Mann mischt eine Weinschorle in einem Glas, im Hintergrund ein Blumenstrauß

Weinschorle: Das ideale Sommergetränk?

Spritzer, Gespritzter oder eben Weinschorle – egal, wie man sie nennt, am Mischen von Wein und Mineralwasser scheiden sich die Weinliebhabergeister. Hier erfährst du alles über das alkoholhaltige Mixgetränk.

Man muss nicht unbedingt Purist sein, um der Weinschorle nichts abgewinnen zu können. Schließlich hat wohl schon jeder von uns mal in irgendeiner Gaststätte den ultimativen Spritzer aus der Hölle bekommen. So mit schalem oder super billigen Wein inklusive viel zu viel abgestandenem Mineralwasser. Da müssen die Geschmacksknospen schon besonders hart im Nehmen sein, um das noch als sommerliche Erfrischung genussvoll wahrzunehmen. Einfach auf die Qualität und das ideale Mischverhältnis zu achten, löst dann aber natürlich noch nicht den Grabenkrieg, den die Weinschorle regelmäßig auslöst. Während rund die Hälfte der Weinliebhaber weltweit sie im Sommer als moderat-alkoholische Erfrischung liebt, lehnt die andere Hälfte sie als verwässernden Frevel ab. Punkt.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass auch ich nicht unbedingt eine große Weinschorle-Freundin bin. Ausnahmen bestätigen allerdings bei mir vor allem im Hochsommer die Regel. Und diese Ausnahme heißt selbermachen. Denn wenn man auf ein paar Feinheiten achtet, dann ist so eine Weinschorle gar nicht so übel. Zum Beispiel sollte das Mineralwasser so neutral wie möglich sein. Je weniger Mineralien, desto besser. Sprudeln sollte es nach Gusto. Hier gilt: je mehr Kohlensäure, desto stärker werden Aromen und Säure im Wein betont. Stilles Wasser ist raus. Damit streckt man den Wein nur und macht kein Mixgetränk daraus.

Ein Paar sitzt auf der Terrasse eines Restaurants, vor ihnen Salat, sie stoßen mit zwei Weingläsern an, in denen sich Weinschorle befindet
Weinschorle kann übrigens auch ein prima Speisenbegleiter für Sommergerichte sein. © Deutsches Weininstitut

Weinschorle selber mischen

Kommen wir endlich mal zum Wesentlichen. Dem Wein. Grundsätzliche Empfehlung: ein gewisses Maß an Qualität sollte schon sein. Du musst jetzt wahrlich nicht den 100-Euro-Meursault nehmen. Aber eben bitte auch nicht den 1,99 Müller-Thurgau aus der Literflasche vom Discounter nebenan. Um mal in beide Richtungen gnadenlos zu überspitzen. Generell kannst du dich aber hier an den Tipps orientieren, die ich schon bei dem Text “Mit Wein kochen” gegeben habe: schmeckt dir der Wein auch pur, dann immer her damit.

Gemischt wird meist im Verhältnis 50:50, wobei Wasser wie Wein sehr gut gekühlt sein sollten. Meist hat man dann so zwischen fünf und sechs Volumenprozent Alkohol im Glas. Genau richtig also, wenn man sich an einem heißen Sommertag nicht die Birne wegballern möchte. Damit das auf keinen Fall geschieht: bitte langsam genießen. Denn Alkohol bleibt nun mal Alkohol. Und gerade wenn man Durst hat, können die Schlucke schnell mal größer werden.

Ein Glas mit Weißwein steht vor einem weißen Sonnenschirm, der Himmel ist blau
Mit einem Mischverhältnis von 50:50 kann man nichts verkehrt machen. © Pixabay/Ben_Kerckx

Rebsorten für eine gelungene Weinschorle

In Deutschland ist Riesling aufgrund der hohen Säure und der Fruchtnuancen meistens erste Wahl. In Österreich Grüner Veltliner. Chardonnay und Grauburgunder landen auch immer häufiger in der Weinschorle, weil sie meist weniger Säure haben. Ich persönlich empfinde genau die im Sommer als sehr erfrischend. Aber ich habe auch einen unempfindlichen Magen. Mit Müller-Thurgau macht man auch nichts falsch. Wenn er denn eine gewisse Qualität hat. Selbiges gilt für Silvaner. Und wer mal was ganz anderes möchte, der wird vielleicht mit Welschriesling glücklich. Vor allem, wenn dieser aus dem Burgenland kommt.

Seit ein paar Jahren bekennen immer mehr Menschen beim Thema Weinschorle auch Farbe. Hier schlägt dann die Stunde von Rosé oder Rotwein. Im Rosé-Bereich ist ein Weißherbst immer wieder gern gesehener Gast im Glas. Schön leicht und fruchtig eben. Wer es etwas kerniger haben möchte, ist mit einem Rosé aus Tavel gut bedient. Die zarten Gewächse aus der Provence wiederum bringen meist eine leichte Mineralität mit ins Spiel. Und wer es gerne richtig gefällig haben möchte, für den ist vielleicht ein Primitivo Rosato aus Apulien was.

Inzwischen finden auch Rotweinschorlen immer mehr Anhänger. Hier gilt vor allem eins: je weniger Tannine, desto besser. Denn die Kohlensäure des Mineralwassers verstärkt die Gerbstoffe im Wein. Mit einem Gamay aus dem Beaujolais bist du also besser bedient als mit einem Shiraz aus dem Barossa Valley. Pinot Noir, hierzulande auch als Spätburgunder bekannt und beliebt, eignet sich ebenso ideal. Oder wie wäre es mit Sangiovese? Und bitte nicht in Form von Brunello, sondern lieber als Annata aus dem Chianti oder Chianti Classico.

Ein Glas mit einer Weinschorle aus Rosé-Wein steht auf einer Balustrade an einem Strand mit Liegen und Sonnenschirmen, in der Ferne ist eine Bucht zu sehen
Rosé ist für Weinschorlen so etwas wie der neue Hit. ©Pixabay/Engin_Akyurt

Regionale Spezialitäten

Womit du jetzt für deine Weinschorle Marke Hausmacherart bestens gewappnet bist. Damit sind wir mit dem Thema aber noch nicht ganz durch. Denn schließlich kann man Wein auch noch mit Zitronenlimonade mischen. Das ist dann die Schorle süß, die früher auch gerne mal “Arbeitersekt” genannt wurde. Mit Cola geht das natürlich auch und heißt dann Cola-Schoppen oder “Korea”. In Österreich trifft man da hingegen die beiden Bezeichnungen Cola-rot oder “Bonanza” an. Aber da heißt Weinschorle ja eh Gespritzter oder G’spritzter.

Im hochdeutschen Sprachgebrauch ist Weinschorle übrigens weiblich. Also die Weinschorle. In Baden-Württemberg soll man wohl aber schon mal das Weinschorle sagen. Und die Pfalz besteht auf der Weinschorle. Die Pfälzer sind generell etwas eigen, denn die sprechen die Schorle wie “Scholle” aus. Außerdem ist der Weinanteil bei ihnen deutliche höher. Wird die Weinschorle dann auch noch in einem Schoppenglas (0,5 Liter) serviert, kann es schnell mal gefährlich werden. 😉 Ach, und dann haben die Pfälzer mit dem Persching noch eine ganz spezielle Weinschorlenvariante. Persching bedeutet im pfälzer Dialekt Pfirsich, hat mit dem aber nichts zu tun. Denn hier mischt man Orangenlimonade mit Weißherbst aus der Portugieser-Rebe.

Vier Menschen stoßen mit jeweils einem Colaglas in der Hand miteinander an
Ja, selbst Cola kann für eine Weinschorle verwendet werden. © iStock/undefined undefined

Weinschorle – wer hat’s erfunden?

Mal abgesehen von all den einzelnen regionalen Spezialitäten besteht eine Weinschorle aber meistens tatsächlich nur aus Mineralwasser und Wein. Und vielleicht noch dem ein oder anderen Eiswürfel. Aber obacht! Die verwässern die Weinschorle zusätzlich. Weil das Mischgetränk voll im Trend liegt, findet man es inzwischen auch fix und fertig gemixt in immer mehr Supermarktregalen. Wenn das nicht direkt Winzerware ist, kann man sich relativ sicher sein, dass die Qualität vielleicht nicht ganz so prickelnd ist. Aber wenn wir schon beim Winzer sind … auch Weingüter bieten jetzt verstärkt fertige Weinschorlen an. Vielleicht wäre das ja eine Alternative? Ich bin da ja leider ein wenig wählerisch, weswegen ich wohl immer selbst mixen werde.

Wenn du dich jetzt übrigens fragst, woher der Begriff Schorle eigentlich kommt: keine Ahnung! Es gibt da ein paar sehr unterschiedliche sprachwissenschaftliche Theorien. In Niederbayern tauchte im 18. Jahrhundert erstmals das Wort Schurlemurle für ein Getränk aus Wasser und Wein auf, aus dem dann Schorlemorle wurde. Wovon sich das Wort aber ableitet, ist nach wie vor unbekannt. Im 16. Jahrhundert bezeichnete man in Süddeutschland einen aufgeregten und hektischen Menschen als Schurimuri. Aber auch das niederdeutsche Schurrmurr für Mischmasch könnte der Ursprung sein. Um nur mal ein paar von vielen, vielen unterschiedlichen Wortabstammungstheorien zu nennen. Letztlich ist es ja aber auch herzlich egal. Viel wichtiger ist die Frage, ob so eine Weinschorle im Sommer erfrischt. Und das tut sie. Ob man sie nun mag oder nicht.

Copyright Titelbild: © Deutsches Weininstitut

*Dieser Text wurde weder beauftragt noch vergütet und spiegelt lediglich meine persönliche Meinung wider. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen ausschließlich Service-Zwecken.

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