Uwe Schiefer: Kühler Purismus vom Eisenberg

Winzer Uwe Schiefer geht über eine Wiese

Einst war er das Enfant Terrible der burgenländischen Weinszene, jetzt ist er einer der großen Blaufränkisch-Botschafter der Region. Aber vor allem ist Uwe Schiefer eines: ein authentischer Winzer, der den Blaufränkisch aufs nächste Level gehoben hat.

Vom Kellner zum gefragten Sommelier zum noch gefragteren Winzer. Das ist das Leben von Uwe Schiefer in einen Satz gepfercht. Und wird ihm alles andere als gerecht. Denn hinter der simplen Aufzählung stecken derart viel Leidenschaft und Herzblut, dass man einfach ausholen muss, wenn man sich mit der vinophilen Welt des Uwe Schiefer beschäftigen möchte. Wobei ich den ersten Teil seines zugegebenermaßen höchst interessanten Lebens, ein wenig schneller abfrühstücken möchte.

Denn ja, sein Dasein als Sommelier ist wichtig. Er hat da nicht nur in Wien echte Maßstäbe gesetzt. Noch wichtiger ist es aber irgendwie, dass er schon in den 1980er-Jahren erkannte, dass da aus seiner Heimat rund um den südburgenländischen Eisenberg gute Blaufränkisch-Qualitäten kommen. Dass diese aber noch besser sein könnten. Uwe Schiefer probierte und dachte, genoss und grübelte. Währenddessen wuchs seine Weinliebe immer mehr. Ebenso wie seine höchst eigene Blaufränkisch-Idee.

Winzer Uwe Schiefer in einem steilen Weingarten am Eisenberg im Burgenland
Der Eisenberg, Blaufränkisch und Uwe Schiefer gehören einfach zusammen ©Weingut Uwe Schiefer

Uwe Schiefer und der Blaufränkisch

1990 dann begann Uwe Schiefer sozusagen sein zweites Leben. Er hängte seine Sommelier-Karriere an den Nagel, studierte an der Weinakademie in Rust und stampfte schließlich sein eigenes Weingut im südburgenländischen Welgersdorf aus dem Boden. Hier, am Eisenberg, wollte er Blaufränkisch machen. Aber nicht diese fetten, extraktreichen Wuchtbrummen, die damals so beliebt waren. Weil sie dem vorherrschenden internationalen Stil entsprachen und weil sie so schön trinkig waren. Nein. Uwe Schiefer ging es von Anfang an darum zu zeigen, dass ein Blaufränkisch auch auf der Rasierklinge tanzen kann. Fein, präzise. Und eben messerscharf.

Ein wenig besessen (Besessenheit gehört einfach dazu, wenn man rebelliert und Visionen zwingend umsetzen will) kaufte er Rebflächen. Natürlich vorzugsweise mit Blaufränkisch bestockt. In den 1990er-Jahren wollte die eh niemand haben. Alle huldigten Merlot und Cabernet Sauvignon. Außer eben Uwe Schiefer. Na ja, und Roland Velich, mit dem Schiefer die Vision eines schlanken, eines kühlen Blaufränkisch teilte. Wobei es durchaus noch dauerte, bis Schiefer erstmals die Qualitäten hervorbrachte, die ihm vorschwebten. Schließlich musste er sich erst einmal mit den Böden vertraut machen.

Blick auf die Rebflächen am Eisenberg im Burgenland
Willkommen am Eisenberg! ©Weingut Uwe Schiefer

Weingärten bilden die Grundlage

Rund um den Eisenberg bedeutet das vor allem: mit eisenhaltigen Lehm- und Tonschieferböden. Schnell kam Begrünung hinzu. Auch – vor allem – in den steilen Hängen, die Uwe Schiefer dazukaufte. Die schwierigen Lagen eben, die sich nur mühsam bewirtschaften lassen. Wo künstliche Bewässerung nicht möglich ist. Diese ist für Schiefer eh ein Unding. Er will ja schließlich den puren Geschmack des Eisenberg auf die Flasche bringen. Deswegen war und ist eine behutsame Weingartenarbeit bei ihm schon immer Pflicht. Hier bekommt der Wein seiner Meinung nach seine Anlagen mit.

Im Keller gilt es dann, diese nicht zu zerstören. Womit wir beim Thema Low Intervention wären. Wilde Hefen, Spontangärung, keine Enzyme, keine Filtration und auch so wenig Schwefel wie möglich. Dafür gibt es in seinem Keller eines: alle Zeit der Welt, damit die Weine in Ruhe werden dürfen, was sie sind. Und damit genau das passiert, zwängt der Winzer seinen Most nicht in Barriques. Große Fässer sind das Ausbauzuhause seiner Wahl. Gerne gebraucht. Denn schließlich soll der Wein nicht unnötig beeinflusst werden. Genau das ist es dann, was den kühlen Stil, die pure Mineralität des Bodens, zum Tragen bringen. Zwei wesentliche Aspekte, an denen man einen Schiefer-Wein tatsächlich sofort erkennt, wenn man ihn am Gaumen hat.

Blick in den Fasskeller beim Weingut Uwe Schiefer
Kleine Fässer hat der Winzer aus seinem Keller verbannt ©Weingut Uwe Schiefer

Einzigartigkeit inklusive

Purismus pur – das prägt Uwe Schiefers Handschrift. Und die kann man tatsächlich sofort erschmecken. Gerade beim Blaufränkisch. Aber nicht nur. Denn alle seine Weine vibrieren vor Lebendigkeit, sind in ihrer Präzision messerscharf – und damit auch gerne mal zunächst etwas unbequem. Quasi Liebe auf den zweiten Blick. Was bitteschön als großes Kompliment zu verstehen ist. Unter all den Samtpfotenweinen, die man ebenso schnell liebt wie auch wieder vergisst, bilden die Weine von Uwe Schiefer nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal. Sie stechen heraus. Was vor zwanzig Jahren noch für enormes Aufsehen sorgte, an dem sich Weinliebhaber teilweise wundrieben, ist heute zum hellen Stern des kühlen Blaufränkisch-Stils avanciert.

Ob nun bei Jancis Robinson oder Robert Parkers Wine Advocate – die Rotweine von Uwe Schiefer fahren Punkte über Punkte ein. Nun mögen hohe Bewertungen für den Weingenuss an sich echt nicht wichtig sein, aber mit ihnen lässt sich Wein halt trotzdem besser an den Genießer bringen. Doch bei Schiefer geht es über den finanziellen Aspekt hinaus! Wer vorher über diese schlanken Blaufränkisch mit ihren mineralischen Ecken und Kanten schubladendenkend die Nase rümpfte, ließ sich jetzt erstmals ohne vorgefertigten Genussbaukasten auf sie ein. Punkte haben in diesem Fall also auch den einen oder anderen Horizont erweitert.

Winzer Uwe Schiefer kontrolliert die Qualität seiner Trauben bei Sonnenaufgang
Immer nah dran am Terroir: Winzer Uwe Schiefer ©Weingut Uwe Schiefer

Der Purismus des Uwe Schiefer

Aber ich schweife ab. Denn ja, die Weine von Uwe Schiefer begeistern mich über den eigentlichen Genuss hinaus. Eben weil sie einen von eingefahrenen Geschmacksvorstellungen befreien, weil sie auf eine pure Aromenwelt und einen minimalistischen Stil setzen, der mich persönlich immer wieder erdet. Und vor Bewunderung schwelgen lässt. Was übrigens nicht nur für die unterschiedlichen Blaufränkisch gilt. Die Rebsorte nimmt nach wie vor den Großteil der inzwischen 22 Hektar großen Rebfläche ein. Ein mehr als eindeutiger Schwerpunkt.

Wobei man aber bitte auch nicht die Weißweine außer acht lassen sollte. Denn egal ob Welschriesling, Grüner Veltliner oder Weißburgunder: dieselbe reine Klarheit, die beim Blaufränkisch zu bezaubert, findet man auch hier. Konsequenter Purismus eben, der sich übrigens auch in den Rotweinen der Domaines Kilger wiederfindet, für die Uwe Schiefer ebenso grenzenauslotende Gewächse vinifiziert wie für sein eigenes Weingut. Da bleibt er sich selbst ebenso konsequent treu wie seinem Stil. Und das ist auch gut so.

Copyright Titelbild: ©Weingut Uwe Schiefer

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Uwe Schiefer und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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