Weingut Walter Glatzer: Zweigelt-Größe aus dem Carnuntum

Winzer Walter Glatzer vom Weingut Walter Glatzer, der seine Weine probiert.

Wenn es um Weine aus dem Carnuntum geht, kommt man an dem Weingut Walter Glatzer einfach nicht vorbei. Nicht nur aufgrund der schieren Größe des Betriebs, sondern auch wegen der enormen Qualität. Ein guter Grund, um sich Weine und Weingut einmal genauer anzuschauen.

Die Weinregion Carnuntum ist geprägt von kleinen Weingütern. Größere Betriebe bilden dort ganz eindeutig die Ausnahme. Und doch gibt es sie. So ist das Weingut Walter Glatzer nach dem Weingut von Gerhard Markowitsch (beide übrigens in Göttlesbrunn ansässig) quantitativ am beeindruckendsten. Das liegt auch daran, dass Walter Glatzer keinen Hehl daraus macht, Trauben dazu zu kaufen. Schließlich arbeiten alle seine Vertragswinzer nach streng vorgegebenen Kriterien. Nicht zu vergessen, dass Walter Glatzer von den insgesamt 54 Hektar über die Hälfte zusammen mit seiner Familie selbst bewirtschaftet. Natürlich war das Weingut Walter Glatzer nicht von Anfang an derart groß. fangen wir also von vorne an.

Und zwar im Jahr 1987. Damals, als das Carnuntum noch keine eigenständige Weinbauregion war; als der große österreichische Weinskandal gerade mal zwei Jahre zurücklag; und nachdem im Vorjahr der Winzer Hans Pitnauer mit seinem ersten Markenwein, dem “Bienenfresser”, bewiesen  hatte, dass man aus Zweigelt auch qualitativ hochwertige Weine machen kann. Genau hier setzt die Geburtsstunde vom Weingut Walter Glatzer ein. Denn zuvor handelte es sich, wie in der Region eben so üblich, um einen Mischbetrieb. Erst die Idee, einen eigenen Markenwein zu kreieren, nämlich auch aus Zweigelt, ermöglichte es ihm, voll und ganz auf Wein zu setzen. Mit seinem Zweigelt “Dornenvogel” trat er nicht nur in die großen Fußstapfen von Hans Pitnauer, sondern füllte sie auch noch aus.

Winzer Walter Glatzer mit seinen Weinen.
Walter Glatzer ist eine feste Carnuntum-Größe ©Weingut Walter Glatzer

Carnuntumer Wein-Pionier

Damals umfasste das Weingut Walter Glatzer gerade einmal 4,5 Hektar Rebfläche. Aber der erste Wein war die Initialzündung für eine große Erfolgsgeschichte. Die ist natürlich nicht von selbst auf Walter Glatzer zugekommen. Er hat einiges dafür getan. So war er neben Hans Pitnauer und Gerhard Seidl die treibende Kraft, dass das Carnuntum Weinbaugebiet wird. Er gehörte zu den Gründern des Vereins, der sich genau dafür stark machte. Wie wir heute wissen, haben sich diese Mühe und dieser Elan ausgezahlt: 1993 wurde das Carnuntum endlich eine eigene Weinregion. Und es waren Weine wie eben der “Dornenvogel”, die einen großen Teil dazu beigetragen haben.

Nun ist solch ein Engagement natürlich sehr ehrenwert, aber noch lange kein Garant für qualitativ hochwertige Weine. Doch genau die entstehen im Weingut Walter Glatzer seit 1987. Und das liegt an mehreren Faktoren. Da wären zum einen die außergewöhnlichen Lagen, die Filetstücke, die sich durch das Carnuntum ziehen. Rieden wie Rosenberg, Bernreiser, Heidacker oder Schüttenberg. Hier überall, mitten im pannonischen Klima, hat Walter Glatzer Rebfläche. Dabei nutzt er nicht nur die unterschiedlichen Böden aus, die durch Lehm, Sand und Kalk geprägt sind, sondern setzt auch auf eine sehr dichte Bestockung der Reben. Mit bis zu 5.000 Stöcken pro Hektar wird garantiert, dass die Belastung für die einzelne Rebe nicht zu hoch ist. Die Folge: eine natürliche Ertragsreduzierung. Zugleich schützt das dichte Laubdach aber auch vor der gleißenden Sonne im Sommer. Und vor der Hitze. Eine Methode, die die zu dem Zeitpunkt im Carnuntum noch längst nicht gang und gäbe war.

Winzer Walter Glatzer im Weinkeller mit einem Glas Rotwein in der Hand.
Ein Blick in den Weinkeller ©Weingut Walter Glatzer

Das Weingut Walter Glatzer wächst und gedeiht

Nach und nach wurde das Weingut Walter Glatzer immer größer. An der hohen Qualität der Weine, änderte das allerdings nichts. Denn Walter Glatzer setzt seit jeher modernste Kellertechnik ein, damit sich der Charakter der Weine optimal herausbilden kann. Schließlich möchte auch er als Winzer, dass man seinen Weinen die Herkunft anschmecken kann. Und bei inzwischen jährlich 250.000 Flaschen braucht man schon eine ausgeklügelte Technik, damit der hohe Standard bewahrt werden kann.

Inzwischen geht man beim Weingut Walter Glatzer übrigens noch ein Schritt weiter: seit der Lese 2018 befindet sich der Betrieb in Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Eine Umstellung auf Biodynamie soll danach folgen. Ein Beweis mehr dafür, das Masse, Klasse und Nachhaltigkeit zusammen mit Qualität und einem hohen Anspruch Hand in Hand gehen können.

Blick in die Reben beim Weingut Walter Glatzer aus dem Carnuntum.
Beschaulicher Blick in die Reben – samt Wein ©Weingut Walter Glatzer

Neues Design fürs Weingut Walter Glatzer

Dass die Weine vom Weingut Walter Glatzer höchst eigenständig sind, sieht man seit 2015 übrigens auch am Etikett. Damals kam es zu einem großen Relaunch. Stilprägend ist das G vom Namen Glatzer, das als karolingisches Minuskel dargestellt wird. Es soll den Ursprung des Weinbaus im Carnuntum versinnbildlichen. Zugleich verdeutlichen die handschriftlichen Drucke auf den unterschiedlichen Etikett die persönlichen Note, die Glatzer jedem seiner Weine verleiht. Und zugleich erzählen sie auch noch Geschichten. Geschichten von Walter Glatzer, von seinen Weinen und vom Carnuntum selbst. Das sorgte 2016, als die ersten Flaschen mit dem neuen Design herauskamen, durchaus für Aufsehen in der Weinwelt. Ein großer Wurf, schließlich wird es immer schwieriger, gerade in Sachen Etiketten-Design etwas komplett Neues und Originäres zu schaffen.

Nun ist eine wunderschöne und originelle Verpackung das eine, die aber nichts nützt, wenn der Inhalt nicht stimmt. Zum Glück passt bei Glatzers Weinen aber auch dieser. Ein Großteil der Rebfläche vom Weingut Walter Glatzer ist mit roten Rebsorten bestockt. Allen voran natürlich Zweigelt. Gefolgt von Blaufränkisch und internationalen Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon oder Syrah. Mit dem  Zweigelt bildet Walter Glatzer unterschiedliche Qualitäten ab. Vom Basiswein über einen Rubin Carnuntum oder dem legendären “Dornenvogel” bis hin zum Rieden-Wein, ist alles dabei. Und das auch noch zu einem perfekten Preis-Genuss-Verhältnis. Ähnlich verhält es sich übrigens mit seinem St. Laurenz Ried Altenberg Alte Reben. Dieser Wein wird dank seiner großartigen Balance, der saftigen Frucht und der feinen Tanninstruktur Jahr für Jahr ausgezeichnet und hoch bewertet.

Winzer Walter Glatzer mit seiner Frau Doris und lauter blauen Weintrauben.
Walter Glatzer mit seiner Ehefrau Doris ©Weingut Walter Glatzer

Das Weingut Walter Glatzer und die Cuvées

Doch auch ein Blick auf die Cuvées von Walter Glatzer lohnt sich. Bestes Beispiel ist da die Cuvée “Gotinsprun”. Hier sorgen Blaufränkisch, Zweigelt, Merlot, Syrah und St. Laurent für ein sehr beeindruckendes Genusserlebnis. Schwarze Waldbeeren, reife Kirschen, ein Hauch von Tabak und unglaublich harmonische Tannine, die mit ihrer Seidigkeit den Gaumen zu umschmeicheln wissen, machen den “Gotinsprun” zu einem ganz großen Wein, der nicht nur ein großes Lagerpotential hat, sondern den man als Speisenbegleiter genauso genießen kann wie als Solist. Mal ganz davon abgesehen, dass sich auch hier die Bewertungen regelmäßig überschlagen.

Normalerweise ist das ein Garant dafür, dass die Preise für die Weine explodieren. Nicht so beim Weingut Walter Glatzer. Denn selbst für die Flaggschiff-Weine muss man nicht allzu tief in die Tasche greifen. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Basis-Weine und mittleren Qualitäten zu einem recht beeindruckend geringen Preis daherkommen. Und trotzdem sind sie alles andere als Massenware. Der beste Beweis also, dass Weine mit Charakter, denen man die Leidenschaft für den Weinbau und die Hingabe für die unterschiedlichen Lagen eindeutig anschmeckt, kein Vermögen kosten müssen. Bravo!

Copyright Titelbild: ©Weingut Walter Glatzer

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Walter Glatzer und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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