Weingut Pfneisl: Internationales Flair aus dem Burgenland

Lisa und Gerhard Pfneisl mit ihren Weinen

Blaufränkisch und Zweigelt? Ja, auch die gibt es beim Weingut Pfneisl. Und zwar in sehr hohen Qualitäten. Die Liebe von Gerhard und Lisa Pfneisl gilt aber Rebsorten wie Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot. Blicken wir mal ein wenig über den burgenländischen Tellerrand.

Wenn die nächste Generation in einen Betrieb mit einsteigt, wird oft frische Wind bemüht, um Neuerungen zu erklären. Auf den ersten Blick ist das auch beim Weingut Pfneisl aus dem burgenländischen Deutschkreutz so. Seitdem Tochter Lisa Pfneisl 2014 mit an Bord ist, gibt es schließlich Weinlinien wie “Offspring by Pfneisl” oder die Pepper-Range. Was aber bereits schon Jahre vorher von Vater Gerhard geändert wurde: einige der reinsortigen Lagenweine haben Zusätze wie “Joe’s Playground” oder “Maria’s Vineyard”. Mal ganz abgesehen von dem Slogan, der das Weingut Pfneisl ziert: Born 2 make wine. Das hört sich – oberflächlich betrachtet – erst einmal nach Zeitgeist pur an. Doch beide setzen damit nur konsequent im Wording um, was eh schon seit geraumer Zeit Philosophie des Betriebes ist.

Denn das Internationale hat beim Weingut Pfneisl schon immer eine große Rolle gespielt. Neben heimischen Rebsorten wie Blaufränkisch und Zweigelt gedeihen hier auf der roten Seite vor allem Shiraz (nicht Syrah, bitteschön!), Merlot und Cabernet Sauvignon, während bei den weißen Rebsorten Viognier und Sauvignon Blanc den Grünen Veltliner komplettieren. Dieses Ineinandergreifen von nationalen und internationalen Trauben ist im Burgenland freilich nicht ungewöhnlich. Während sich andere Betriebe aber in den 1990er-Jahren immer mehr auf die autochthonen Sorten konzentrierten, entdeckte Lisas Vater Gerhard Pfneisl zusammen mit seinem Bruder seine große Liebe für Shiraz und Co.

Familie Pfneisl vom Weingut Pfneisl im Burgenland
Lisa Pfneisl mit ihren Eltern. © Weingut Pfneisl

Weingut Pfneisl und der Shiraz-Fokus

Diese Liebe ging sogar so weit, dass die beiden 18 Kilometer von Deutschkreutz entfernt in Kleinmutschen eine eigene Cru für Shiraz schufen, um sich dort voll und ganz dieser Power-Rebsorte mit ihren intensiven Aromen von Schwarzer Johannisbeere, Pflaume und Brombeere und den dazugehörigen Kräuter- und Pfeffernoten zu widmen. Es war die erste nennenswerte Shiraz-Anbaufläche im Burgenland. Was den Brüdern zunächst das Kopfschütteln der Kollegen einbrachte, führte letztlich zu dem Spitznamen, an den man sich heute noch gerne Deutschkreutz erinnert. Die “Shiraz-Brothers”.

Aufgewachsen auf dem Weingut Pfneisl, wurde Lisa die Hingabe zu Shiraz quasi in die Wiege gelegt. Und die konsequente Mitarbeit im elterlichen Betrieb prägten sie auch dementsprechend. Aber Lisa Pfneisl war schon immer ein Freigeist und blickte gerne über ihren Tellerrand hinaus. Deswegen führte sie ihr Weg erst einmal weg vom Wein und hin zum Tourismus, bevor sie – im wahrsten Sinne des Wortes – umsattelte und Pferdewissenschaft (ja, das gibt es!) studierte, bevor es sie dann doch zum Wein und einem dazugehörigen Marketing-Studium trieb. Und damit dann auch wieder zurück zum elterlichen Weingut, wo sie Jahr und Jahr mehr mithalf. Bis sie eben 2014 voll mit einstieg.

Winzerin Lisa Pfneisl reitet freihändig durch die Weinberge
Pferde spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in Lisa Pfneisls Leben. © Weingut Pfneisl

Offspring – die jungen Weine des Weinguts Pfneisl

Seitdem sind die Rollen eigentlich klar verteilt. Vater Gerhard Pfneisl ist Kellermeister und verantwortet die 23 Hektar Rebfläche sowie die Weine, die daraus entstehen. Lisa selbst ist Junior-Chefin und sieht sich selbst mehr als Junior denn als Chefin. Womit sie ihr Licht recht arg unter den Scheffel stellt. Denn soooo klar sind die Rollen dann doch nicht verteilt. Dass Lisa selbst nämlich auch Wein machen kann, bewies sie bereits 2015 mit ihrer eigenen Linie “Offspring by Pfneisl”. An die ging sie übrigens mit ganz genauen Geschmacksvorstellungen heran, schaute sich dann im Keller um, was da ist, und probierte herum, bis sie das gewünschte Ergebnis hatte.

Wobei das jetzt etwas zu einfach zusammengefasst ist. Denn bei allen Offspring-Weinen wird nicht nur Nachhaltigkeit groß geschrieben, sondern auch ein Ineinandergreifen der einzelnen Komponenten. Dazu gehört eben nicht nur die Vermählung der einzelnen Rebsorten, sondern auch, dass die Weine mit so wenig Eingriffen wie möglich vegan und histaminarm auf die Flasche kommen. Oder dass das Umweltpapier, in dem die Flaschen eingewickelt sind, den Charakter des jeweiligen Weins optisch wiedergeben. Klassisch im Stahltank ausgebaut sind die Offspring-Weine ein frisch-fruchtiger Genuss, der bei mir vor allem gerne mal im Sommer ins Glas kommt. Neben Offspring White (Grüner Veltliner und Sauvignon Blanc) und Offspring Red (Merlot und Blaufränkisch) gibt es auch noch den mir unbekannten Offspring Rosé (Pinot Noir und Shiraz).

Innenhof des Weinguts Pfneisl in Deutschkreutz
Willkommen auf dem Weingut Pfneisl! © Weingut Pfneisl

Von leichtfüßig bis komplex

Dabei kommt beim Offspring Rosé erstmals auch bei Lisa Pfneisl die Parade-Rebsorte des Weinguts Pfneisl zum Einsatz. Shiraz. Den findet man auch in Lisas anderer Linie wieder: den Pepper-Weinen. Wie es der Name bereits vermuten lässt, legt die Winzerin hier besonderen Wert auf die Pfeffer-Note der Shiraz-Traube. Während diese beim Red Pepper, einem Rosé-Schaumwein, vor allem in Kombination mit den Erdbeer-Aromen und der zarten Mineralität eine wunderschön spritzige Angelegenheit ist, paart sich in der Shiraz basierten Cuvée Black Pepper die Pfeffernote im Abgang mit Menthol. Was für ein kühl-schlankes Spannungsfeld!

Die beiden Linien, die Lisa Pfneisl verantwortet, bilden einen stilistischen Kontrast zu den Weinen ihres Vaters. Denn diese werden zumeist im Holz ausgebaut (einzige Ausnahme: der Zweigelt). Das sorgt nicht nur für andere Geschmacksnuancen, sondern auch dafür, dass die Weine lange gelagert werden können. Prinzipiell lässt sich die Range hier in zwei Bereiche einteilen. Die reinsortigen Weine und die Cuvées. Was beide eint: ihre enorme Komplexität. Steigen wir also da mal etwas tiefer in die Materie ein.

Winzer Lisa und Gerhard Pfneisl verkosten im Weinkeller gemeinsam einen Rotwein
Für Lisa und Gerhard Pfneisl ist regelmäßiges Verkosten Pflicht © Weingut Pfneisl

Langstreckenläufer aus dem Burgenland

Während der Blaufränkisch aus der Ried Girm in Kirchberg in 500-Liter-Fässern ausgebaut wird, sehen Cabernet Sauvignon, Merlot und der Shiraz ausschließlich Barriques. Die Holznoten sind hier also intensiver. Vor allem beim samtigen Merlot “Joe’s Playground” hat das in Kombination mit den Aromen von Heidelbeere und Pflaume ein wunderschönes Spannungsfeld zur Folge. Beim Shiraz “Maria’s Vineyard” sorgt der Barrique-Ausbau hingegen dafür, dass die intensiven dunklen Waldfrüchte eine elegante Note bekommen. Außerdem unterstreicht das Holz die Pfeffernote sehr gekonnt. Für mich sind der Merlot und der Shiraz übrigens ideale Speisenbegleiter, die regelmäßig im Glas landen, wenn es bei uns Rinderrouladen oder Wildgulasch gibt. Aber das nur am Rande.

Kommen wir lieber endlich mal zu den Top-Cuvées vom Weingut Pfneisl. An der Spitze steht ohne Frage “Ego”. Der Blend aus Cabernet Sauvignon und Merlot ist ein echter Langstreckenläufer. Wer ihn jung genießen möchte, sollte ihn vorab karaffieren. Oder eben doch lieber zehn Jahre warten, um sich dann an den runden Tanninen, der üppigen Struktur und den feinen Lakritz-Noten zu erfreuen. In einer Zeit, in der es verstärkt um den schnellen und jungen Weingenuss geht, finde ich persönlich übrigens sehr mutig, auf eine Cuvée zu setzen, die ihr wahres Potenzial erst nach zehn oder mehr Jahren Flaschenreife offenbart. Ein sehr gelungener Gegen-Trend.

Holzfässer vom Weingut Pfneisl im Burgenland
In diesen Fässern baut Gerhard Pfneisl fast alle seine Weine aus. © Weingut Pfneisl

Weingut Pfneisl: Internationale Rebsortenliebe inklusive

Wobei auch die anderen Blends dem “Ego’ nicht nachstehen. 50 Prozent Shiraz und 50 Prozent Merlot vereinen sich im “Hexenberg”. Woher der Name stammt? Früher dachte man, der Berg sei verhext, da er sich nur schwer mit den Pferden bearbeiten ließ. Im Blend dominieren Holzanklänge und dunkle Beerenfrüchte. Dann noch etwas schwarze Oliventapenade und Karamell zusammen mit reifen Herzkirschen. Und ja, der Wein ist so intensiv wie er klingt – und schreit förmlich nach einem knisternden Kaminfeuer. An selbigem kann man natürlich auch den “Pentagon” genießen. Hier ist der Name Programm, denn die Cuvée besteht aus Blaufränkisch, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz. Wer jetzt denkt, dass der feine Pinot Noir hier untergeht: nein, tut er nicht. Er mildert nämlich sehr geschickt die Tannine ab, sodass die Schokoladen-Noten und die Aromen dunkler Beerenfrüchte gekonnt umrahmt statt erschlagen werden.

Was alle Weine von Gerhard Pfneisl eint: sie haben mächtig Druck und eine höchst komplexe und markante Struktur. Lisas Weine hingegen kommen leichtfüßiger daher. So zeigen sich zwei unterschiedliche Spielarten der so heiß geliebten internationalen Rebsorten. Und plötzlich hat der Slogan “Born 2 make wine” eben nichts mehr mit einem flüchtigen Zeitgeist zu tun, sondern drückt nur modern aus, wofür die beiden Winzer stehen.

Copyright Titelbild: © Weingut Pfneisl

*Dieser Text wurde nicht in Auftrag gegeben. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Pfneisl und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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