Weingut Wohlmuth: Wo Schiefer alles ist

Winzer Gerhard Josef Wohlmuth vom Weingut Wohlmuth vor Holzfässern

Karge Böden, extreme Steigungen, große Höhen – die Natur im südsteirischen Kitzeck-Sausal verlangt Winzern einiges ab. Wer sich aber dieser Herausforderung mit großer Leidenschaft und Akribie stellt, der erhält als Dank spannungsreiche Weine. So wie das Weingut Wohlmuth.

Es sind schon Extreme, die da im Sausal herrschen. Allein der Boden ist eine echte Herausforderung. Oder besser gesagt: die Böden. Während in den anderen Gebieten der Südsteiermark die Böden doch recht unterschiedlich sind, dominiert hier Schiefer. Und zwar in allen Facetten. Vom roten und dünnblättrigen Schiefer bis hin zu blauschwarzem und kompaktem Schist. Nicht zu vergessen: die Quarzeinschlüsse, die es überall mal mehr, mal weniger gibt. Das ist alles genauso karg, wie es sich anhört. Da muss man schon ein Händchen für haben, damit hier Wein wächst. Genau dieses Händchen hat das Weingut Wohlmuth.

Und zwar seit dem Jahr 1803. Damals noch ein Mischbetrieb, natürlich. Aber die Reise ging kontinuierlich in Richtung Wein. Denn das Weingut Wohlmuth besaß damals schon Rebflächen in einzigartigen Lagen. Wie zum Beispiel die Ried Edelschuh. Zwischen den Weltkriegen ging die Riede der Familie verloren, doch sie setzte alles daran, sie wiederzubekommen, wie Gerhard Josef Wohlmuth, der das Weingut zusammen mit seinem Vater Gerhard führt, verrät: “Zum einen, weil wir wussten, welch großartige Weinqualitäten die Ried liefern konnte, aber auch, weil es uns ein großes Anliegen ist, die historischen Steillagen von Kitzeck-Sausal, dieses spektakuläre Kulturgut, zu erhalten. Erst vor 10 Jahren konnten wir das letzte fehlende Teilstück der Ried Edelschuh zurückerwerben, sodass sie nun wieder als Monopollage zu 100% von unserer Familie bewirtschaftet wird.”

Schiefer-Gestein im Sausal in der Südsteiermark
Beim Weingut Wohlmuth dreht sich alles um Schiefer ©Weingut Wohlmuth

Weingut Wohlmuth und das Stichwort Handarbeit

Womit wir dann auch schon tief in der Materie drinstecken, wenn es um das Weingut Wohlmuth geht. Denn hier sind die Lagen mit ihren unterschiedlichen Schiefer-Böden alles. Jede Riede hat ihre eigenen Bedürfnisse. Und die bestimmen dann auch, welche Rebsorte wo gedeiht. Was aber alle Lagen eint: die Handarbeit. Das hört sich jetzt zunächst einmal recht normal an. Ertragsreduktion, Selektion – alles reine Handarbeit bei Qualitätswinzern. Meinetwegen wird auch noch per Hand und Sense gemäht. Wie es hier auch der Fall ist. Aber es geht eben doch schon weit über normale Handarbeit hinaus, wenn der steinige Boden mit einem Hammer aufgeklopft werden muss, um eine Rebe zu pflanzen. Genau das gehört beim Weingut Wohlmuth allerdings dazu.

Vor allem, als das große Riesling-Projekt startete. Denn ja, natürlich ist auch bei den Wohlmuths Sauvignon Blanc die große Leitrebsorte. Und noch natürlicher gedeiht hier auch Chardonnay. Aber eben auch Riesling. Und diese Rebsorte hat es der Familie aus einem bestimmten Grund angetan, wie Gerhard Josef Wohlmuth verrät: “Kitzeck-Sausal hat eine lange Tradition im Riesling-Anbau. Vor 200 Jahren war es die wichtigste Rebsorte im Gebiet und heute werden wieder 9 Hektar Riesling bewirtschaftet. Alles auf ganz kargen phyllitischen Schieferböden mit zahlreichen Quarzsteinen, auf extremen Steillagen.”

Arbeiter mäht im Weinberg mit einer Sense per Hand das Gras
Hier wird komplett auf Handarbeit gesetzt ©Weingut Wohlmuth

Riesling rockt neben Sauvignon Blanc

Bestes Beispiel ist da die Ried Dr. Wunsch, womit wir also erst einmal bei dem Riesling-Projekt wären bevor wir zum Sauvignon Blanc kommen. Die Ried Dr. Wunsch (die Bezeichnung geht auf einen Gutsherrn aus Graz zurück) ist eine über 1.000 Jahre alte extreme Steillage, die im Laufe der Jahrhunderte verfiel. Letztlich blieben hier nur 1,5 Hektar erhalten – und die wurden vor acht Jahren vom Weingut Wohlmuth übernommen. Was folgte, war eine aufwendige Rekultivierung. In reiner Handarbeit. Stein um Stein, Schicht um Schicht wurde hier wieder urbar gemacht. DAS versteht man beim Weingut Wohlmuth darunter, wenn man über Handarbeit spricht. Der Rest ist einfach nur Alltag.

Die Riede wuchs von 1,5 auf 4,5 Hektar. Damit war mit der Handarbeit aber noch lange nicht Schluss. Es fehlten noch die Reben. Händisch wurden 9.500 Riesling- und 2.000 Sauvignon Blanc-Rebstöcke gepflanzt. Mehr Handarbeit geht also gar nicht. Eine ungeheure Mühe also. Die sich aber gelohnt hat. Denn gerade der Riesling, der hier gedeiht, besticht durch seine straffe und engmaschige Struktur, den delikaten mineralischen Noten und der feinen Fruchtsüße.

Blick in die Reben der Ried Dr. Wunsch in der Südsteiermark
Die Ried Dr. Wunsch wurde aufwendig rekultiviert ©Weingut Wohlmuth

Vater und Sohn arbeiten Seite an Seite

Vollmundig und filigran zugleich, fruchtig und mit einer herrlich kühlen mineralischen Note – das ist das, was alle Weine des Weinguts Wohlmuth eint, obwohl sie sonst höchst unterschiedlich im Charakter (und damit auch im Geschmack) sind. Einheitsbrei, das lag Gerhard Wohlmuth noch nie. Kein Wunder also, dass gerade seine Weine seit der südsteirischen Qualitätsoffensive in den 1980er-Jahren immer mit zu den ersten gehören, die genannt werden. Und seit 2007 ist auch sein Sohn Gerhard Josef Wohlmuth voll im Betrieb mit dabei. Nach Praktika in Italien, Neuseeland und Südafrika studierte Gerhard Josef in Eisenstadt und Geisenheim, bevor es wieder in die südsteirische Heimat ging.

Natürlich haben seine Erfahrungen seine vinophile Handschrift beeinflusst – und damit auch die Weine. Aber Gerhard Josef Wohlmuth betont, dass er Seite an Seite mit seinem Vater arbeitet. Zwar ist er seit 2011 der Hauptverantwortliche im Keller, während sich der Senior um die Weingärten kümmert, aber so leicht lässt sich das nicht trennen, wie Gerhard Josef Wohlmuth verrät: “Die Grenzen verschwimmen oft, da bei uns der Hauptfokus auf dem Weingarten ist, denn dort entsteht 100% der Qualität.” Logisch, die Weine sollen ja von ihrer Herkunft erzählen. Ein Satz, der recht inflationär verwendet wird, der hier aber trotzdem unbedingt zutrifft.

Blick von der Ried Steinriegel in die Südsteiermark
Blick von der Ried Steinriegel ©Weingut Wohlmuth

Das Weingut Wohlmuth und seine Philosophie

Damit die Weine ihren individuellen Charakter entwickeln können, wird im Keller wie im Weingarten gearbeitet: mit Bedacht und größter Sorgfalt. Hier wie dort gilt die Maxime, dass so wenig wie möglich eingegriffen wird. Im Weingarten kommen weder Herbizide noch Pestizide zum Einsatz. Dafür stecken in jedem Hektar gut 1.200 Stunden Handarbeit pro Jahr. Als Konsequenz ist das Weingut Wohlmuth seit der Lese 2019 “Nachhaltig Austria” zertifiziert. Nach der späten und selektiven Handlese (die Trauben werden mühselig mit einer Kiepe ausgetragen) geht es im Keller ebenso akribisch weiter: kurze Maischestandzeiten, langsame und schonende Ganztraubenpressung und Spontangärung in Holzfässern sind bei allen Rieden-Weinen Pflicht. Nur so gelingt es Jahr für Jahr, dass man den höchst eigenen Charakter eines Weins auch tatsächlich erschmecken kann.

Wobei dieser sich auch schon mal verändert. Denn schließlich wird so ein Jahr im Weingarten nicht nur von Böden und Klima beeinflusst, sondern auch von den Wetterbedingungen. Ein warmes Jahr? Schmeckt man! Ein regnerisches Jahr? Auch das findet man in den Weinen der Wohlmuths wieder! Dass jedes Jahr unterschiedliche Facetten in einem Wein zum Vorschein bringt, kann man beim Weingut Wohlmuth übrigens nicht nur erschmecken, sondern auch direkt sehen. Denn das Etikett, das alle Weinflaschen ziert, wird für jeden Jahrgang von einem Künstler gestaltet. Und das bereits seit 1991. Das erste Jahrgangsbild stammte damals von Gerald Brettschuh während der Jahrgang 2019 ein Gemälde von Walter Schmögner auf dem Etikett trägt. Diese Jahrgangsbilder sind eine ebenso bezaubernde wie künstlerisch-kreative Idee, die perfekt die konsequente Arbeit mit der Natur beim Weingut Wohlmuth ergänzen.

Copyright Titelbild: ©Weingut Wohlmuth

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Wohlmuth und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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