Blick auf die Südsteiermark in der Abendsonne

Südsteiermark: Ein Weinbaugebiet macht Karriere

Seit gut drei Jahrzehnten ist die Südsteiermark in Sachen Wein quasi auf der Überholspur. Kein anderes österreichisches Anbaugebiet hat eine derart steile Karriere hingelegt. Die Gründe schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Dichte grüne Wälder ziehen sich an den steilen Hängen entlang, in denen tief die Reben wurzeln. Abends lässt die untergehende Sonne die Weinbauflächen optisch glühen, während morgens der Frühnebel für eine fast schon mystische Stimmung sorgt. Die Südsteiermark wartet mit einem höchst romantischen Flair auf, keine Frage. Mit ein Grund, warum hier inzwischen auch der Tourismus eine immer wichtigere Rolle spielt. Neben dem Weinbau, versteht sich. Wobei beides eng miteinander verknüpft ist, wie wir später noch sehen werden.

Am Anfang steht nämlich das große Staunen. Dass die Südsteiermark ein derart prestigeträchtiges Fleckchen Erde ganz im Süden Österreichs, direkt an der slowenischen Grenze, geworden ist, ist eigentlich ein kleines Wunder. Klar, Weinbau gab es hier schon immer. Nämlich seitdem die Römer die ersten Reben pflanzten. Und die gediehen von Anfang an prächtig auf den unterschiedlichen Böden, die sich in der Urzeit herausbildeten. Damals gab es hier nur das Urmeer und diverse aktive Vulkane, an die sich Korallenriffe schmiegten. Geologisch war also ganz schön viel los. Durch tektonische Bewegungen erloschen die Vulkane nach und nach, die markant-steilen Hügel und Berge bildeten sich ebenso wie ein Sumpfland. Aus diesem entstand dann vor gut drei Millionen Jahren die Südsteiermark, wie wir sie heute kennen.

Blick auf die Ried Leutschach in der Südsteiermark im Morgennebel
Ried Leutschach im prägnanten Morgennebel. © ÖWM/Anna Stöcher

Böden in der Südsteiermark

Allein die vielseitige Landschaft macht schon auf den ersten Blick klar, dass man hier die Böden nicht verallgemeinern kann. Dafür sind sie einfach zu vielfältig. Von Sand und Schiefer über Mergel bis hin zu Muschelkalk ist tatsächlich alles dabei. Aber dank der Vulkane (die in der Südsteiermark übrigens Kogel heißen und sich noch in so manch einem Lagennamen finden lassen) beziehungsweise deren Asche, die man nach wie vor im Boden findet, kann man dann doch ein wenig generalisieren.

Während man in den unteren Bereichen der Berge vor allem Sand und Schotter findet, dominiert im mittleren Bereich oft Korallenkalk. Die Bergkuppen indes sind von vulkanischem Basalt und Tuff geprägt. Aber wie gesagt: das ist der generelle Aufbau, der sich durch die erdgeschichtliche Entwicklung allgemein ergibt. Im Detail, also von Lage zu Lage, sind die Unterschiede dann manchmal schon gewaltig. Genau das führt dann auch zu ebenso unterschiedlichen Weinen.

Südsteiermark und das Klima

Wobei hier natürlich auch das Klima noch eine wichtige Rolle spielt. Und das ist geprägt von Mittelmeer-Einflüssen. Das Klima ist also recht warm und milde. Zugleich sind die Nächte aber oft recht kühl. Nicht zu vergessen, dass die Südsteiermark das wohl feuchteste Anbaugebiet in ganz Österreich ist. Nirgendwo sonst regnet es so viel wie hier! Im Herbst allerdings sorgen Hochdruckgebiete vom Adriatischen Meer dafür, dass es dann pünktlich zur Weinlese wieder trockener wird. Also meistens. Manchmal kann die Feuchtigkeit aber hier ein großes Problem sein.

Karte von Österreich mit rot gekennzeichneter Südsteiermark
Kleine geografische Verortung der Südsteiermark. © ÖWM

Trotzdem wagen immer mehr Winzer den Schritt gen biologische oder sogar biodynamische Bewirtschaftung. Wenn das Weinjahr zu verregnet ist, kann das natürlich zur Folge haben, dass man besonders viel Zeit und Arbeit in die Weingärten stecken muss. Vom Weingut Neumeister gibt es so etwa die Legende, dass Winzer Christoph Neumeister einmal mit einem Löffel bewaffnet in den Weingarten ging und aus jeder Traube einzeln die vom feuchten Wetter beschädigten Beeren eigenhändig herauslöffelte. Qualitätsbewusstsein auf die Spitze getrieben. Weingüter wie Winkler-Hermaden oder Masser gehen da einen anderen Weg und setzen seit ein paar Jahren auf pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen. Also sogenannte Piwi-Rebsorten, die auch bei feuchtem Wetter nicht allzu viel gespritzt werden müssen, weil sie eben weniger anfällig sind.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Aber bevor wir weiter auf die einzelnen Winzer eingehen, lohnt sich ein weiterer Blick in die Geschichte der Südsteiermark. Wie gesagt, die Römer machten den Anfang. Danach wuchsen die Rebflächen quasi von allein weiter. Erst die Reblaus stoppte Ende des 19. Jahrhunderts diesen Wachstum. Wobei selbst damals Wein nicht die Haupteinnahmequelle in der Südsteiermark war. So gut wie alle Betriebe setzten auf gemischte Landwirtschaft. Also Ackerbau, Viehzucht und etwas Weinbau. Hinzu kam, dass die Region bitterarm war. Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die nicht nur Landverlust bedeuteten (30.000 Hektar der Untersteiermark gingen nach dem Ersten Weltkrieg an das damalige Jugoslawien), sondern tatsächlich auch viel Blut und noch mehr Leben kosteten.

Blick auf die Ried Zieregg
In der Ried Zieregg sind vor allem Sauvignon Blanc und Morillon Trumpf. © ÖWM/WSNA

Bis in die 1950er-Jahre hinein war die Südsteiermark quasi isoliert. Auch in Österreich selbst. Es gab kaum Straßen – und damit auch keinen Handel. Das änderte sich erst etwas, als im Jahr 1955 der Landeshauptmann Josef Krainer die erste Weinstraße Österreichs in der Südsteiermark bauen ließ. Was sich wie ein Tourismusgarant liest, war damals aber vor allem erst einmal die Sicherstellung einer Infrastruktur. Die meisten Höfe bekamen mit dieser Straße ihre erste eigene Zufahrt! So brach lag die Region tatsächlich!

Die Qualitätsoffensive beginnt

Die Verbesserung der Infrastruktur und der Bau der ersten Weinstraße änderten freilich nichts daran, dass Wein an sich eine untergeordnete Rolle spielte. Man baute Reben nebenbei an und vergor die Trauben quasi für den Eigengebrauch. Selbst in den 1980er-Jahren war in anderen Regionen Österreichs Wein aus der Südsteiermark so gut wie unbekannt. Doch dann ging eine neue Generation an den Start. Hier sind vor allem Namen wie Willi Sattler, Manfred Tement, Alois Gross oder die Brüder Erich und Walter Polz, die im Weinbau eine Qualitätsoffensive starteten und damit für eine regelrechte Aufbruchstimmung sorgten. Zum ersten Mal wurde die Aufmerksamkeit bewusst auf die Reben gelegt. Welche Sorte gedeiht wo am besten und bringt welchen Ausdruck hervor? Wie kann man die Kellerarbeit optimieren und vor allem besser gestalten? Und vor allem: Welche Stilistik ist gewünscht?

Mit all diesen Fragen beschäftigten sich diese Winzer. Geschmacksprägend war da vor allem Wilhelm Sattler. Er stammte aus der Oststeiermark. Die breite, etwas süßliche und alkoholstarke Stilistik, die damals in der Südsteiermark vorherrschte, war ihm komplett fremd. Er wollte frisch-fruchtige Weine machen, die mit geringerem Alkohol auskamen und mit einer knackiger Säure glänzten. Das war im Jahr 1993 – der Geburtsstunde der Steirischen Terroir- und Klassikweingüter (STK-Weingüter). Gemeinsam mit den anderen genannten Winzern setzte er sich zusammen. Die Weine sollten fortan von ihrer Herkunft geprägt sein, sie schmeckbar machen. Das erste Ergebnis waren Weine, die man bis heute als Steirische Klassik kennt, und die nach wie vor dieser schlanken und frischen Stilistik entsprechen. Nach und nach folgten dann die anderen Qualitätsstufen der sogenannten STK-Weingüter. Alle Details dazu kannst du in einem anderen Artikel nachlesen.

Blick auf die Ried Kranachberg in der österreichischen Südsteiermark
Legendär: Ried Kranachberg. © ÖWM/WSNA

Sauvignon Blanc und Morillon in der Südsteiermark

Wobei Wilhelm Sattler nicht der einzige Winzer war, der die Südsteiermark qualitativ derart vorantrieb. Bereits 1991 kürte das Magazin “Der Feinschmecker” einen Sauvignon Blanc von Manfred Tement zum “Besten Sauvignon Blanc der Welt”. Ein echter Paukenschlag! Womit wir dann auch direkt bei den Rebsorten wären, die sich damals etablierten und bis heute die vinophile Seite der Südsteiermark prägen. Prinzipiell ist das Anbaugebiet vor allem eines. Nämlich eine Weißweinregion. 77 Prozent der knapp 2.800 Hektar entfallen auf weiße Trauben. Allen voran ist hier natürlich Sauvignon Blanc zu nennen. Diese Rebsorte bringt höchst unterschiedliche Weine in der Südsteiermark hervor – je nach Qualitätsstufe und Lage.

Sauvignon Blanc vom Sernauberg etwa hat eine florale Note und ist vor allem durch Frucht denn durch Mineralik geprägt. Ein Sauvignon Blanc aus der Ried Kranachberg ist deutlich mineralisch, sehr intensiv und hat eine sehr schöne Würze. Die Ried Zieregg hingegen bringt einen sehr dichten, vielschichtigen und exotischen Sauvignon Blanc hervor. Wer üppig-exotische Sauvignons mag, sollte sich indes unbedingt einmal die Weine anschauen, die aus der Ried Pössnitzberg stammen.

Nicht minder unterschiedlich präsentieren sich die Chardonnays aus der Südsteiermark, wo die Traube übrigens Morillon genannt wird. Warum? Weil die Winzer nach der Reblauskatastrophe in der Champagne auf der Suche nach neuen Rebsorten waren, die sie pflanzen konnten. Im Örtchen Morion fanden sie veredelte Chardonnay-Reiser und durften sie mitnehmen. Sie benannten die Reiser dann nach dem Ort, aus dem sie stammten: Morion-Rebe. Daraus wurde dann im Lauf der Jahrzehnte eben Morillon. Fun Fact am Rande: Morillon beschäftigt seit geraumer Zeit diverse Rebenforscher. Denn die Rebsorte scheint in der Südsteiermark eine andere Entwicklung genommen zu haben als die heutige Chardonnay-Traube. Komplett identisch sind sie also nicht, werden der Einfachheit halber aber trotzdem gerne zusammen in einen Topf geschmissen, wenn es um die Erklärung geht.

Blick auf die Ried Steinriegel in Kitzel im südsteirischen Sausal
Hier in Kitzeck dreht sich fast alles um Riesling. © ÖWM/Robert Herbst

Die touristische Seite der Südsteiermark

Neben Sauvignon Blanc und Morillon komplettieren Rebsorten wie Welschriesling, Gelber Muskateller, Weiß- und Grauburgunder sowie Gewürztraminer die Weißweinseite. Rund um Kitzeck im Sausal ist zudem Riesling Trumpf. Die Rebsorte profitiert hier von den Höhen und den steilen Hanglagen. Dank der weit verbreiteten Buschenschänken, die zu fast jedem Weingut gehören, spielt auch Rotwein in der Südsteiermark eine gewisse Rolle. Wirkliche Beachtung gab’s hierfür aber erst Ende der 1990er-Jahre, als Manfred Tement einen Pinot Noir bereitete, der sich schnell zum brandheißen Insider-Tipp in ganz Österreich entwickelte. Seitdem findet man in der Südsteiermark vor allem Rotweine aus eben Pinot Noir oder Zweigelt. Wobei die Weißweine tatsächlich für das Renommee der Region verantwortlich sind.

Und genau dieses Renommee zieht inzwischen jedes Jahr eine nicht unbedeutende Menge Touristen an. Nicht nur Weinliebhaber, wohlgemerkt. Diese können sich in der Südsteiermark zwar im Genussparadies wähnen, aber auch für Wanderer und andere Naturliebhaber bietet die Region unzählige bildhübsche und romantische Wanderwege. Und dann erst die Kulinarik! Einige Weingüter haben ihre Buschenschänken inzwischen zu sehr gehobenen Restaurants ausgebaut – und die einfachen Gästezimmer zu schicken Hotels. Wobei es auch nach wie vor noch die einfachen Gaststätten und Pensionen gibt, die meistens ebenfalls von Winzern betrieben werden. Den Tourismus hat man hier also nicht aus der Hand gegeben, sondern tatsächlich selbst entscheidend mitgeprägt. Womit bewiesen wäre: Geschäftstüchtigkeit und Qualitätsstreben schließen sich nicht aus. 😉

Copyright Titelbild: © ÖWM/Robert Herbst

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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