Weingut Heinrich: Naturweine par excellence aus dem Burgenland

Winzer Heike und Gernot Heinrich aus Gols im Burgenland mit ihrem Hund namens Hummel.

Nicht nur wenn es um Naturweine aus Österreich, sondern um außergewöhnliche Weine an sich geht, ist ein Betrieb konsequent ganz vorne mit dabei. Nämlich das Weingut Heinrich aus dem Burgenland. Dank liebevoller und ebenso umsichtiger wie experimentierfreudiger Handarbeit entstehen hier einzigartige Weine, die mit ihrem eigenständigen Charakter und ihrer harmonischen Balance begeistern.

Über das Weingut Heinrich zu schreiben, ist nicht einfach. Klar, man bekommt eine Fülle von Informationen. Nicht nur durch Heike und Gernot Heinrich selbst oder über deren Website. Sondern einfach, weil über dieses Ausnahme-Weingut schon mannigfach ausführlichst geschrieben wurde. Und wisst ihr was? Jedes einzelne Wort der Aufmerksamkeit ist mehr als verdient und auch unbedingt wichtig.

Denn was hier auf die Flasche kommt, ist einfach nur grandios charaktervoll und feinsinnig. Dabei assoziiert man mit Naturwein oder gar Orange Wine ja eher lautere Charakterweine, die durch ihr individuelles Getöse mehr überzeugen als durch Vornehmheit. Aber genau das sind die Weine vom Weingut Heinrich. Vornehm. Elegant. Und vor allem: höchst eigenständig. Aber fangen wir lieber mal von vorne an …

Ein Reh zwischen den Reben vom Weingut Heinrich im Burgenland.
Zwischen den gesunden Reben fühlen sich auch wilde Tiere wohl ©Weingut Heinrich

Erste Erfolge in konventionell

Eigentlich hatte sich das Weingut Heinrich nämlich dem konventionellen Weinbau verschrieben. Das war so um 1985, als Gernot Heinrich den Mini-Betrieb von seinen Eltern übernahm. Die turbulenten Nachwehen des Weinskandals nutze er – wie so viele andere Winzer auch – um das Weingut, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1730 zurückreichen, neu zu definieren. Internationale Rebsorten waren schwer im Kommen. Merlot! Syrah! Cabernet Sauvignon! Und natürlich jede Menge neues Holz für den Ausbau der Weine, die damit ganz dem Geschmack von Kritiker-Papst Robert Parker entsprachen.

Das alles war für Gernot Heinrich Normalität, bis er sich in den 1990er-Jahren mit seiner Frau Heike vom elterlichen Betrieb löste und mit dem Weingut Heinrich eben eigene – und neue – Wege ging. Auch er orientierte sich damals an den internationalen Rebsorten, feilte im Keller und ließ aus seinen gerade mal zwei Hektar großen Weingärten Rebsäfte entstehen, die schnell über die Grenzen Österreichs hinaus gefeiert wurden.

Menschen arbeiten zwischen den Reben am Leithaberg im Burgenland.
Handarbeit am Leithaberg ©Klaus Gaggl/Weingut Heinrich

Weingut Heinrich und die Biodynamie

Es hätte munter so weitergehen können. Aber Heike und Gernot Heinrich wollten mehr. Vor allem noch mehr Qualität. Die meisten Winzer hätten diese wahrscheinlich im Keller gesucht. Noch mehr Technik, noch mehr Schönung. Doch das Ehepaar Heinrich traf 2006 zum Glück auf den Biodynamie-Experten Andrew Lorand, der in den 1970er-Jahren echte Pionier-Arbeit leistete. Und dieses Treffen war für die Heinrichs ein Augenöffner. Statt die Qualität im Keller zu suchen, entschlossen sie sich dazu, die Qualität im Wein an sich zu finden. Es folgte die Umstellung auf biodynamischen Weinbau. Um eigenständige und individuelle Weine voller Charakter zu machen.

“Es ist unser erklärtes Ziel, die Natur in all ihren Facetten sprechen zu lassen”, betont Gernot Heinrich. Und das bedeutete damals eben weg vom konventionellen Weinbau, hin zur Biodiversität. Kein Dünger, keine Pestizide, dafür Blumen und Tiere, die sich zwischen den Rebzeilen tummeln. Denn diese Heterogenität bewirkt, dass die Weingärten resistenter und vitaler werden.

Käfer auf einem Gänseblümchen in Nahaufnahme.
Biodiversität in der schönsten Form ©Klaus Gaggl/Weingut Heinrich

Low Intervention wird beim Weingut Heinrich ganz groß geschrieben

Mit der biodynamischen Bewirtschaftung ging ein rigoroser Verzicht im Keller einher. Die Devise beim Weingut Heinrich lautete fortan, dass Zeit die Weine formt – und nicht irgendwelche Techniken oder Schönungsmittel. Ein mutiger Schritt, wenn man bedenkt, wie erfolgreich die Anfänge waren. Seit 2006 verfolgt man hier im Keller aber konsequent die Reduzierung auf das Wesentliche. Man begleitet und beobachtet den Prozess, den die Weine durchlaufen, greift aber nicht ein, sondern gibt ihnen Zeit, Zeit und noch einmal Zeit.

Deswegen wird ausschließlich spontan mit Wildhefe vergoren. Eine lange Maischestandzeit (auch bei den Weißweinen!), Reifung im gebrauchten Holz (die Fässer kommen inzwischen nur noch vom regionalen Fassbinder Klaus Pauscha) und langer Hefekontakt verstehen sich da von selbst. Einhergehend mit den ersten Erfahrungsschritten Richtung ganzheitlichem Weinbau kam dann auch der Austausch mit benachbarten und befreundeten Winzern dazu. 2009 gehörte das Weingut Heinrich neben Paul Achs, Judith Beck, Franz Weninger, Johannes Hirsch, Claus Preisinger, Gerhard Pittnauer, um nur mal einige Namen zu nennen, zu den Gründungsmitgliedern von “respekt-BIODYN”.

Winzer Gernot Heinrich mit Kuhhorn für biodynamischen Weinbau zwischen den Reben.
Gernot Heinrich mit Kuhhorn ©Weingut Heinrich

Orange Wines der Extraklasse

Solch ein ganzheitlicher Ansatz bringt natürlich auch noch weitere Änderungen mit sich. So war mit den internationalen Rebsorten bald so gut wie Schluss. Zwar findet man auf den inzwischen 100 Hektar umfassenden Rebflächen (die nach wie vor ausschließlich Menschen und deren Hände und eben keine Maschinen sehen) auch noch ein wenig Merlot, aber 90% ist lokalen Rebsorten wie Neuburger, Roten Traminer, Zweigelt, St. Laurent und Blaufränkisch gewidmet. Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder oder Pinot Noir komplettieren den Rebsortenspiegel.

Eine Besonderheit: Die Weißweine werden teilweise wochenlang auf den Schalen vergoren. Orange Wines polarisieren bekanntlich, für Gernot Heinrich waren sie aber der nächst logische Schritt: “Ohne Experimente keine Erkenntnisse und erst recht keine Evolution. Also experimentieren wir.” Und das ist auch gut so. Denn wer hier an oxidative oder gar fehlerhafte Weine denkt, der irrt gewaltig. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Jeder Orange-Gegner, der einen Wein vom Weingut Heinrich ins Glas bekommt, könnte seine Meinung aufgrund der faszinierend hohen Qualität, die inzwischen nicht nur gebrauchten Holzfässern, sondern auch Amphoren entspringt, vielleicht sogar ändern.

Eine Amphore mit roten Weintrauben von oben fotografiert.
Und ab in die Amphore! ©Weingut Heinrich

100 Hektar Handarbeit

Diese Qualität kommt natürlich nicht von ungefähr. Und ja, der Zeitfaktor ist schon entscheidend. Übrigens wie auch ein blitzsauberes Arbeiten. Es gehört aber noch mehr dazu. Womit wir dann wohl mal bei Böden und Klima wären. Denn die 100 Hektar des Weinguts Heinrich lassen sich grob in zwei Bereiche teilen. Während ein Teil der Reben auf der Parndorfer Platte gedeiht, findet man die anderen im Leithagebirge. Mit der Parndorfer Platte rund um Gols ist Gernot Heinrich quasi groß geworden. Er kennt den von der Urdonau geprägten Boden mit seinem Kies, dem roten Schotter und dem Schwemmsand ebenso gut wie das heiße pannonische Klima. Hier gedeihen vor allem Zweigelt und St. Laurent prächtig, deren Charaktermerkmale nicht nur viel Säure und Struktur beinhalten, sondern auch eine präzise Frucht.

Die Entscheidung, auch Rebflächen im Leithagebirge zu bewirtschaften, war mutig. Obwohl nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, könnten die Bedingungen konträrer nicht sein. Hier findet man meterdicke Kalkschichten. Und wo nicht der Kalk regiert, dominiert der Schiefer. Dank der umliegenden Wälder ist die Luft hier kühler, was zu Weinen mit einem linearen und ebenso straffen wie kompakten Körper führt. Ideal für weiße Rebsorten. Aber eben auch für Blaufränkisch.

Rote Weintrauben werden am Selektiertisch per Hand überprüft.
Handarbeit ist Pflicht! ©Weingut Heinrich

Weingut Heinrich: Jeder Wein ist individuell

All dieses Wissen, ebenso wie Geduld, Aufmerksamkeit und Umsicht fließen in die Weine ein. Liebevoll werden die Rebzeilen gehegt und gepflegt, damit die Rebstöcke von sich aus charaktervolle Trauben ausbilden, die ebenso gesund wie lebendig sind, sodass sie im Weinkeller final dann machen können, was immer sie auch wollen, um zu einem großartigen Wein zu werden. Lage? Soll man schmecken! Aber bitte auch den Jahrgang!

Ob nun bei den Naked-Weinen, die allesamt ein Paradebeispiel für Low Intervention und Naturwein sind, über die Freyheit-Linie bis hin zu den DAC-Weinen – hier ist nichts konventionell genormt. Was aber nicht bedeutet, dass man sperrige Ungeheuer im Glas hat. Im Gegenteil! Denn dadurch, dass die Weine zu keinem Zeitpunkt einem Zwang unterlegen sind, entwickeln sie von sich aus eine faszinierende Harmonie und Balance – und strahlen dabei eine fast schon vibrierende Lebendigkeit aus. Und genau damit zementiert das Weingut Heinrich dann auch seinen Ruf als einer der Topliga-Betriebe in Sachen österreichischen Wein – von dem Pionierfaktor, dass auch Naturweine ganz oben und vor allem weit vorne mitspielen können, mal ganz zu schweigen.

Copyright Titelbild: ©Weingut Heinrich

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Heinrich und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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