Winzer Fred Loimer in seiner Vinothek

Weingut Loimer: Eigenständigkeit aus dem Kamptal

Die Weine vom Weingut Loimer waren echte Publikumslieblinge. Gefällig, süffig, einfach schön zu trinken. Und dann stellte der Winzer auf Biodynamie um. Für mehr Eigenständigkeit und Ecken und Kanten und Individualität. Auch, wenn die Weine inzwischen ganz anders daherkommen, geliebt werden sie nach wie vor. Aus gutem Grund!

Es ist ja nicht so, dass es sich Fred Loimer bewusst ausgesucht hat, gegen den Strom zu schwimmen. So etwas kann man nicht planen. Das passiert ganz einfach, wenn man neugierig ist und eigentlich ständig und überall über den eigenen Tellerrand hinaus blickt. Genau das ist bei Fred Loimer der Fall. Und zwar schon lange, bevor er 1998 den elterlichen Betrieb übernahm und daraus das inzwischen international renommierte Weingut Loimer formte. Denn dass der Winzer gerne mal andere Weg geht und Neues ausprobiert, war schon Anfang der 1990er-Jahre zu erkennen.

Damals traf sich der Jungspund, der noch mitten in der Ausbildung steckte, mit gleichgesinnten Kollegen. Neugierige, die nicht stillstehen wollten. Man tauschte sich aus, diskutierte über Weine. Und vor allem über eigenständige Qualitäten. Aus dieser Gruppe bildete sich dann 1992 der Verein Österreichische Traditionsweingüter. Aber auch fernab der Gemeinschaft erweiterte Fred Loimer seinen Horizont durch ganz praktische Experimente. Zum Beispiel, in dem er als Erster im Kamptal Grünen Veltliner im Barrique ausbaute – und sich dann an den Holznoten erfreute. Und dann war da ja noch der Sekt! Auch hier war der Winzer in der Region Pionier in Sachen Versektung. Allerdings nur sieben Jahre lang. 1998 war erst einmal Schluss damit. Die neuen Aufgaben als Chef vom Weingut Loimer forderten viel Aufmerksamkeit ein. Und Zeit.

Keller vom Weingut Loimer mit großen Holzfässern
Beim Weingut Loimer wird gerne mit Holz gearbeitet ©Weingut Loimer GmbH

Weingut Loimer und die Biodynamie

Der junge Mann sorgte also vorher schon für viel Kopfschütteln, das noch größer wurde, als er im Jahr 2002 den bis heute optisch prägnanten Kellerkubus in das romantisch-biedere Architekturbild in Langenlois bauen ließ. Dabei war das alles, die Barriques, der Sekt, die Architekturästhetik, tatsächlich nur ein Vorgeplänkel zu dem, was noch kommen sollte. Womit wir im Jahr 2003 wären. Dem Weingut Loimer ging es gut. Sogar richtig gut. Die polierten Weine, die einfach zu genießen und leicht zu lieben waren, stießen auf große Begeisterung. Nur: der Winzer selbst war nicht zufrieden. Ihn langweilte es, dass seine Weine keine Ecken und Kanten hatten und ohne eigenständigen Charakter waren. Das müsste doch auch in einem so großen Betrieb (Stand heute entstehen auf 80 Hektar Rebfläche die Weine des Weinguts Loimer) möglich sein!

Ein Kollege gab den ersten Impuls. Vielleicht sollte Loimer es mal mit der Biodynamie versuchen? Der Winzer dachte nach. Und zögerte. Mit Esoterik hatte er es schließlich nicht so am Hut. Es brauchte noch zwei weitere Jahre und eine wichtige Begegnung. Nämlich mit Andrew Lorand, dem großen Biodynamie-Experten. Nach ersten Gesprächen sprang der Funke über. Aber Loimer wusste, dass er es nicht alleine schaffen würde. Er brauchte Mitstreiter. Und die fand er unter anderem in Bernhard Ott, Franz Weninger oder Gernot Heinrich. Eine ganze Gruppe von Winzern ließ sich dann 2006 gemeinsam auf das Abenteuer Biodynamie ein. Daraus sollte dann 2007 die Vereinigung respekt-BIODYN entstehen, zu der auch Johannes Hirsch, Paul Achs, Hans Nittnaus oder Herbert Zillinger gehören. Oder, ganz neu dabei, auch der Sattlerhof.

Keller-Kubus vom Weingut Loimer in Langenlois
In der Langenloiser Kellergasse fällt der Loimer-Kubus nach wie vor auf ©Weingut Loimer GmbH

Vom Kundenliebling bis zur Nische

Man muss sich das mal vor Augen halten: Da ist ein kommerziell erfolgreicher Winzer, der eigentlich nichts ändern müsste, um weiterhin gut zu verdienen, bereit, den finanziell sicheren Weg zu verlassen, damit er selbst – und eben nicht nur die Kunden – mit seinen Weinen zufrieden ist. Das ist schon eine ziemlich krasse Entscheidung. Wobei es einige dieser “harmlosen” Weine nach wie vor gibt. Wie den “Lois” zum Beispiel, einen absolut süffigen Grünen Veltliner, wie er typischer nicht sein könnte. Aber: von dem großen Kundenliebling von einst wird inzwischen nur noch ein Drittel der damaligen Menge bereitet.

Neu hinzugekommen sind aber Orange Wines. Auch wieder so ein Ding der Unmöglichkeit. Als die ersten maischevergorenen Weine vom Weingut Loimer herauskamen, schüttelte man im Kamptal mal wieder kräftig mit dem Kopf. Loimer indes zuckte höchstens mit den Schultern. Dass diese Weine anders sind, steht ja schon auf dem Etikett. Schließlich handelt es sich bei den Oranges um die “mit Achtung”-Reihe. Eine wunderschöne Doppeldeutigkeit. Vorsicht, die sind anders, Achtung beim Genießen. Aber auch: Achtung vor den alten Traditionen des Winzerhandwerks. Back to the roots eben.

Wasser wird biodynamisch in einem Holztrog per Hand dymanisiert
Biodynamie ist hier überall präsent ©Weingut Loimer GmbH

Hier geht’s ums Terroir!

Das Weingut Loimer jetzt aber nur auf Publikumslieblinge und Orange Wines zu reduzieren, würde ihm alles andere als gerecht werden. Tatsächlich sind das ja nur die beiden Enden eines ebenso breiten wie vielfältigen Spektrums, das man im Portfolio des Betriebs finden kann. Was all diese unterschiedlichen Weine vereint, hat etwas mit der Frage von Fred Loimer zu tun, die man in Romana Echenspergers Buch “Von der Freiheit, den richtigen Wein zu genießen” findet: “Kann man von Terroir reden, wenn überall auf der Welt der gleiche Kunstdünger eingesetzt oder die selben Kellerhilfsmittel verwendet werden?”

Genau diese Frage zeigt das Zentrum des Denkens und des Handelns Fred Loimers. Nämlich eigenständige Weine mit Charakter zu machen. Diese oft bemühte Worthülse füllt er allerdings mit Leben. Dank der biodynamischen Arbeitsweise betrachtet er nicht mehr nur die Rebe, sondern die ganze Bewirtschaftungsfläche. Begrünung, Biodiversität. Eben das Große und das Ganze. Und genau das ermöglicht es ihm, dass er im Keller nur noch minimal etwas machen muss, da die Weine per so schon eigenständig sind, sobald ihre Trauben ankommen. Das wiederum erklärt dann auch, warum die Bandbreite der Weine so groß ist. Eben weil jeder nach seinen individuellen Bedürfnissen unterstützt wird.

Schafe weiden zwischen Rebstöcken
Schafe sind zwischen den Reben kein seltener Anblick mehr ©Weingut Loimer GmbH

Weingut Loimer: Wo Vielfalt groß geschrieben wird

Auch das alles: große Worte. Kommen wir also mal zum Fundament dieses weiten Horizonts. Und das sind die Böden. Urgestein und Schotter findet man hier ebenso wie schweren Lehm. Wie unterschiedlich diese sich auf die Weine des Weinguts Loimer auswirken, kann man schon alleine den unterschiedlichen Grünen Veltlinern anschmecken. Während Urgestein und Schotter mineralische Würze in den Wein bringen, spendiert der Lehm opulente Frucht. Da lohnt es sich, die unterschiedlichen Rieden-Veltliner einfach mal nebeneinander zu verkosten. Denn ja, die Herkunft kann man nun mal schmecken.

Was für den Grünen Veltliner gilt, ist beim Riesling natürlich nicht anders. Oder bei den “mit Achtung”-Weinen. Oder auch bei den Winzersekten. Denn ja, seit 2013 beschäftigt sich der Champagner-Liebhaber Fred Loimer wieder mit der eigenen Versektung. Was mich persönlich übrigens sehr, sehr freut. Ihr könnt das verstehen, wenn ihr euch mal den Blanc de Blancs Langenlois Große Reserve brut nature gönnt. Mehr Eleganz und Tiefe und Lebendigkeit in einem Schaumwein gehen einfach nicht. Herrlich! Und eh, ich könnte hier jetzt hemmungslos über all die unterschiedlichen Weine vom Weingut Loimer schwärmen. Aber ich möchte aus einem Blogtext keinen Roman machen. Deswegen: schaut euch die Weine selbst an, entdeckt die vielfältigen Charaktere und vor allem die mannigfaltigen Bereitungsarten. Sie sind jede Entdeckungstour im Glas wert. Versprochen!

Copyright Titelbild: ©Weingut Loimer GmbH

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Loimer und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

6 Kommentare

  1. Biodynamie. Bisher noch nie gehört, wieder was gelernt. Einmal mehr ein informativer, toll geschriebener Beitrag. Ich komme immer mehr auf den Geschmack. Und ich bin eingefahrener Biertrinker. Du darfst Dir darauf also was einbilden. 😀

    1. Ok, mache ich. 😉 Biodynamische Landwirtschaft ist echt ein spannendes Thema. Gibt halt viele Grabenkämpfe drum. Von Religion bis esoterischer Bockmist ist alles dabei. Allerdings nur von außen gesehen. Wenn man sich mit einem Biodynamie-Winzer unterhält, ist er vor allem zweierlei: sehr geerdet und ganz dicht dran an der Natur. Sympathisch.

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