Weingut Payr: Kühle Charaktere auf Flaschen gebracht

Winzer Robert Payr vom Weingut Payr im Carnuntum

Er ist nicht nur der Präsident der Rubin Carnuntum Weingüter, sondern macht mit seinen Riedenweinen seit Jahren immer wieder auf sich aufmerksam. Die Rede ist von Robert Payr, der inzwischen in fünfter Generation das Weingut Payr führt – und dort einzigartige Charakterweine entstehen lässt.

Robert Payr ist im wahrsten Sinne des Wortes in den Beruf des Winzers hineingewachsen. Als kleiner Junge spielte er zwischen den Reben, packte ab seinem 19. Lebensjahr selbst kräftig mit an und übernahm 2004 das Weingut Payr dann von seinem Vater. Solch ein Stabwechsel geht nicht mit einem großen Tusch oder dem Kahlschlag oder der Wiederentdeckung der Andersartigkeit vor sich. Was der 1967 geborene Payr machen wollte, konnte er auch vorher schon umsetzen. Und ein Qualitätsfanatiker war er eh immer schon: Ertragsreduktion, konsequente Handarbeit, Verwendung ganzer Trauben samt Kernen und Stielen – um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Und halt auch immer wieder Terroir, Terroir, Terroir. Gut 12 Hektar Rebfläche zählt das Weingut Payr inzwischen. Es dominieren Zweigelt, Blaufränkisch und Grüner Veltliner. Die meisten Weingärten befinden sich in und um Höflein. Und dann ist da eben noch der Wingert in Prellenkirchen. Am Ried Spitzerberg, um genau zu sein. Diese Ausnahme-Lage blickte um die Jahrtausendwende eigentlich schon dem Vergessen entgegen. Zwar ließ schon Winzer Thomas Perger seine Kollegen Bauklötze staunen, als er nach dem Ausdünnen die Hälfte seiner Trauben auf dem Boden liegen ließ, um einen Blaufränkisch zu vinifizieren, der damals bereits für Aufsehen sorgte. Aber es brauchte halt noch eine Dorli Muhr, die dort zuerst mit ihrem damaligen Mann, dann mit dem befreundeten Winzer Johannes Trapl mit ihren Blaufränkisch-Qualitäten weitere Winzer zum Spitzerberg lockte.

Blaufränkisch vom Spitzerberg

Einer davon war Robert Payr, dessen Freundin 2006 eine kleine Rebfläche dieser Riede mit in die Beziehung brachte. Payr erkannte sofort das Potenzial des doch eher unscheinbaren Ausläufers der kleinen Karpaten. Die Kalk- und Sandsteinböden sind mit Glimmerschiefer durchsetzt. Und während mittags die pralle Sonne auf den Spitzerberg brennt, sorgen kühle Winde aus dem Norden dafür, dass die Weine trotzdem schlank und filigran gelingen und eine ganz besondere innere Spannung haben.

Winzer Robert Payer im Porträt
Charakterkopf mit Qualitätsanspruch: Robert Payer ©Fillim/Weingut Payr

Aber das ist ja eh ein Markenzeichen des Weinguts Payr. Sämtliche Weine bestechen durch eine eher kühle Stilistik, sind feingliedrig und äußerst präzise. Da kreischt nichts, das stürmt nichts plump voran. Genau so verhält es sich auch mit dem Blaufränkisch Ried Spitzerberg, der mit seiner feinsinnigen Komplexität und seinem mineralischen Bouquet das verführerische Kirscharoma perfekt komplettiert. Was für ein Blaufränkisch! Und vor allem: Was für ein Lagerpotenzial!

Zweigelt goes Riedenwein

Wobei sich die anderen reinsortigen Weine von Robert Payr wahrlich nicht verstecken müssen. Ein jeder spiegelt den Charakter der einzelnen Lagen wider. So auch der Zweigelt “Steinacker”. Moment mal, ein Zweigelt-Riedenwein? Aber ja doch! Während nach wie vor die meisten Winzer diese Rebsorte für ihre Guts- und Zechweine verwenden, war Robert Payr einer der Ersten im Carnuntum, der daraus ganz große Weine vinifzierte. So besticht der “Steinacker” mit viel Struktur, feinen Tanninen und  – wie sollte es bei Payr auch anders sein – mit einer kühlen Aromatik. Eben ganz als Ausdruck des Terroirs. Beim Zweigelt bedeutet das: kontinental-pannonisches Klima und kräftiger Löss, der sich zu kargem Kalkschotter aus dem Becken der Ur-Donau gesellt.

Und vielleicht ist genau das der Schlüssel zum Erfolg und der Grund dafür, warum vor allem die Riedenweine vom Weingut Payr regelmäßig in der Weinwelt für Verzückungen sorgen. Robert Payr schaut immer genau hin. Und vor allem: hört genau hin. Auf die Lagen ebenso wie auf sich. Seine Weine sind zuerst ein Gedanke, eine Idee, die dann in den Weingärten wächst und gedeiht, bevor sie mit seiner Unterstützung im Keller Realität wird.

Bald in bio: Weingut Payr

Das mag jetzt vielleicht ein wenig pathetisch klingen, aber letztlich sind die Weine so, wie der Winzer selbst: energetisch, konzentriert, mit viel Tiefgang und Charakter und einem trotzdem einnehmenden Wesen. Nur dass sie eben den bissig-schwarzen Humor, für den Robert Payr in Carnuntum bekannt ist, durch eine vornehme Eleganz ersetzen.

Wer so nah an den unterschiedlichen Rebsorten arbeitet wie es Robert Payr macht, der verzichtet natürlich auch auf Hardcore-Chemie. Naturnah hat man auf dem Weingut Payr eigentlich immer schon gearbeitet. 2015 erfolgte die Zertifizierung “Nachhaltig Austria” und seit 2017 ist Payr dabei, sein Weingut auf bio umzustellen. Das dazugehörige Zertifikat kommt noch 2020. Eine logische Konsequenz, wenn man derart intensiv auf das hört, was die Reben und Weine selbst zu erzählen haben.

Copyright Titelbild: ©Steve Haider/Weingut Payr

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er entstand ohne den Einfluss von Weingut Payr und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen alleine Service-Zwecken.

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