Weingut Michael Auer: Auf der Suche nach dem “perfekten Wein”

Weingut Auer aus dem Carnuntum in Österreich

Er ist jung, innovativ und leidenschaftlich. Und in dieser Kombination hat Michael Auer tatsächlich eine Vision: den “perfekten Wein” zu machen. Und das bedeutet vor allem, den Charakter der einzelnen Lagen herauszuarbeiten.

Eigentlich müsste man Michael Auer ob seines Alters von gerade mal etwas mehr als 30 Jahren noch Jungwinzer nennen. Uneigentlich geht das aber nicht. Ein Jungwinzer, der muss sich schließlich noch beweisen; der will ausprobieren und ist gerade erst dabei, seinen eigenen Weg zu finden. All das trifft auf den Winzer aus dem österreichischen Carnuntum aber nicht zu. Denn Michael Auer weiß genau, was er will.

Das wusste er aber auch schon 2009, als er das elterliche Weingut blutjung übernahm. Damals wurde noch die vorgegebene Linie des Großvaters gelebt. Und das bedeutete vor allem: Fassverkauf. Aus dem Stand heraus änderte der junge Winzer das, als er in den Familienbetrieb einstieg. Und das bedeutete vor allem: Handarbeit, Ertragsreduzierung, strengste Selektion. Inklusive einer intensiven Beschäftigung mit dem Terroir rund um Höflein.

Weiß, was er will: Winzer Michael Auer

Während andere erst einmal machen und ausprobieren, geht Michael Auer als Winzer anders vor. Jeder Schritt ist gut überlegt, folgt einer bestimmten Richtung – nämlich immer hin zum Großen und Ganzen, zur Vision, die der junge Winzer von Anfang an hatte. Bevor er den ersten Schritt in den Weingarten machte, wusste er bereits, wie ein Wein aus seiner Hand schmecken sollte: “Authentisch muss er sein, die Besonderheiten der Rebsorte und des Gebietes widerspiegeln, Rückgrat besitzen, aber auch Trinkfluss. Stimmig, ausgewogen, harmonisch”, so beschreibt der Winzer seine Vorstellung. Um diese Harmonie zu erreichen, setzt Michael Auer seit Jahren übrigens auf Ganztraubengärung. Denn der interzelluläre Prozess macht die Weine besonders weich und stimmig.

Winzer Michael Auer zwischen seinen Weinfässern im Weinkeller
Hat den Durchblick im Weinkeller: Michael Auer ©Weingut Michael Auer

Jetzt könnte man meinen, dass Michael Auer für die Umsetzung dieser Vision auf modernste Techniken im Keller zurückgreift, um den für ihn perfekten Wein zu “designen”. Nur wird man ihm damit nicht gerecht. Denn auch bei ihm beginnt alles im Weingarten, wie er bestätigt: “Den Wein so lassen, wie er wächst und schmeckt. Reduzierter Anbau, Selektion nach Lagen, gesundes Traubenmaterial: Stichworte, die meine Tätigkeit und unsere Weine prägen. Naturbelassenheit ist bei uns ungeschriebenes Gesetz.”

Weingut Michael Auer: Qualität braucht Zeit

Im Keller wird vor allem eines gemacht: gewartet. Qualität braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Das weiß auch Auer. Deswegen gilt bei ihm vor allem die Devise “kontrolliertes Nichtstun”. In den Weingärten jedoch sieht es ganz anders aus. Hier wird akribisch Hand angelegt, denn ein Spitzenwein entsteht natürlich auch beim Weingut Michael Auer vorrangig im Weingarten. Inzwischen kümmert sich der Winzer um eine Rebfläche von 12 Hektar. Mit 5 Hektar hatte er angefangen, als er das Weingut von Grund auf neu aufbaute. Ob nun  Welschriesling, Chardonnay, Zweigelt, Syrah, Pinot Noir oder Blaufränkisch – aus jeder Rebsorte wird das Optimum herausgeholt. Wobei Auer auch einen ganz eindeutigen Liebling hat. Den Blaufränkisch. “Die feine Tanninstruktur macht diesen Rotwein richtig groß”, verrät der Winzer.

Winzer Michael Auer mit einer Flasche seines Weins in der rechten Hand
Bei Michael Auer kommt Charakter auf die Flasche ©Weingut Michael Auer

Noch viel wichtiger als Rebsorte ist aber deren Zusammenspiel mit der Lage. Seine Gebiets-, Orts- und Riedenweine präsentieren klar ihre Herkunft und ihr Terroir. Wobei es ihm vor allem das Prestige-Thema Einzellagen sehr angetan hat, dem er sich mit sehr viel Fingerspitzengefühl nährt. Bestes Beispiel ist da etwa seine Einzellagen-Cuvée Ried Aubühl. Hier zeigen die beiden Lokalmatadore Zweigelt und Blaufränkisch, wie stark sie zusammen sind: saftige Brombeeren, elegante Veilchen, süße Kirschen und ein Hauch von Tabak sind Verführung pur. Dazu dann noch die geschmeidige, frische und vielschichtige Struktur am Gaumen – ein Volltreffer.

Bilderbuch-Syrah aus dem Carnuntum

Wobei einer meiner persönlichen Favoriten von Michael Auer ja sein Syrah ist. Die Kombination aus Schwarzkirschen und Pfeffer, Kardamom und Nougat bringt wunderschöne Kontraste zusammen, die aber trotzdem sehr ausgewogen und harmonisch wirken. Dank der feinen Tanninstruktur. Ein Syrah, der die Eleganz der nördlichen Rhône besitzt, der aber gleichzeitig ganz klar sagt, dass er aus dem Carnuntum stammt. Eine wundervolle Mischung von Feinsinnigkeit und Trinkfreude.

Aber genau das macht ja eh alle Weine von Michael Auer aus. Seine Handschrift ist überall klar erkenn- und vor allem schmeckbar. So sollte es auch sein, keine Frage. Aber dann denke ich persönlich wieder daran, wie jung dieser Winzer ist und wie extrem durchdacht seine Weine sind. Da weiß ich jetzt schon, dass es sich sehr lohnen wird, seinen weiteren Weg zu verfolgen.

Copyright Titelbild: ©Weingut Michael Auer

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss vom Weingut Auer und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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