit Visionen alleine kommt man bei dem feuchtwarmen Wetter und den Steilhängen nicht weit. Man muss auch ordentlich anpacken können. Dafür muss man schon geboren worden sein. So wie zum Glück Wilhelms Sohn Willi Sattler, der bereits mit 20 Jahren den Sattlerhof übernahm, weil sein Vater krank wurde. “Früher als mir eigentlich lieb gewesen wäre”, gesteht er heute. Aber was sollte er machen? Der leidenschaftliche Weinfunke war ja auch schon längst auf Willi Sattler übergesprungen!

Deswegen übernahm Willi nicht nur den Sattlerhof, sondern auch die Visionen seines Vaters. Nämlich die Südsteiermark aufs internationale Parkett zu bringen und so die Region zu beleben. Wie schon sein Vater, leistete auch Willi Sattler echte Pionierarbeit. Und zwar nicht nur in Sachen Wein. Denn auch der Tourismus wurde von ihm gefördert, indem er mit gutem Beispiel voran ging und ein Genießerhotel und Landhaus sowie ein Wirtshaus und zusätzlich ein Restaurant, in dem Willis Bruder, der Haubenkoch Hannes Sattler, die Gäste kulinarisch verwöhnt, auf dem Sattlerhof implementierte.

Vier Rieden, viele charaktervolle Weine

Wobei der größte Fokus von Willi Sattler natürlich auf dem Wein an sich lag und nach wie vor liegt. Auch hier war er wieder Vorreiter, als er auf biologische Bewirtschaftung der 36 Hektar umfassenden Rebflächen rund um Gamlitz und Eichberg umstellte. Herzstück der Rebanlagen, sind ohne Zweifel die vier Rieden Kranachberg, Sernauberg, Kapellenweingarten sowie die Monopollage Pfarrweingarten. Hier gedeihen neben Sauvignon Blanc auch Morillon (hierzulande besser als Chardonnay bekannt) und Muskateller.

Weinlese in den Steilhängen vom Sattlerhof
Bei der Lese ist alles reine Handarbeit ©Sattlerhof

Die große Kunst, die man den Weinen sofort anschmeckt: Sie alle erzählen von ihrem Terroir. Und das ist höchst unterschiedlich! Die Riede Kapellenweingarten ist mit 550 Metern die höchste Lage des Sattlerhofs. Kalkhaltige Sand- und Schotterböden sorgen hier für kühle und aromatische Weine. Ried Sernauberg, übrigens als Erste STK-Lage klassifiziert, liegt in einem Kessel mit extrem steilen Hängen. Hier ist der Boden von feinem Sand mit Schotterauflage geprägt. Also nicht ganz unähnlich zum Kapellenweingarten. Allerdings haben die Böden weniger Kalk. Die Weine sind dadurch eher fruchtig und floral.

Der Sattlerhof und seine Top-Lagen

Womit wir jetzt bei den beiden Großen STK-Lagen wären. Die Riede Kranachberg hat einen sehr kalkhaltigen Sandboden mit Hellglimmer und einem hohem Mangangehalt. Die Weine aus dieser Lage erkennt man eigentlich sofort: sie haben eine sehr feine und auch kühle Würze, sind wahnsinnig tief und komplex und zeigen mal so richtig Muskeln. Oder anders ausgedrückt: Das sind Weine, die für eine kleine Ewigkeit gedacht sind. Bitte nicht zu früh öffnen, sondern ihnen lieber noch ein paar Jährchen (oder gerne noch mehr) im Weinkeller gönnen.

Ried Kranachberg in der Südsteiermark
Legendäre Riede: Kranachberg ©Sattlerhof

Es ist aber eine andere Lage, die es Willi Sattler ganz besonders angetan hat, nämlich die Riede Pfarrweingarten: “Seit über 40 Jahren pachten wir diese Ausnahme-Riede von der Pfarre Gamlitz. Damals war mein Vater Mitglied im Pfarrgemeinderat und dadurch mit dem örtlichen Pfarrer befreundet. Er unterstützte den Gamlitzer Geistlichen beim Weinmachen, denn dieser hatte vom Winzerhandwerk natürlich wenig Ahnung. Von der Ried Pfarrweingarten war mein Vater von Anfang an fasziniert: der reine Korallenkalkboden und die Kessellage fördern stets die Feingliedrigkeit und Eleganz im Wein. Mein Vater hat das Potenzial dieser Riede erkannt und eine Pacht mit dem Pfarrer vereinbart – eine himmlische Fügung!” Hier fühlen sich vor allem die Burgundersorten wohl. Wer als Grauburgunder-Verweigerer selbigen aus dieser Lage probiert, der wird zum Fan dieser Rebsorte. Mir ist es jedenfalls so ergangen.

Alexander und Andreas Sattler sind mit am Start

Eigentlich ist es ein wenig unfair, hier die ganze Zeit nur von Willi Sattler zu schreiben. Denn der Sattlerhof ist und bleibt ein Familienbetrieb. Willis Sattlers Frau Maria hilft ebenso tatkräftig wie die beiden Söhne Alexander und Andreas. Auch bei den Söhnen ist das Qualitätsverständnis in Fleisch und Blut übergegangen. Ohne akribische Handselektion und schonender Traubenverarbeitung im Keller geht bei jedem der Sattlers nichts. Willi, Alexander und Andreas Sattler arbeiten da Hand in Hand, gehen auch mal neue Wege und diskutieren fleißig über Qualitäten.

Hinzu kommt, dass alle immer und ständig das Große und Ganze im Blick haben – und ständig ihren Horizont erweitern, um offen für Neues zu sein. Willi Sattler geht deswegen sehr gerne auf Reisen, besucht Weingebiete rund um die Welt, um mit neuen Impulsen für den Sattlerhof zurückzukommen. Denn schließlich hat Willi Sattler viel dafür getan, dass die Steiermark in der Weinwelt endlich eine Rolle spielt – jetzt soll das bitteschön auch so bleiben: “Steirischer Wein ist heute einer der besten Weine der Welt, er muss sich also international vergleichen, messen und auch inspirieren lassen.”

Jungwinzer Andreas und Alexander Sattler vom Sattlerhof
Mit Andreas und Alexander Sattler ist auch die nächste Generation am Start ©Moodley

Die Sattlers: Handwerker im besten Sinne

Was sich jetzt sehr philosophisch und – ja – auch künstlerisch anhört, fußt bei Alexander, Andreas und Willi Sattler aber vor allem auf eins: harter Arbeit. Keiner von ihnen sieht sich als Künstler. Sie alle sind Handwerker im besten Sinne, die tagtäglich zwischen den Weinreben stehen und tatkräftig zupacken. Allein, wenn es um die Kellerarbeit geht, halten sie sich im Zaum. Denn damit die unterschiedlichen Weine ihre ebenso unterschiedlichen Charakteren ausbilden können, ist hier natürlich kontrolliertes Nichtstun angesagt.

Es lohnt sich beim Sattlerhof übrigens nicht nur, einen Blick auf die Rieden-Weine zu werfen. Denn auch bei den Gebiets- und Ortsweinen wird man als Weinliebhaber schnell fündig – mit dem großen Vorteil, dass man meist nicht mehr so lange auf den großen, großen Genuss warten muss wie bei den Lagenweinen. Mir hat es da vor allem ein Ortswein angetan: der Sauvignon Blanc Gamlitz. So herrlich schlank und elegant und kühl, aber eben auch mit viel fruchtiger Papaya und einer herrlichen Saftigkeit, die dafür sorgt, dass sich die Flasche viel zu schnell leert. Ach, ich höre jetzt lieber mit dem Schwärmen auf, denn sonst schreibe ich hier Romane. Der Sattlerhof gehört halt nicht ohne Grund zu den Top-Produzenten der Südsteiermark.

Copyright Titelbild: ©Sattlerhof

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Sattlerhof und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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