Weingut Prieler: Vinophile Geschichtenerzähler

Winzer Georg Prieler zwischen Rebstöcken

Es ist die kontinuierliche Entwicklung, die das burgenländische Weingut Prieler prägt. Hier wird Wissen seit Generationen weitergegeben und Hand in Hand zukunftstauglich gemacht. Das Ergebnis sind dann Weine, die auch weit über die Grenzen Österreichs hinaus für staunende Begeisterung sorgen.

Eigentlich müsste man mit Pauken und Trompeten vom Weingut Prieler aus Schützen am Gebirge schreiben. So richtig laut und schmetternd. Weil jede Generation Pionierarbeit geleistet hat. Da wäre Großvater Georg Prieler, der zwar am Mischbetrieb festhielt, aber einer der ersten Weinbauern im Burgenland war, der in den 1950er-Jahren auf Flaschen- statt auf Fassverkauf setzte. Dessen Sohn Engelbert Prieler stellte 1972 dann zusammen mit seiner Frau auf reinen Weinbau um. Es war quasi die Geburtsstunde des Weinguts Prieler. Das war aber bei Weitem nicht der einzige Verdienst von Engelbert Prieler. Der burgenländische Winzer reiste gerne – und fragte sich, warum die Weine andernorts so viel besser schmeckten. Wieder zuhause, reduzierte er den Rebsortenspiegel. Und setzte unter anderem auf internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot.

Das war in den 1980er-Jahren, kurz nach dem legendären Weinskandal. Prieler prägte damit die Region. Aber nicht nur mit den internationalen Rebsorten, sondern auch mit der heimischen Paradetraube Blaufränkisch. Vor allem in Sachen Qualität. Als er erstmals auf Ertragsreduktion setzte, schüttelten seine Nachbarn die Köpfe und taten das Quatsch ab. Die Spötter verstummten allerdings recht schnell, als ein Blaufränkisch vom Weingut Prieler der erste österreichische Rotwein war, der von Robert Parker über 90 Punkte erhielt. Jetzt machte sich niemand mehr über Engelbert Prieler lustig, der über Nacht zum Vorbild avancierte. Das allein wäre schon viele Pauken und Trompeten wert. Wenn, ja wenn die Familie laut wäre. Ist sie aber nicht. Mit dem lauten Klappern hat es dort niemand. Egal, welche Generation: sie alle gehören eher zur leiseren, zur bescheideneren Sorte Menschen. Die einfach machen und dann ihre Taten für sich sprechen lassen.

Fassade des Weinguts Prieler in Schützen am Gebirge
Willkommen beim Weingut Prieler! ©Weingut Prieler

Weingut Prieler: Auftritt der nächsten Generation

Was übrigens nicht nur für Engelbert Prieler gilt, sondern auch für seine Kinder Silvia und Georg. Es war Silvia, die das Weingut Prieler spontan auf die nächste Ebene hob. Spontan, weil der Vater 1999 einen Unfall im Weinkeller hatte und ausfiel. Die junge Frau unterbrach ihr Studium und packte jetzt Vollzeit auf dem Hof mit an. Und brachte eigene Ideen ein. Ihr ist die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung ebenso zu verdanken wie die Tatsache, dass es im Keller nur noch Spontangärung gibt. Außerdem führte sie zwei weitere Rebsorten ein. Zweigelt und Pinot Noir. Ihre Familie war da zuerst skeptisch, aber der Erfolg gab ihr Recht.

Silvia Prieler machte ihre Sache derart gut, dass ihr Vater ihr die Leitung nach seiner Genesung weiterhin überließ. 2004 stieg zudem ihr Bruder Georg Prieler mit ein und übernahm nach und nach im Keller immer mehr Verantwortung. Wenn er nicht gerade im Familienbetrieb half, war der Jungwinzer in der Welt unterwegs. Praktika führten ihn unter anderem nach Argentinien, Kalifornien und Neuseeland. Und dann kam das Jahr 2012. Schwester Silvia wollte sich wieder ihren Studien und ihrer Familie widmen. Seitdem leitet Georg das Weingut Prieler – nach wie vor tatkräftig unterstützt von seinem Vater Engelbert.

Winzerfamilie Prieler im Weinberg
Die ganze Familie vereint ©Weingut Prieler

Georg Prieler, der Weinbegleiter

Natürlich hat auch Georg Prieler schon längst seinen Daumenabdruck beim Familienweingut hinzugefügt. Und das eigentlich auch mehrfach. Der 1984 geborene Winzer hat zum Beispiel die Standorte der einzelnen Rebsorten perfektioniert. Jeder Wein soll schließlich konsequent von seiner Herkunft erzählen. Genau deswegen brauchen die Reben auch jeweils den idealen Platz. Für Blaufränkisch, der großen Leitrebsorte beim Weingut Prieler, ist das zum Beispiel die Spitzenlage Goldberg. Die Ried Goldberg ist vom Neusiedlersee abgewandt und einer am Leithagebirge entlangwehenden kühlen Thermik aus dem Norden ausgesetzt. Hört sich erst einmal recht normal an. Jetzt aber die Besonderheit: die Ried Goldberg wird von kargem Glimmerschiefer geprägt. Schiefer erwärmt sich leicht. Sprich: die kühlen Winde treffen auf einen warmen Boden. Das ergibt dann wiederum große Temperaturunterschiede.

Und die sorgen dafür, dass die Trauben hier eine besonders spannungsreiche Aromatik entwickeln können. Hier gedeiht Blaufränkisch am besten und entfaltet seine wahre Größe. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Präzise müsste es heißen: die Rebsorte entwickelt alle Anlagen für wahre Größe. Im Keller kommt diese dann erst voll und ganz zum tragen, wie Georg Prieler betont: “Im Weingarten reifen Trauben, die gesund und zum richtigen Zeitpunkt geernet werden müssen. Doch erst im Keller übersetzt du die vielstimmigen Eigenschaften in Wein. Dort treffe ich Entscheidungen in Ruhe und in Hinblick auf meine Familientradition, aber verbunden mit persönlichen Erfahrungen, wie die einzelnen Lagen und Rebsorten zu deuten sind.”

Winzer Georg Prieler kontrolliert Blaufränkisch-Trauben
Georg Prieler kontrolliert Blaufränkisch-Trauben ©Weingut Prieler

Das Weingut Prieler und der Pinot Blanc

Womit wir wieder bei den Lagen wären. Diese lassen sich, wie rund ums Leithagebirge üblich, in zwei Bodenarten unterteilen. Kalk oder Schiefer. Diese beiden Bodentypen prägen auch beim Weingut Prieler die 24 Hektar. Mit einer Ausnahme. Der Riede Haidsatz. Denn hier befindet sich ein Kalksockel über einer mächtigen Schieferplatte. Man bekommt als Winzer also das Spannungsverhältnis von Kalk und Schiefer als Komplettpaket geschenkt. Wenn man denn mit diesem Geschenk umzugehen weiß. So wie eben Georg Prieler. Als er das elterliche Weingut übernahm, wuchsen auf der Lage vor allem rote Rebsorten. Der junge Winzer erkannte schnell, dass der Boden sowie die kühlen Nordostwinde, die hier herrschen, aber vor allem für eine Rebsorte prädestiniert sind: Weißburgunder. Beziehungsweise Pinot Blanc. Und genau diese bringt hier jetzt absolut saftige Weine mit enorm viel Rückgrat hervor. Vollmundig und elegant in einem.

Rebfläche des Weinguts Prieler im Burgenland
Blick in den Weingarten ©Weingut Prieler

Lebendige Erlebnisreise im Glas

Obwohl der Schwerpunkt des Weinguts Prieler mit 60 Prozent auf den roten Rebsorten liegt, spielt Pinot Blanc tatsächlich eine immer größere Rolle. Einfach, weil die unterschiedlichen Weine derart viel lebendige Strahlkraft besitzen, dass sie immer häufiger internationale Beachtung finden. Kein Wunder, dass sich zu den vier unterschiedlichen Blaufränkisch inzwischen auch drei höchst eigenständige Pinot Blanc gesellen. Und ja, auch sie sind tatsächlich sehr unterschiedlich und echte Charakterköpfe. Denn Georg Prieler baut nicht nur Lage entsprechend ihrer Eigenarten und Bedürfnisse aus. Was alle Weine von ihm gleichsam geschenkt bekommen, ist Zeit. Damit sie sich in Ruhe entwickeln können. Mal ganz davon abgesehen, dass sie allesamt eh nicht für den schnellen Genuss gemacht sind.

Alle Weine zeichnet eine lebendige Tiefe aus. Sie sind präsent, aber nicht laut; lassen ihren Charakter ganz klar erkennen, sind dabei aber alles andere als plakativ. Im Gegenteil. Wenn ich eine Flasche vom Weingut Prieler entkorke, dann weiß ich, dass ich mich auf eine Erlebnisreise begebe. Denn über die Stunden entwickelt sich jeder der Weine, offenbart immer wieder neue Nuancen und kann mich so mühelos einen ganzen Abend beschäftigt halten. Aber ohne, dass ich ins schwere Grübeln gerate. Dafür ist der Trinkfluss einfach zu charmant. Was dann noch eine der großen Qualitäten ist, die die Weine des Familienbetriebs auszeichnet.

Copyright Titelbild: ©Weingut Prieler

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Prieler und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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