Zwei Gläser mit Rotwein auf einem weihnachtlich gedecktem Tisch mit Lichterketten

Weihnachtsweine: Tipps für deine Auswahl

Gereifter Tropfen? Großes Gewächs? Oder edler Champagner? Jedes Jahr wieder stellt sich die Frage, welche Weihnachtsweine man unter dem Tannenbaum öffnen soll. Hier findest du ein paar Tipps – für mehr Entspannung an Heiligabend.

Spätestens, wenn auf dem Adventskranz alle vier Kerzen brennen, kann man in den sozialen Medien ein Phänomen beobachten. Weinliebhaber auf der ganzen Welt lassen ihre Freunde und Follower an der diesjährigen Auswahl der Weihnachtsweine teilhaben. Und oft kommt man da aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dort wird der 40 Jahre alte Top-Bordeaux aus dem Keller geholt, hier der glamouröse Prestige-Champagner. Andere wiederum glänzen mit selten Versteigerungsweinen, edlen Großen Gewächsen, gehypten Supertoskanern oder aber der angesagten Wein-Ikone aus Kalifornien.

Wenn es um Weihnachtsweine geht, scheint die Zeit der Superlative angebrochen zu sein. Man will sich ja schließlich mal richtig was gönnen. Und natürlich auch der Familie. Oder halt mit den teuren Tropfen mächtig beeindrucken. Vielleicht sogar ein klein wenig angeben. Und irgendwann müssen diese ultra raren Gewächse ja schließlich mal genossen werden! Wenn nicht zu Weihnachten, wann dann?

Weihnachtsweine: Bitte nicht die Familie überfordern!

Direkt nach Heiligabend setzt dann aber gar nicht mal so selten die große Ernüchterung ein. Nämlich dann, wenn die edlen Weine gar nicht so gut ankamen wie erhofft. Das hat meist einen ebenso simplen wie guten Grund. Weihnachten feiert man nun mal mit der Familie. Und nur in den allerseltensten Fällen besteht diese durch die Bank weg aus Weinliebhabern, die dann auch noch einen geschulten Gaumen oder eine trainierte Nase mitbringt. Es folgen zwei überspitzte Beispiele.

Nehmen wir da mal Oma Erna, die seit 70 Jahren gerne restsüßen Rivaner trinkt. Wenn man ihr jetzt ein Großes Gewächs vor die Nase setzt – womöglich auch noch gereift! – wird ihr der Wein höchstwahrscheinlich nicht zusagen. Und wenn Onkel Klaus am liebsten vollmundigen Zinfandel aus Kalifornien trinkt, tut man ihm mit einem feinen Spätburgunder keinen Gefallen. Dieser wird ihm im Zweifelsfall eher wässrig vorkommen, während man sich selbst im Genusshimmel wähnt.

Eine Familie stößt mit Weihnachtsweinen an Heiligabend an
Mit der richtigen Auswahl an Weihnachtsweinen kann man die ganze Familie glücklich machen. © Antonio Diaz/iStock

Solche Situationen sind weder für dich noch für deine Familie schön. Du fühlst dich missverstanden, während sich Oma Erna und Onkel Klaus dumm vorkommen, weil ihnen die ach so edlen Tropfen schlicht und ergreifend nicht schmecken. Du ahnst sicherlich schon, worauf ich hinaus möchte. Wenn man schon die Raritäten als Weihnachtsweine aus dem Keller holt, dann sollten sie nicht nur dir, sondern auch noch ein paar anderen Menschen aus der Familie Freude bereiten. Es spricht doch nichts dagegen, Oma Erna trotzdem ihren restsüßen Rivaner aufzumachen und für Onkel Klaus einen schön üppigen Zinfandel auszusuchen. Schließlich sitzt man viele Stunde zusammen. Da geht schon was weg. Und Reste können im Zweifelsfall ja auch am nächsten Tag genossen werden.

Weihnachtsweine, die allen munden

Es gibt natürlich auch Fälle, wo sonst niemand in der Familie Wein trinkt. Eigentlich. Zu den Feiertagen wird da schon mal eine Ausnahme gemacht. Und höchstwahrscheinlich ist es dann deine Aufgabe, die Weihnachtsweine auszusuchen und mitzubringen. Auch hier gilt: keep it simple! Suche einfach Weine aus, die prima zu dem Essen passen, was Heiligabend auf den Tisch kommt. Aber auch hier gilt: bitte nicht zu exotisch werden. Weihnachten ist jetzt nicht unbedingt der ideale Zeitpunkt, um den Genusshorizont seiner Familie zu erweitern. Natürlich kann ein Champagner, gerne Extra Brut, zu Kartoffelsalat und Würstchen schon eine echt geile Nummer ein.

Aber wenn in deiner Familie Schaumwein nur zum Anstoßen ins Glas kommt und es sich dann meistens um Rotkäppchen halbtrocken als Sekt handelt, gehst du bei diesem Kombinationsvorschlag ganz eindeutig als Verlierer aus dem Ring. Selbiges Prinzip lässt sich übrigens auch komplett auf den fein gereiften Pinot Noir zur Ente übertragen. Finde also lieber Weine, die leicht zu mögen und einfach zu genießen sind. Und ja, da darf man auch ruhig mal in die Klischeekiste greifen. Grauburgunder und Primitivo mögen nun mal die meisten Menschen. Da gibt es ja auch hervorragende Qualitäten. Also einfach mal ein Auge zudrücken. Wenn du das nicht kannst, dann versuche halt, deinen persönlichen Genuss-Gau etwas abzumildern. Wie wäre es mit einem etwas feineren Weißburgunder statt eines voluminösen Grauburgunders? Und vielleicht kannst du den Primitivo durch einen Rosso di Montalcino ersetzen? Mal ganz davon abgesehen, dass man ja nicht nur einen Weiß- und einen Rotwein zur Auswahl stellen muss.

Wie ich es selbst handhabe

So handhaben wir das nämlich in unserer doch recht großen Familie. Wir haben das Glück, das alle gerne Wein trinken. Allerdings sind die Geschmäcker recht unterschiedlich. Deswegen achten wir darauf, konträre Stile mitzubringen. Ein Weißwein hat zum Beispiel immer wenig Säure und ist recht mild, der andere hat deutlich Säure und darf auch ruhig etwas kräftiger sein. Weißburgunder und Riesling sind da zum Beispiel eine schöne Kombination.

Oma und Opa küssen ihre Enkeltochter zu Weihnachten während sie an einem festlich gedeckten Tisch sitzen
Mit den richtigen Weihnachtsweinen klappt’s vielleicht auch mit der Harmonie unterm Tannenbaum. © vladans/iStock

Ähnlich verfahren wir auch mit den Rotweinen. Meist haben wir eine üppige und gaumenschmeichelnde Cuvée aus Kalifornien am Start, die durch einen etwas feineren und eleganteren Blend aus dem Bordeaux oder von der Rhône komplettiert wird. Zack, fertig ist die Auswahl der Weihnachtsweine. Hinzu kommt dann noch einer der gängigen Marken-Champagner, den bei uns tatsächlich alle gerne trinken. Und noch ein Tipp: wenn es um Weihnachtsweine geht, spielt Größe durchaus eine Rolle. Wir bringen zum Beispiel gerne Magnums mit. So müssen wir nicht ständig zum Kellnermesser greifen, um schon wieder die nächste Flasche zu öffnen. Damit haben dann auch wir einen entspannten Abend.

Immer schön locker bleiben!

Generell also gilt: entspann dich! Und nimm es locker. Weihnachten ist nicht die Zeit, um die eigene Familie zu überfordern oder den Gaumen von Oma Erna und Onkel Klaus zu trainieren. So ersparst du dir eine Menge Frust im Abgang. Was nun aber nicht heißt, dass du komplett auf deine edlen Gewächse verzichten solltest! Im Gegenteil! Wenn du in der Familie einen Genusskumpan hast, dann lass es bitte ordentlich krachen! Im Idealfall interessieren sich auch andere Familienmitglieder dafür und probieren mal. So soll schon die eine oder andere Weinleidenschaft geweckt worden sein. Und für den Fall, dass es niemanden gibt, mit dem du besondere Tropfen teilen kannst, dann mach aus den edlen Weihnachtsweinen eben einfach Verkostungsweine für andere Gelegenheiten.

Vielleicht feierst du ja Silvester mit anderen Weinenthusiasten? Dann ist das die ideale Gelegenheit! Oder du organisierst im neuen Jahr einfach mal ein Tasting, für das jeder einen besonderen Schatz aus dem Weinkeller mitbringt. Denn machen wir uns nichts vor: solche Juwelen werden noch wertvoller, wenn auch andere andächtig staunend vor ihrem Glas sitzen und von dem Wein begeistert sind. In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Liebsten ein besinnliches und genussreiches Weihnachtsfest!

Copyright Titelbild: © ddukang/iStock

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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