Herbstliche Landschaft samt Weinberge in Trentino

Trentodoc: Schaumwein aus den Bergen

Tief im Herzen der Alpen, umgeben von majestätischen Gipfeln und der kühlen Eleganz der Dolomiten, verbirgt sich ein wahrer Schaumwein-Star, der es faustdick hinter der feinen Perlage hat: der Trentodoc. Mach dich bereit, diesen faszinierenden Schaumwein zu entdecken!

Kaum rücken die Feiertage näher, dreht sich wieder alles um die Schaumweine dieser Welt. Traditionell kommen vor allem Champagner, Crémant, deutscher Winzersekt, Sekt Austria oder auch gerne einmal Prosecco ins Glas. Es gibt aber ein paar Schaumwein-Exoten, die man durchaus auf dem Schirm haben sollte, wenn es um den Maximalgenuss geht. Genau zu dieser Kategorie gehören meiner Meinung nach auch die feinen Trentodoc-Prickler, die ich dir jetzt einfach mal genauer vorstellen möchte.

Fangen wir einfach mal mit den Basics an. Die geschützte Ursprungsbezeichnung Trentodoc (also eigentlich Trento DOC, aber das Konsortium hat aus der geschützten Ursprungsbezeichnung halt direkt ein Namensbranding gemacht) liegt im Trentino, im Norden Italiens, und erstreckt sich über ausgewählte Lagen der Provinz Trient. Du findest die Weinberge nicht irgendwo, sondern in den kühleren, höher gelegenen Gebieten – von der Talsohle bis auf mittlere Berghänge, teilweise auf beeindruckenden 600 bis 800 Metern Höhe, etwa im Valle di Cembra. Die Nähe zum Gardasee im Süden schafft dabei ein einzigartiges Mikroklima, das alpine Kühle mit mediterranem Einfluss verbindet.

Weinberge in Trento DOC
Oh, du wunderschönes Trento DOC! © Trentodoc

Böden und Klima: Die DNS des Trentodoc

Dieses Terroir ist der Schlüssel zum unnachahmlichen Stil. Die gesamte Rebfläche im Trentino beträgt über 10.230 Hektar, wovon allerdings nur ein kleiner, besonders geeigneter Teil für die Trentodoc-Produktion zugelassen ist, aktuell sind es rund 800 bis 1000 Hektar, die von den Winzer:innen höchst akribisch bewirtschaftet werden.

Ein besonderer Schatz sind die Böden, die reich an Kalkstein und Kieselerde sind. Dadurch bieten sie eine hervorragende Drainage und Belüftung. Es sind genau diese Böden, die dafür sorgen, dass alle Trentodoc-Schaumweine mit einer faszinierenden Mineralität aufwarten. Aber das nur am Rande. Nicht minder wichtig ist das alpine Klima. Südtirols Nähe sorgt für kühle Nächte, große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und eine lange, langsame Reifezeit der Trauben. Genau das bewahrt die knackige Säure und sorgt dafür, dass sich komplexe Aromen entwickeln können. Und ja, dieser Kontrast zwischen Frische und Komplexität ist meist auch noch mit einem kühlen Charakter gepaart. Kein Wunder, dass beim Trentodoc deswegen gerne mal mit dem Slogan „Essenz der Berge“ geworben wird. Das trifft es nämlich ziemlich gut.

Chardonnay-Trauben am Rebstock
Chardonnay ist hier der große Star. © Pio Geminiani/Trentodoc

Rebsorten und Herstellung

Nicht minder wichtig wie Böden und Klima sind natürlich die Trauben, die für einen Trentodoc zum Einsatz kommen. In diesem Fall sind es vor allem die großen internationalen Klassiker. Und jede davon hat Eigenschaften, die für Geschmack und Charakter gleichermaßen wichtig sind. Der Rebsortenreigen wird von Chardonnay angeführt. Diese Traube bringt Finesse, Eleganz und fruchtige Noten in den Schaumwein. Vor allem weiße Früchte und zitrische Anklänge. Pinot Nero, hierzulande auch als Pinot Noir oder Spätburgunder bekannt, sorgt für Struktur, Tiefe und Langlebigkeit. Denn ja, auch diese spielt bei Trentodoc eine gewisse Rolle. Aber dazu kommen wir noch. Vollenden wir erst einmal die Rebsorten-Aufzählung mit Pinot Bianco (Weißburgunder) und Meunier (Schwarzriesling), die für die Herstellung nämlich ebenfalls zugelassen sind. Sie spielen aber tatsächlich nur eine marginale Rolle.

Wie bei allen großen Schaumweinen dieser Welt, ist auch beim Trentodoc die traditionelle Flaschengärung verpflichtend. In Italien nennt man diese übrigens Metodo Classico. Der Prozess dürfte bekannt sein, aber ich fasse ihn einfach nochmal schnell zusammen: Nach der ersten Gärung des stillen Grundweins erfolgt die Zugabe von Zucker und Hefe (Tirage), die dem Wein seine zweite Gärung in der Flasche beschert. Hier entstehen die feinen Bläschen, die den Schaumwein so unwiderstehlich machen. Beim Degorgieren wird dann die Hefe entfernt und der Prickler bei Bedarf mit einer Dosage versehen – je nach gewünschtem Süßegrad und Charakter. Und das bringt uns dann nahtlos zum nächsten Aspekt in Sachen Trentodoc.

Schaumweinflaschen auf einem manuellen Rüttelpult
Die traditionelle Flaschengärung ist für alle Erzeugenden verpflichtend. © Trentodoc

Qualität braucht Zeit: Die Reifegrade bei Trentodoc

Du kennst es ja schon von vielen anderen Weinen und Prickeln: Wenn sehr stark auf Qualität geachtet wird, ist eine Unterscheidung der unterschiedlichen Reifegrade meist auch nicht mehr weit. Genau solch eine Pyramide gibt es dementsprechend auch für Trentodoc, die nach der Mindestlagerzeit auf der Hefe definiert ist. Gehen wir da mal rein:

  • Non-Vintage (ohne Jahrgang): Mindestens 15 Monate auf der Hefe. Diese Schaumweine sind in der Regel frisch, lebendig, fruchtig und haben eine feine Perlage. Sie sind ideal für den unkomplizierten Genuss.
  • Millesimato (Jahrgangsschaumwein): Mindestens 24 Monate auf der Hefe. Hier wird es im Glas schon deutlich komplexer und strukturierter. Diese Trentodoc bieten mehr Tiefe und Mineralität und spiegeln zudem auch noch den Charakter des jeweiligen Jahrgangs wider.
  • Riserva: Mindestens 36 Monate auf der Hefe. Willkommen in der Königsklasse, wenn’s um Komplexität und Eleganz geht. Hier findest du meist intensive Hefenoten und eine fast schon betörende Cremigkeit. Außerdem sind diese Schaumweine sehr langlebig. Eine gezielte Lagerung für noch mehr Reife lohnt sich hier also sehr.

Dass mit der Mindestreifezeit auf der Hefe ist übrigens ernst gemeint. Viele Winzer:innen verlängern das jeweilige Minimum erheblich, wodurch noch weitaus komplexere Gewächse entstehen. Da lohnt sich also immer ein genauerer Blick.

Mann schneidet Chardonnay-Trauben vom Rebstock
Handarbeit ist eine Selbstverständlichkeit. © Mani Lavoro/Trentodoc

Bekannte Erzeuger:innen

Ein Name ist tatsächlich untrennbar mit Trentodoc verbunden. Ferrari. Giulio Ferrari gründete sein Weingut 1902 und gilt als DER Pionier, der das Potenzial des Trentino für die klassische Flaschengärung erkannte. Ferrari-Schäumer, insbesondere die Riserva del Fondatore, sind legendär und international bekannt für ihre unglaubliche Finesse und Langlebigkeit. Weitere hoch angesehene Weingüter, deren prickelnde Kreationen sich sehr lohnen, sind zum Beispiel Rotari, Cesarini Sforza, Cavit und Endrizzi. Jedes Weingut interpretiert das alpine Terroir auf eigene faszinierende Weise. Wenn das nicht mal nach einem ausführlichen Tasting schreit!

Übrigens: Auch die legendäre Südtiroler Familie Walch hat Trentodoc für sich entdeckt. Also Julia und Karoline, die beiden Töchter von Elena Walch, um genau zu sein. 2016 stießen die beiden auf einen Weinberg am Fuße des Monte Calisio im Herzen des Trentodoc-Gebiets, der die beiden aufgrund von Lage und Böden direkt faszinierte. Die Frauen hatten direkt eine Vision von eigenen Schaumweinen, die hier entstehen sollten. Gesagt, getan. Sie kauften die 12 Hektar, bestockten sie mit Chardonnay und Pinot Nero – und gründeten das Weingut Moncalisse. Mit dem Montis Arcentarie Blanc de Blancs Extra Brut 2017 und der Millesimato Extra Brut Riserva 2019 präsentieren sie jetzt die ersten beiden Schaumweine.

Ein Gläschen Trentodoc am Lago di Caldonazzo
Cheers mit Blick auf den Lago di Caldonazzo. © Trentodoc

Produktion und Export: Trentodoc in Zahlen

Das alles hat sich bis hierhin vielleicht ziemlich groß und mächtig angehört. Aber allein in Zahlen betrachtet ist Trentodoc tatsächlich so etwas wie ein Underdog. Jährlich kommen etwa 13 Millionen Flaschen auf den Markt. In der Welt der Schaumweine ist das tatsächlich sehr, sehr wenig. Nur mal so zum Vergleich: Im Prosecco-Gebiet werden jährlich etwa 486 Millionen Flaschen produziert. Das ist schon ein kleiner Unterschied. Oder anders ausgedrückt: Trentodoc ist noch ein echter Insider – auch wenn die Produktionsmenge stetig wächst.

Hauptabnehmer ist übrigens der heimische Markt in Italien. Obwohl der Exportanteil noch relativ gering ist (etwa 15% der Gesamtproduktion), gewinnt Trentodoc international stark an Beliebtheit. Die wichtigsten Exportmärkte sind derzeit die USA und verschiedene asiatische Märkte. Du siehst: Wer weiß, was gut ist, behält es gerne im Land, aber der Rest der Welt holt auf!

Copyright Titelbild: © Trentodoc

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

Zum Newsletter anmelden & eBook sichern!

Melde dich zu meinem Newsletter, der alle zwei Monate erscheint, an und erhalte direkt das eBook "Wein verkosten wie ein Profi".

Du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Den Link findest du am Ende jedes Newsletters.

* Pflichtfeld

Kommentar verfassen