Trinktemperatur: 5 Tipps für noch mehr Weingenuss

Die Figur eines Franzosen mit schwarzen Haaren und Schnurrbart, das an einem Glas Rotwein riecht.

Mit der richtigen Temperatur für Wein ist es so eine Sache, denn leider richten sich viele Menschen nach den falschen Parametern. Deswegen findet ihr hier 5 Tipps samt Erklärungen, wie ihr mit der richtigen Trinktemperatur euren nächsten Wein maximal genießen könnt.

Rotwein sollte Zimmertemperatur haben – und Weißwein aus dem Kühlschrank kommen. So die Alltags-Faustregel, die den meisten Weinliebhabern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Da kann schließlich nichts schiefgehen, so wird es schon seit sehr, sehr langer Zeit gemacht. Das Problem: der Fortschritt wird dabei nicht bedacht. Vor ein paar Jahrzehnten lag man in Sachen Trinktemperatur mit dieser Faustregel goldrichtig. Heutzutage sind Heizungen und Kühlschränke aber leistungsfähiger. Sprich: Zimmertemperatur bedeutet inzwischen eben nicht mehr 16 bis 18°C, sondern 20°C und mehr. Und moderne Kühlschränke sind in der Regel auf knackige 5°C eingestellt.

Rotweine werden also meistens zu warm und Weißweine zu kalt serviert. Die Folge ist ein eingeschränkter Genuss. Ist ein Rotwein nämlich zu warm, wird der Alkohol oft zu dominant, während sich die Aromen in einem zu kalten Weißwein wie eine Auster verschließen. Mal ganz davon abgesehen, dass es ja in der roten wie in der weißen Weinkategorie unterschiedliche Stilistiken gibt. Intensität des Weins, Gerbstoffe, Reife und Tiefe spielen also auch eine Rolle. Dröseln wir die Trinktemperatur für die unterschiedlichen Weine einfach mal auf.

Trinktemperatur bei Rotweinen

Ein schräg nach rechts geneigtes Weinglas, das mit Rotwein gefüllt ist.
Wenn es um die Trinktemperatur geht, ist Rotwein nicht gleich Rotwein ©Sponchia/Pixabay

Ob ihr’s glaubt oder nicht, aber auch der ein oder andere Rotwein darf kurz mal den Kühlschrank sehen. Je jünger oder leichter er ist, desto kühler kann er serviert werden. So wie sich ein schlanker Pinot Noir und ein fetter Shiraz stilistisch und vom Geschmack voneinander abheben, so unterschiedlich sind auch die Trinktemperaturen. Hier mal eine grobe Einteilung, wie sie von Sommeliers oder von Fachmagazinen wie dem “Decanter” empfohlen werden:

  • 12 – 14 °C: Junge und leichte Rotweine, wie etwa ein leichter Vernatsch oder ein sehr junger Beaujolais mit sehr viel Frucht dürfen gerne etwas kühler daherkommen. Auch ein junger Chianti kann von diesen Temperaturen profitieren – vor allem im Sommer.
  • 14 – 16°C: Hier findet man die Weine mit schlankem bis mittelkräftigen Körper. Ein Pinot Noir fühlt sich bei 14°C sehr wohl, ein Tempranillo hingegen bei 16°C.
  • 16 – 18°C: Ist ein Rotwein schwer und gehaltvoll, findet ihr hier die ideale Trinktemperatur. Weine, die in diese Kategorie fallen, sind zum Beispiel Shiraz, Cabernet Sauvignon aber auch ein Merlot.
  • 18 °C: Ihr mögt gereifte Rotweine? Prima! Wenn der Wein frisch aus eurem Keller oder Weinlagerschrank kommt, dann lasst ihm Zeit, damit er sich etwas an seine neue Umgebung gewöhnen kann. Und genießt ihn dann am besten bei 18°C – also knapp unter Zimmertemperatur.

Ideale Temperaturen für Weißweine

Eine Dachterrasse, auf der ein Glas mit Weißwein steht.
Weißwein kann auch zu kalt genossen werden ©Ben_Kerckx/Pixabay

Wer einen Weißwein aus dem Kühlschrank holt, direkt aufmacht und sofort trinkt, wird meist ebenso wenig Freude haben wie an dem letzten Glas Weißwein, das bereits seit einer Stunde in der prallen Sonne steht. Ist der Wein zu kühl, kann man keine Aromen rausschmecken. Ist er zu warm, wird der Gaumen quasi überrannt. Deswegen kommen hier die Trinktemperatur-Tipps für Weißweine:

  • 7 – 10 °C: Sehr junge und sehr leichte Weißweine mögen es gerne kühler. Vom jungen Weißburgunder bis hin zum sommerlichen Vinho Verde.
  • 10 bis 12 °C: Hier kommen wir in den mittelkräftigen Bereich. Riesling, Sauvignon Blanc, Grauburgunder und Co. fühlen sich hier recht wohl.
  • 12 – 14 °C: Wurde euer Weißwein im Holz ausgebaut? Dann ist er mit diesem Trinktemperatur-Fenster happy! Vor allem, wenn es um einen Chardonnay geht. Oder um einen kräftigen Riesling. Weißweine mit Wumms, wie etwa ein körperreicher Grüner Veltliner, fallen generell in diese Kategorie.
  • 14 °C: Ihr habt einen gereiften Riesling? Vielleicht sogar ein Großes Gewächs? Oder einen Grünen Veltliner Smaragd, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat? Dann sind 14 °C ideal! Selbiges gilt übrigens auch für Orange Wines, als Weißweine, die wie Rotweine auf der Maische vergoren wurden. Hier findet man – bei Weißweinen sonst unüblich – Tannine. Deswegen darf die Trinktemperatur eines Orange Wines schon gerne mal wie beim Pinot Noir sein, damit er sich öffnen kann.

Wie kalt dürfen Schaumweine sein?

Ein Mann gießt Schaumwein in zwei Gläser ein, daneben steht ein Weinkühler und Karaffe mit Zitronenwasser.
Auch beim Schaumwein lohnt es sich, auf die richtige Trinktemperatur zu achten ©NickyPe/Pixabay

So, jetzt aber. Ein Schaumwein kann doch direkt aus dem Kühlschrank genossen werden, oder? Nicht so ganz. Denn auch Sekt, Prosecco, Crémant und Co. sind bei 4 oder 5°C noch recht verschlossen. Champagner sogar noch mehr. Deswegen gilt für Schaumwein generell:

  • 6 – 8°C: Je jünger und schlanker (bzw. säurebetonter) ein Schaumwein ist, desto kühler darf er sein. Zum Glück schreiben die meisten Winzer die von ihnen empfohlene Trinktemperatur inzwischen auf das rückseitige Etikett. Wenn ihr euch danach richtet, seid ihr auf jeden Fall auf der sicheren Genuss-Seite.
  • 8 – 12 °C: Hier kommen wir in den Bereich der großen Ausnahmen. Jahrgangs-Champagner etwa profitieren davon, wenn sie etwas Luft sehen und ein paar Minuten im Glas atmen – und auch wärmer werden dürfen. Selbiges gilt für gereifte Schaumweine.

Trinktemperatur messen

Drei Sektflaschen in einem Sektkühler, der mit Crushice gefüllt ist.
Wann hat ein Wein die richtige Trinktemperatur? ©Couleur/Pixabay

Die ideale Trinktemperatur zu kennen, ist die eine Sache. Aber wie soll man die denn bitteschön messen? Für den akribischen Weinliebhaber wurde genau dafür das Weinthermometer erfunden, das genau so funktioniert, wie man es vermutet: Stäbchen in die volle bzw. fast volle Flasche reinstecken, kurz warten, ablesen, voilà: das ist die Trinktemperatur eures Weins. Alternativ gibt es solche Thermometer auch als Manschetten, die man um die Flasche legt. Wer es also ganz genau wissen möchte, hat jetzt ein oder zwei Weinutensilien, deren Anschaffung lohnt.

Wem das zuviel Chichi drum herum ist, kann aber auch einfach auf den Faktor Zeit setzen. Denn auch hier gibt es eine Faustregel: Alle vier Minuten erwärmt sich ein Wein im Glas um 1°C. Verlasst euch auf eure Sinne. Kommen die Aromen nicht richtig durch, zeigt sich der Wein verschlossen, dann ist er wahrscheinlich zu kalt (und/oder hat zu wenig Luft gesehen). Wartet ein paar Minuten und probiert erneut. Letztlich ist es euer persönlicher Geschmack, der entscheidet, wann ein Wein die richtige Trinktemperatur hat – und nicht irgendwelche Tabellen.

Extra-Tipp für den Sommer

Mann sitzt in der sommerlichen Abendsonne mit einem Glas Weißwein in der Hand auf einem Stuhl und schaut dem Reasensprenger zu.
Im Sommer erwärmen sich Weinen schneller ©SkitterPhoto/Pixabay

In der heißen Jahreszeit werden die Trinktemperatur-Regeln kräftig auf den Kopf gestellt. Wenn die Sonne brennt, erwärmen sich Weine halt viel schneller. Vor allem, wenn man sie etwas zum Grillen genießen will – und sie dementsprechend etwas länger draußen stehen. Deswegen ein Lifehack: serviert die Weine einfach 3 bis 4°C kühler als üblich. Auch die Rotweine. Die Sommerhitze wird dieses Defizit schon ganz von alleine sehr zügig ausgleichen. 😉 Außerdem ist es ratsam, immer einen Weinkühler griffbereit zu haben. Ja, auch für die Rotweine.

Bei Schaumweinen packe ich die Gläser ja gerne vorher einfach für eine halbe Stunde ins Gefrierfach. Aber das ist eine persönliche Geschmackssache. Für mich gibt es halt nichts Schlimmeres als zu warmen Sekt oder Champagner. So wird die Trinktemperatur etwas länger niedrig gehalten. Wichtig: Die Gläser bitte so wie sie sind, in den Froster legen – und nicht vorher mit Wasser befeuchten, damit das dann anfriert. Ist zwar eine nette Idee und mag bei Aquavit durchaus angemessen sein, verwässert bei Weinen aller Arten aber tatsächlich den Geschmack. Deswegen sind auch Eiswürfel keine gute Idee, wenn man seinen Wein pur genießen möchte.

Copyright Titelbild: ©Rollstein/Pixabay

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er spiegelt ausschließlich meine Meinung wider und soll lediglich als Inspirationsquelle dienen. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen alleine Service-Zwecken.

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