Was biblische Könige mit der Flaschengröße von Wein zu tun haben

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Von der Piccolo bis hin zur Nebukadnezar – die unterschiedlichen Größen für Weinflaschen lassen sich leicht dank einprägsamer Namen merken. Dabei ist die Flaschengröße an sich noch gar nicht so lange genormt. Mal ganz davon abgesehen, dass es auch noch regionale Unterschiede gibt. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die unterschiedlichen Formate zu werfen.

Dass Wein in größeren Flaschen besser reift, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Weil halt weniger Luft an den Wein kommt. Und weil das Glas dicker ist. Dadurch können Temperaturschwankungen in der Umgebung leichter ausgeglichen werden – und der edle Rebensaft ist besser vor Licht geschützt. Aber wie heißen die unterschiedlichen Flaschengrößen denn jetzt? Und seit wann gibt es sie?

Gerade letztere Frage ist recht interessant. Denn die Antwort lautet: noch gar nicht so lange. Denn dass die Normalflasche (auch Bouteille genannt) genau 0,75 Liter fasst, ist tatsächlich erst seit 1977 dank EU-Norm festgelegt. Davor wählte man meistens irgendwas zwischen 0,7 und 0,8 Liter, wenn es um die “Standardflasche” ging. In den Vereinigten Staaten setzte sich die 0,75-Flasche erst 1979 als Standard durch. Alle anderen Größen leiten sich von den 0,75 Litern ab und sind in der Regel entweder ein Bruchteil oder ein Vielfaches. Womit wir jetzt endgültig beim Thema wären.

Von der Piccolo- bis zur Magnum-Flasche

Wer kennt sie nicht, die kleine Schaumweinflasche, die sich ideal mitnehmen lässt: die Piccolo. Sie fasst 0,25 Liter. Manchmal auch 0,2 Liter. Sie ist ideal für den schnellen Genuss unterwegs. Oder aber wenn man mal der Omi eine kleine Freude machen möchte.

Gefolgt wird die Piccolo von der Halbflasche, die in Frankreich auch Demi oder Filette genannte wird. Oder Stifterl, wenn man aus Österreich kommt. Die halbe Flasche fasst genau 0,375 Liter – wie der Name es halt schon vermuten lässt. Sie ist ideal, wenn man mal einen neuen Wein ausprobieren möchte.

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Je größer die Flasche, desto besser reift der Wein ©Donations_are_appreciated/Pixabay

Auch wenn man keine normale Pulle öffnen mag, weil man etwa alleine genießen will, eignet sie sich bestens. Da ist diese Flaschengröße also recht praktisch. Nur lange lagern sollte man sie vielleicht nicht. Der Wein reift echt flotter. Als nächstes in der Reihenfolge: die Bouteille, wie sie so schön von den Franzosen genannt wird. Also die Standardgröße von 0,75 Litern, die inzwischen weltweit die häufigst verwendete Flaschenform ist. In der Gastronomie heißt sie auch Eintel.

Die nächstgrößere Einheit ist die Magnum mit 1,5 Litern. Nach der Normalflasche auch eine sehr verbreitete Einheit in Sachen Flaschengröße, die viele Weinliebhaber schätzen, wenn es um das Lagern von Weinen geht. Oder sie aber gerne zu Feiern mitnehmen. Zum einen, weil man mit ihr Eindruck schinden kann. Zum anderen, weil man so weniger oft zum Korkenzieher greifen muss.

Von der Jéroboam- bis zur Methusalem-Flasche

Nach 1,5 kommen die 3 Liter. Ihr seht: Volumentechnisch geht es jetzt in größeren Schritten voran. Bei Wein nennt sich so eine 3-Liter-Flasche schlicht Doppelmagnum. In der Champagne und im Burgund allerdings trägt diese Größe bereits den Namen Jéroboam. Wir sind also endlich bei den biblischen Königen angelangt.

Jerobeam I. regierte 22 Jahre lang als erster König das israelische Nordreich. Aber das nur so nebenbei. Denn jetzt wird es etwas komplizierter, da wir die Chronologie verlassen müssen. Weil die Bezeichnung Jéroboam im Bordeaux nämlich für 5-Liter-Flaschen gilt. Das ist ein wenig verwirrend.

Einig ist man sich in Burgund, Champagne und Bordeaux allerdings, wenn es um die 4,5 Liter geht. Überall nennt man diese Größe Rhéoboam (Rheabeam = Sohn von Salomon, regierte parallel zu Jerobeam I. das israelische Südreich). Geht doch! Bei der 6-Liter-Flasche allerdings braucht das Bordeaux wieder eine Extrawurst – und zwar im doppelten Sinne. Als ob es nicht reichen würde, dass man sich wieder vom Burgund und der Champagne absetzen muss! Nein, der gewählte Name, nämlich Impérial, leitet sich dann auch noch von keinem Königsnamen aus der Bibel ab!

Burgund und Champagne indes bleiben mit der Bezeichnung Methusalem wenigstens biblisch – wenn auch nicht royal. Methusalem war zwar einer der Urväter und der Opa von Noah und wurde 969 Jahre alt – aber ein König war er nicht. Sowas aber auch!

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Manchmal muss man eben doch die Größe vergleichen ©Arnaud 25/Wiki Commons

Von der Salmanazar- bis zur Nebukadnezar-Flasche

Bei der 9-Liter-Flasche sind wir dann aber wieder bei einem König. Salmanassar III. war nämlich der König von Assyrien. Er ist der Namenspate für die Salmanazar-Flasche. Und zwar überall. Hier herrscht also zwischen Burgund, Bordeaux und Champagne Einigkeit.

Selbiges gilt auch für die Größe Balthasar, die ihren Namen von eben jenem von den Heiligen drei Königen hat. Die Balthasar-Flasche fasst 12 Liter. Wir kommen jetzt also in den exorbitanten Bereich in Sachen Flaschengröße. Dementsprechend selten ist dieses Format.

Das gilt natürlich auch für die Nebukadnezar. Sage und schreibe 15 Liter fasst diese Flaschengröße. Damit kann man locker eine Party mit nur einer Pulle versorgen. Was für ein verlockender Gedanke! Und für alle, die es interessiert: Nebukadnezar war der König von Babel (ihr wisst schon, die mit dem missglückten Turmbau). Ebenso übrigens wie Nebukadnezar II, den Verdi für seine Oper “Nabucco” als Vorlage nahm. Das nur mal so am Rande.

Von der Melchior- und Salomon-Flasche

Die 18-Liter-Größe hat dann mal wieder zwei unterschiedliche Namen. Während sie im Burgund und in der Champagne nach einem weiteren Trio-Mitglied der Heiligen drei Könige, nämlich Melchior, benannt ist, heißt sie im Bordeaux Goliath. Hier ist dann kein König, sondern der Riese im Spiel. Auch irgendwie passend. Wobei sich für die 18 Liter der gute Melchior als Namensgeber inzwischen selbst im Bordelais durchgesetzt hat.

Kommen wir zur Krönung. 20 Liter! Salomon! Also dieser echt gerechte israelische König, der den ersten jüdischen Tempel in Jerusalem bauen ließ. Er ist der Pate für die 20-Liter-Flasche, die ich persönlich noch nie im “echten Leben” gesehen habe.

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Wie die Orgelpfeifen aufgereiht ©Jim G/Wiki Commony

Weitere Flaschengrößen

Größer geht natürlich immer. Aber da Melchior und Salomon bereits einiger Eigenbemühungen bedürfen, um diese vom Winzer selbst zu bekommen, erspare ich euch den ausführlichen Ausflug ins Gigantomanische. Was sich aber lohnt, ist ein Blick auf kleinere Größen. Oder denkt ihr etwa, ich hätte die gute, alte Literflasche vergessen? 😉 Sie ist in Deutschland durchaus gängig, wenn es um Tafelweine geht. Dementsprechend gibt es dann natürlich auch den Doppler: die 2-Liter-Flasche.

Eine weitere sehr spezielle Größe ist die 0,62-Liter-Flasche. Dabei handelt es sich um eine Clavelin, die ausschließlich im Jura verwendet wird. Nämlich für Vin Jaune. Puh, wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt: Respekt! Diese pure Weintheorie kann echt etwas dröge sein, aber es wird immer mal wieder eine Gelegenheit geben, bei der ihr mit diesem Wissen glänzen könnt. Die Flaschengröße ist auf Partys unter Weinliebhabern nämlich tatsächlich immer mal wieder Thema. 😉

Copyright Titelbild: ©Fancycrave1/Pixabay

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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8 Gedanken zu „Was biblische Könige mit der Flaschengröße von Wein zu tun haben“

  1. …eine durchaus schöne Zusammenstellung der wichtigsten Flaschengrößen! Wobei es sich bei mir selbst auf eher wenige beschränkt: die Eintel (klar!), ab und zu ein älterer Wein in einer 0,7 l-Flasche, manche Auslesen und sonstiges besonderes Zeuch in 0,5 l-Flaschen, BA’s / TBA’s in den halben Flaschen, manchmal eine Magnum, ein einziges mal eine Doppelmagnum.
    Vor bestimmt 20 Jahren hatte ich für Partyzwecke mal Weine aus den Abruzzen in tonnenförmigen 5 -Flaschen mit Glashenkel und Schraubverschluß (hatten nichts mit der beschriebenen Jéroboam zu tun), sehr selten verirrt sich mal eine Literflasche zu mir. Wobei der Inhalt da aber in aller Regel schon auf der Qualitätsweinstufe angesiedelt ist und nicht beim Tafelwein (den’s mit diesem Namen offiziell gar nicht mehr gibt…).
    Was die Reifung angeht: da ist m.E. so einiges eher dem Bereich “Mythos” zuzuordnen, vor allem was die Einflüsse durch verminderte Strahlung und Temperaturschwankungen angeht, bei ersteren ist die Glasfarbe viel entscheidender. Solange eine Magnum oder größer einigermaßen sinnvoll gelagert ist und nicht gerade in einem Südseiten-Schaufenster steht, denke ich nicht, daß die größeren Flaschen da signifikant punkten können; jedenfalls läßt sich das physikalisch nicht erhärten und ich kenne auch keine belastbaren Untersuchungen dazu. Auch was die relative (Original-) Luftmenge in der Flasche angeht, dürfte das vernachlässigbar sein. Wesentlich ist nach meiner Einschätzung der Gasaustausch über den Korken. Aber auch da wird der Vorteil der Großflaschen mehr und mehr schwinden, denn mit der stetigen Zunahme der relativ dichten Schrauber -auch bei Weinen der höheren Ebenen- braucht auch der Inhalt von Eintelflaschen deutlich länger zur Reifung. Und es gibt sogar schon Schrauber, bei denen man unter unterschiedlichen Graden der Gasdurchlässigkeit wählen kann.
    Bleibt also noch der Punkt “Prestige”, da wird sich wohl nicht so viel ändern. Champagnerdusche auf dem Siegertreppchen mit einer (oder mehreren) Eintelflaschen? Wird nicht passieren…

    1. lach Stimmt schon, Prestige ist manchmal halt doch mehr, als man sich selbst eingestehen möchte. 😉 Wobei ich erst zu Weihnachten wieder festgestellt habe, wie entspannt ein Abend mit Magnums sein kann. Vor allem, wenn man selbst für den Wein-Service verantwortlich ist. 🙂
      Bis jetzt haben mir reifere Weine aus größeren Flaschen übrigens tatsächlich immer besser geschmeckt. Ganz profan, ohne dafür irgendwelche wissenschaftlichen Hinterlegungen zu haben. Nur halt so vom persönlichen Eindruck. Außer der berühmten Ausnahme. Ein Crémant. In Normalflaschen durchaus anständig. Vor zwei Jahren gab’s dann bei einem größeren Weinhändler eine Aktion: Kauf ne Kiste und krieg ne Magnum gratis oben drauf. War kurz vor Weihnachten. Also griffen wir zu und trugen die Magnum stolz an Heiligabend zur Familie. Meine Güte! Was da aus der Flasche kam war echt nicht feierlich! Süßes Zeug, vollkommen charakterlos. Wir haben nach dem ersten peinlichen Probeschluck den restlichen Magnum-Inhalt weggeschüttet. Mein Mann ist dann noch mal schnell nach Hause gerast, um zwei Normalflaschen zu holen. Die waren dann wieder ordentlich. Ein Glück!

      1. …bis jetzt waren mit einer Ausnahme alle Magnum-Weine bei mir auch richtig gut, aber ich hatte auch noch nie die Gelegenheit, den gleichen Wein gleichen Jahrgangs mal direkt aus einer Magnum gegen eine Eintel zu probieren, denn nur dann kann man ja wirklich einen belastbaren Vergleich anstellen. Insofern kann ich da keinerlei Wertung diesbezüglich abgeben. Wäre mal ein schönes Thema, aber bis jetzt hatte ich ein solches Pairing noch nie parat. Aktuell hab’ ich gerade mal zwei Magnums im Keller, zu beiden hätte ich auch Eintel-Flaschen, aber jeweils jahrgangsunterschiedlich, bringt also nix…

        1. Ach schade. Wir haben vor einigen Jahren das ganz bewusst getestet. Ein Wein, ein Jahrgang, zwei Größen. Und ja, die Magnum hat mir besser gefallen. Kann aber auch nur Einbildung gewesen sein. Der menschliche Geist lässt sich durch optische Reize leicht beeinflussen.

          1. …kann durchaus sein, deswegen machen wir sowas gerne auch blind. Allerdings braucht man in so einem Fall dann eine neutrale Person, die die Weine verteilt, denn bei Magnum gegen Eintel nützen auch die schlabberigsten Flaschensäckchen nix…

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