Hand dreht einen Holzwürfel von 2022 auf 2023 - darunter ist in Holzwürfeln das Wort Trends zu lesen

Weintrends 2023: Was dieses Jahr beim Wein “in” ist

Immer wieder schaut die Weinbranche im Januar in die Glaskugel und guckt was im neuen Jahr im vinophilen Sektor besonders relevant sein könnte. Voilà: die Weintrends 2023!

Es gibt so ein paar Dinge, die bereits seit mehreren Jahren auf der Überholspur sind. Und die dementsprechend auch jetzt wieder zu den Weintrends 2023 gehören. Roséwein zum Beispiel. Spätestens ab April rollt in den Weinfachgeschäften stationär und online wieder die blassrosa Welle an. Und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Denn die Vielfalt an Roséweinen war noch nie derart groß wie jetzt. Klar, es gibt immer wieder Winzer, die einfach nur auf den Zug aufspringen – und letztlich nichts anderes als harmlose “Swimmingpool-Weine” abfüllen und so günstig wie möglich an den Konsumenten bringen. Zu den Weintrends 2023 gehört da aber eindeutig die Gegenbewegung. Nämlich Winzer, die Rosé als Weinfarbe ernst nehmen und charakterstarke Gewächse bereiten, die von ihrer Herkunft erzählen – und die alles andere als beliebig sind. Diese Weine werden 2023 eindeutig im Fokus stehen.

Selbiges gilt übrigens auch weiterhin für Bukettsorten. Allen voran Sauvignon Blanc. Diese Traube ist nach wie vor auf dem Vormarsch. Und zwar nicht nur in Form von neuseeländischen und französischen Weinen. Denn auch Gewächse aus Österreich (vor allem aus der Südsteiermark) und Deutschland sind so gefragt wie nie. Wobei Deutschland auch noch mit der Scheurebe zu den großen Weintrends 2023 gehört, die ja eine recht ähnliche Charakteristik hat. Auch Muskateller könnte in diesem Jahr zum Sommertrend avancieren. Immer mehr Weingüter haben diese fein-aromatische Rebsorte inzwischen auf dem Schirm. Im Herbst schlägt dann vielleicht auch die große Stunde von Gewürztraminer (vorzugsweise aus dem Elsass), der mit seinem würzigen Moschuston perfekt zu Käse in sämtlichen Darreichungsformen (zum Beispiel als Käseplatte, Raclette oder Fondue) bestens passt.

Zwei Paare entspannen in der Küche zu Hause machen einen Toast mit Glas des Weines zusammen
Bukettsorten sorgen auch 2023 für jede Menge Spaß im Glas. © monkeybusinessimages/iStock

Weintrends 2023: Es schäumt gewaltig im Glas

Wenn es um die Weintrends 2023 geht, sollte man auch Schaumweine aller Arten weiterhin auf dem Schirm haben. So sorgte im Dezember 2022 ja erst die Studie der Hochschule Geisenheim, die man gemeinsam mit dem Verband Deutscher Sektkellereien durchzog, für mächtig viel Furore. Man fragte 800 Menschen, wie oft sie im Monat denn Wein trinken würden – und wie oft es sich dabei um einen Schaumwein handelt. So weit, so unspektakulär. Nur war das Ergebnis dann halt eine große Überraschung. Denn Menschen, die ein- bis dreimal im Monat Wein konsumieren, bevorzugen tatsächlich Schaumwein! Falls dich die Studie detaillierter interessiert, findest du hier die dazugehörige Pressemitteilung: klick.

Wenn man sich bei den Sommeliers einmal quer durch die Republik so umhört, bekommt man übrigens detaillierte Informationen. Deutscher Winzersekt wird nämlich immer stärker nachgefragt. Und auch der österreichische Sekt. Die Entwicklung von Champagner dürfte dieses Jahr indes recht spannend werden. Denn pünktlich zum 1. Januar 2023 drehten Häuser wie Winzer kräftig an der Preisschraube. Die Gewächse sind derzeit extrem teuer. Was dann doch vielleicht ein paar Liebhaber vom Kauf abhalten könnte. Zugleich greifen aber auch immer mehr Menschen zu English Sparklings. Die Schäumer von der Insel gehören damit dann auch in diesem Jahr zu den Weintrends 2023. Und noch ein Trend aus 2022 wird sich wohl in den nächsten Monaten fortsetzen. Prosecco Rosé, der im vergangenen Jahr den deutschen Markt erstmals im Sturm eroberte.

Weintrends 2023: Tätowierter Mann hält ein Glas mit Winzersekt
Deutscher Winzersekt ist bei den Weintrends 2023 ganz vorne mit dabei. © DWI

No und Low Alcohol: Weintrends 2023

Langsam aber sicher haben die Weinhändler die sogenannte Generation Z auf dem Schirm. Also Menschen, die derzeit zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Die Weingenießer von Morgen sozusagen. Oder eben auch nicht. Traut man zum Beispiel den erhobenen Daten von YouGov Global Profiles, dann trinken 49 Prozent der Generation Z gar keinen Alkohol. Also knapp die Hälfte. Damit gehen einem natürlich zukünftige Kunden bereits jetzt verloren. Mal ganz davon abgesehen, dass auch bei den anderen Generationen alkoholfreie oder wenigstens alkoholarme Getränke immer häufiger ins Glas fließen. Nämlich bei 46 Prozent aller Deutschen. Der Markt rund um das Thema No und Low Alcohol, wie es so schön neudeutsch heißt, steckt quasi noch in den Kinderschuhen.

Hier ist in diesem Jahr mit einem enormen Angebotswachstum zu rechnen. Schließlich möchte jeder Händler auf den Zug aufspringen, bevor dieser in Windeseile an ihm vorbeirauscht. Alkoholfreie und alkoholarme Getränke gehören eindeutig zu den Weintrends 2023. Wir sollten uns also daran gewöhnen, dass wir beim Weinhändler unseres Vertrauens in diesem Jahr verstärkt Traubenseccos, Verjus und alkoholfreie Weine finden werden. Aber auch Schaumweine aus Obst (allen voran Cidre und Poiré) oder fermentierte Tees wie zum Beispiel Kombucha in vielen unterschiedlichen Variationen.

Rundes Verkehrsschild mit einer durchgestrichenen Weinflasche und dem Hinweis Alcohol free zone auf einer Straße
Alkoholfreie und alkoholarme Weine gehören zu den Weintrends 2023. © Patrik Stedrak/iStock

Nachhaltigkeit: Von bio, vegan und Piwis

Warben Weinhändler vor Kurzem noch mit den Punkten von Robert Parker’s Wine Advocate, Jancis Robinson, James Suckling oder auch Luca Maroni, stehen inzwischen andere Verkaufsargumente im Vordergrund. Immer häufiger findet man Bio- und Vegan-Badges an den Flaschen der diversen Online-Shops. Denn ja, biologische und vegane Weine ziehen bei den Kunden. Wie generell das Thema Nachhaltigkeit. Ein Begriff, der mittlerweile inflationär verwendet wird. Was dann auch der Verbraucher merkt, der ja zum Glück nicht doof ist. Bio und vegan sind fein. Was aber auffällig ist: immer mehr Menschen widmen sich den Weinen von kleinen Erzeugern, suchen nach Nischen und vinophilen Juwelen – und lassen sich nicht mehr ganz so einfach von plumper Werbung verführen. Mit Nachhaltigkeit, bio und vegan kann man also nur noch bedingt den Weinverkauf anregen, wenn man als Händler ausschließlich auf Massenprodukte setzt.

Ein weiteres Thema, das ganz eindeutig zu den Weintrends 2023 gehört, sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die man abgekürzt auch einfach nur Piwis nennt. Denn hier geht es tatsächlich um Nachhaltigkeit. Schließlich müssen Johanniter, Sauvignac, Solaris, Muscaris und Co. weit weniger häufiger gespritzt werden. Das ist gut für die Natur – und schont auch noch den Geldbeutel. Inzwischen gibt es in Sachen Piwis in Deutschland mit Ansgar Galler oder Philipp Wedekind auch Winzer, die waschechte Pionierarbeit geleistet haben. Und von deren Wissen viele andere Winzer profitieren. Sprich: die Qualitäten werden immer besser. Außerdem sind da ja auch noch Eva Vollmer und Hanneke Schönhals, die mit ihren “Zukunftsweinen” eine sehr medienwirksame Weinkollektion auf den Markt gebracht haben. Selbige heimste im Bereich Design übrigens auch schon den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2023 ein. Piwis liegen damit in diesem Jahr ganz eindeutig im Trend.

Marienkäfer sitzt auf einem austreibenden Weinstock - Weintrends 2023
Nachhaltigkeit sollte zeitlos sein, liegt marketingtechnisch aber auch 2023 voll im Trend. © Jürgen Bauer Pictures/iStock

Gehören Verpackungen zu den Weintrends 2023?

Bereits seit ein paar Jahren scheitern Händler immer wieder an dem Versuch, Wein aus dem Vorratskarton populär zu machen. Stichwort Bag-in-Box. Also Weine, die in drei oder mehr Litern großen Plastikschläuchen abgefüllt sind, die dann wiederum in einem Karton verpackt werden. Gezapft wird der Wein aus einem praktischen Hahn. Bag-in-Box-Weine lagert man nicht lange, sondern genießt sie zeitnah. Ideal also, wenn man einen Go-to-Wein hat, zu dem man regelmäßig greift. In der Theorie. In der Praxis ist es bei den meisten Konsumenten leider noch nicht angekommen, dass die Qualität von Bag-in-Box-Weinen inzwischen deutlich gestiegen ist. Qualität. Mit dieser bringt man dann doch eher eine schwere Weinflasche aus Glas und einen Korken gleich. Und eben nicht mit einem Gebinde, das aussieht wie ein überdimensionaler Tetrapack. Dieser gewollte Trend scheiterte 2022 also grandios. Leider. 

Denn mit der Qualität eines Weins haben weder Korken noch Glasflaschen etwas zu tun. Letztere ist dann auch gar nicht so nachhaltig, wie viele Weinliebhaber vielleicht glauben. Klar, die Deutschen sind Weltmeister im Recycling. Der Rest der Welt indes nicht. Mal ganz von dem Energieaufwand, den es braucht, um eine Glasflasche herzustellen, abgesehen. Glas schmilzt schließlich erst ab einer Temperatur von 1.500 Grad Celsius! Soviel also zu Nachhaltigkeit und Recycling. Wobei es nach wie vor viel zu viele, viel zu schwere Weinflaschen auf dem Markt gibt. Hier hält sich ja nach wie vor die Mär, dass Weine besonders hochwertig sind, wenn sie in einer schweren Flasche daherkommen. Was natürlich Blödsinn ist, um es mal ganz deutlich zu sagen.

Apfelsaft wird aus Bag-in-Box in ein Glas gefüllt
Bei Säften ein echter Trend, bei Weinen eher nicht so: Bag-in-Box. © Etienne Voss/iStock

Leichtflaschen und Pfandsysteme

Dieser Meinung ist übrigens auch Jancis Robinson, die sich schon seit Monaten weigert, Weine in besonders schweren Flaschen auf ihren Purple Pages zu bewerten. Und mit Hugh Johnson hat sich ein weiterer Kritiker-Gigant dieser Meinung zeitnah angeschlossen. Derweil diskutiert der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) über die Verwendung von Leichtflaschen, für deren Herstellung man zwar immer noch viel, aber eben weitaus weniger Energie benötigt als bei den besonders schweren Flaschenmonstern. Leichtflaschen sind aber generell einer der Weintrends 2023 – wenn auch beim Winzer denn beim Konsumenten.

In Baden-Württemberg tüfteln Verbände und Winzer derzeit an einem Testversuch für ein Weinflaschenpfandsystem. Ja, ich weiß. Das Thema hatten wir vor vielen Jahren in Deutschland schon einmal. Und es ist grandios gescheitert. Eben weil es zu viele Weingüter gibt, die auf speziellere Formen bauen, um sich optisch besser von der Konkurrenz abzusetzen. Aber: die Zeiten ändern sich. Wir leben jetzt nun einmal in einer Zeit, in der Glasflaschen ein Mangelprodukt geworden sind. Wer erinnert sich nicht an die spätsommerlichen Nachrichten, die voll von nach Hilfe schreienden Weingütern und Genossenschaften waren, die ihren Jahrgang aufgrund von Flaschenmangel nicht abfüllen konnten, obwohl schon die nächste Lese vor der Tür stand? Nicht eben wenige Weinmacher schafften sich Waschanlagen für gebrauchte Weinflaschen an und forderten ihre treue Kunden dazu auf, leere Flaschen zurückzubringen. Mehrwegflaschen könnten da weitere Vorteile bringen. Mal schauen, ob es dieses Mal mit dem Pfandsystem klappt. Falls ja, gehört das definitiv zu den Weintrends 2023. Wobei man es auch wie Winzer Ansgar Galler aus der Pfalz machen kann. Denn der nutzt jetzt das Pfandsystem von Bierflaschen für einen seiner Weine. Spannend! Das gibt dem Thema Mehrweg direkt einen neuen Dreh.

Copyright Titelbild: © ​​Parradee Kietsirikul

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wurde weder beauftragt noch vergütet und spiegelt lediglich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen ausschließlich Service-Zwecken.

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