Hayo Loacker: Südtiroler Terroir-Experte

Winzer Hayo Loacker probiert im Weinkeller einen Rotwein.

Mit Loacker in Südtirol, Corte Pavone in Montalcino und Valdifalco in der Maremma leitet Önologe Hayo Loacker gleich drei renommierte Weingüter in Italien, die allesamt auch noch biodynamisch bewirtschaftet werden. Ein meisterhafter Spagat! Aber wie schafft man das? Ein Porträt.

Wenn Hayo Loacker spricht, dann mit Bedacht. Er weiß um die Wirkung von Worten, wählt sie bewusst, setzt sie gezielt ein. Dabei hat er aber immer dieses sanfte Lächeln auf den Lippen, das ihn als Menschen wohl am besten charakterisiert. Ebenso übrigens, wie seine Bescheidenheit. Der Önologe stellt sich nicht gerne selbst in Vordergrund, sondern möchte, dass seinen Weinen dieser Platz gebührt. Mit drei Weingütern unter seiner Ägide gibt es da viel zu besprechen.

So bewusst und achtsam Hayo Loacker jetzt auch ist und agiert – dass er mal das vinophile Erbe seines Vaters antreten würde, war keine von Anfang an geplante Entscheidung. Als mittlerer von drei Söhnen ist er in den Weinbau einfach reingewachsen. Während sich seine Brüder gerne auch für andere Themen interessierten, zeigte Hayo Loacker bereits als Bub ein geschicktes Händchen für Reben und Weingärten.

Winzer Hayo Loacker kontrolliert die Traubenqualität im Weinberg
Sorgfältig begutachtet Hayo Loacker die Qualität der Trauben ©Tiberio Sorvillo

Hayo Loacker und das Terroir

Ein paar Praktika vor dem Abitur stellten schließlich die Weichen für ein Önologie-Studium. “Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der gerne abseits der bekannten Pfade geht”, gesteht Hayo Loacker. Deswegen studierte er auch weder in Italien noch in Deutschland oder Österreich. Sondern in Frankreich. In Dijon, um genau zu sein. Und da packte sie ihn dann, die Weinleidenschaft. Und zwar sehr nachhaltig. Nicht nur, weil er zusammen mit seinen Kommilitonen viele gute Weine probierte und diskutierte, wie sich der Winzer mit einem Zwinkern erinnert. Denn während des Studiums erschloss sich für Hayo Loacker eine völlig neue Welt, als er in das Thema Terroir eintauchte. Die Herkunft eines Weins schmeckbar machen – das wollte er in Zukunft auch so machen.

Bevor es aber soweit war, folgten Aufenthalte in der ganzen Welt. Zunächst in Frankreich, wo er im Burgund und Bordeaux sein Terroir-Wissen nachhaltig bei Spitzen-Weingütern vertiefte. Aber auch Südafrika und Kalifornien waren Stationen. Bis der Ruf des Vaters erfolgte, es sei Zeit, nach Hause zu kommen. Dieser Ruf kam 1998 nicht ohne Grund, denn Rainer Loacker hatte zusätzlich zu seinem Südtiroler Weingut gerade die Tenuta Corte Pavone in der Toskana erworben. Hier stand Vater und Sohn eine Mammutaufgabe bevor. Nämlich neue Rebflächen anzulegen. Kurze Zeit später kam dann auch noch mit Valdifalco ein weiteres Toskana-Weingut hinzu. Dieses Mal in der Maremma.

Winzer Hayo Loacker kümmert sich im Keller um die Eichenfässer.
Hier kümmert sich der Chef noch persönlich um die Eichenfässer ©Tiberio Sorvillo

Hayo Loacker: “Wir hatten gar keine Zeit für Konflikte.”

“Die Maremma war damals eine aufstrebende Region”, erinnert sich Hayo Loacker. “Wir mussten dort komplett neu anpflanzen. Auf dem Land standen vorher Olivenbäume.” Der eigentliche Plan: den Keller in Montalcino erweitern und dort auch die Trauben aus der Maremma vinifizieren. “Aber als wir 2003 das erste Mal in der Maremma ernten konnten, wurden die Gesetze geändert. Eine Vinifikation in Montalcino war nicht mehr möglich. Also bauten wir für Valdifalco einen eigenen Keller”, erklärt Hayo Loacker.

Das erste Mal arbeitete der junge Önologe Seite an Seite mit seinem Vater, leitete mit ihm zusammen die Geschicke der nun drei Weingüter. Wie bei jedem Generationswechsel taucht da natürlich die Frage auf, ob das reibungslos vonstatten ging. “Wir hatten so viel zu tun, wir hatten gar keine Zeit für Konflikte”, lacht Hayo Loacker. Natürlich sei es damals schwierig gewesen, eigene Ideen umzusetzen, gesteht der Önologe. Es sei schließlich immer schwer, sein Lebenswerk dann auch loszulassen und an die nächste Generation zu übergeben. “Ich merke das ja auch bei mir”, gesteht Loacker. “Wenn meine Kinder eine andere Vorstellung oder Sichtweise haben, dann muss ich mich zurückhalten, da nicht reinzugrätschen.”

Weinkisten aus Holz von Corte Pavone, auf denen drei Gläser mit unterschiedlichen Weinen stehen.
Für hochwertige Brunelli bekannt: Corte Pavone ©Tiberio Sorvillo

Die sieben Crus in Montalcino

2008 zog sich der Vater dann komplett zurück – und Hayo Loacker war für alle drei Weingüter allein verantwortlich. Eine große Verantwortung. Aber auch eine große Chance. Nämlich ein paar der eigenen Visionen umzusetzen. Und genau das tat er dann vor allem bei Corte Pavone in Montalcino. Denn der Terroir-Gedanke hatte Hayo Loacker seit seinem Studium tatsächlich nicht losgelassen. Ebenso wie der burgundische Weinstil. Deswegen nahm er sich das Burgund als Vorbild und begann, Kleinstlagen zu vinifizieren. Inzwischen sind es sieben Crus, denen er diese enorme Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Herzstück ist dabei ganz ohne Zweifel der Brunello di Montalcino Campo Marzio, dessen Sangiovese-Trauben aus einer Rebanlage von 1958 stammen. Dementsprechend intensiv und aromatisch ist der Wein.

Während die Brunelli aus dem einen Cru eher kräuterig sind, glänzen andere mit einer beeindruckenden Salzigkeit. Derart unterschiedliche Brunelli zu vinifizieren, ist auch in der Toskana noch nach wie vor eine sehr hohe Kunst. Was die Brunelli aber zusätzlich besonders macht, ist ihre Eleganz. Momentan frisch auf dem Markt ist ja der Jahrgang 2015. Vielen Brunelli merkt man an, dass sie noch viele Jahre brauchen, um ihr doch noch etwas grobes Tanningewand abzuwerfen. Nicht so beim Corte Pavone Brunello di Montalcino 2015. Der Wein besticht bereits jetzt mit einer seidigen Textur und einer unheimlich eleganten Feingliedrigkeit. Zarte Aromen von Kirschen und eine feine Kräutrigkeit gehen hier Hand in Hand mit einer lebendigen Säuren und schlanken und straff-muskulösen Gerbstoffen. Hier ist nichts kernig oder gar grob, sondern durch und durch aristokratisch. Bereits jetzt ein großer Genuss. Und trotzdem ist der Wein auch für eine kleine Ewigkeit gemacht. Höchst beeindruckend.

Brunello von Corte Pavone vor einer Grünpflanze und mit einem eingeschenkten Glas daneben
Ein wahrhaft aristokratischer Brunello! ©NK/Bottled Grapes

Fruchtige Maremma

Dass hier die ganze Leidenschaft von Hayo Loacker drinsteckt, merkt man übrigens auch, wenn man sich mit ihm unterhält. Zu dem leichten Lächeln auf den Lippen kommt ein Strahlen der Augen. Sein ganzes Wesen scheint sich zu öffnen, während er voller Begeisterung von den unterschiedlichen Böden spricht – und wie diese sich auf einen Wein auswirken. Wobei dieses Feuer immer wieder auflodert, sobald er von seinen Weinen spricht – und wie sie entstehen. Als Önologe kann er die Unterschiede da natürlich bestens auf den Punkt bringen. In der Maremma zum Beispiel sind die Böden zwar fruchtbar und eisenhaltig, aber nicht ganz so tiefgründig und komplex wie rund um Montalcino. Auf ihnen entstehen Weine, die vor allem mit ihrer Frucht überzeugen.

Und in der Tat: der Syrah 2017 von Valdifalco beeindruckt mit einer satten Waldfruchtaromatik. Schmeckt man aber genauer hin, dann findet man auch hier feine Kräuter, eine leichte Mineralik und zarte Noten von Vanille. Dieser Wein ist mit seinen geschliffenen Tanninen ein echter Gaumenschmeichler, den man sich leicht erschließen kann. Dank der wunderbaren Balance und der frischen Säure ist der Syrah aber alles andere als beliebig.

Syrah vom Weingut Valdifalco, daneben ein eingeschenktes Rotweinglas, im Hintergrund eine Grünpflanze
Dieser Syrah ist ein echter Gaumenschmeichler! ©NK/Bottled Grapes

Authentische Weine mit natürlichem Touch

Während es Hayo Loacker in Montalcino und der Maremma also hauptsächlich um die Böden geht, liegt sein Fokus beim Weingut Loacker darauf, den Jahrgang schmeckbar zu machen. “Hier in Südtirol stand seit jeher die Rebsorte im Vordergrund und nicht der Boden”, erklärt der Önologe. Solch eine Tradition zu verändern, benötigt Zeit. Deswegen setzt er hier vor allem auf authentische Weine mit einem natürlichen Touch. Und dazu gehört, dass ein Wein von Jahr zu Jahr auch mal anders schmecken darf. Vor allem, weil – wie auf allen Weingütern von Loacker – konsequent nur mit weinbergseigenen Hefen gearbeitet wird. Etwas anderes würde zu der biodynamischen Bewirtschaftung auch gar nicht passen.

Hayo Loackers Alltag

Drei Weingüter mit derart unterschiedlichen Ausrichtungen zu führen, ist nicht nur ein großer Balance-Akt, sondern kostet auch enorm viel Kraft. Damit sich Hayo Loacker nicht aufreibt, hat er sich ein maßgeschneidertes Team zusammengestellt. “Meine Mitarbeiter müssen in erster Linie erst einmal zu mir passen”, verrät der Önologe. “Ich brauche Menschen, die so für Wein brennen, wie ich; die auch mal weit über die eigentliche Arbeitszeit hinaus bleiben, um ein Problem zu lösen; die über den Tellerrand blicken und vorausschauend arbeiten.”

Lebensmittelpunkt ist für Hayo Loacker das Weingut in Südtirol. Alle zwei Wochen ist er aber auch für ein bis zwei Tage in Montalcino, wo er mit seinem Team Fragen klärt, Probleme löst und die Weine diskutiert. Auch der Kellermeister der Maremma kommt dann immer wieder vorbei. Hier läuft Hayo Loacker in der Regel alle ein bis zwei Monate persönlich auf. Diese Abstände sind so aber nur möglich, weil er weiß, dass er sich auf sein Team hundertprozentig verlassen kann.

Winzer Hayo Loacker mit seinen Brüdern auf Weinkisten sitzend und Wein probierend
Loacker Wine Estates ist und bleibt ein Familien-Betrieb ©Tiberio Sorvillo

Ein Mann mit Visionen: Hayo Loacker

Genau dieses Vertrauen ist es dann auch, das ihm Freiräume gibt, sich auch neuen Projekten zu widmen. Und diese finden nicht ausschließlich in den Weingärten oder im Keller statt. So gab es unlängst erst einen großen Relaunch der Web-Präsenz. Die komplette Seite wurde überarbeitet und neu gegliedert, ist jetzt viel besser bedienbar, sodass man als Weinliebhaber alle Infos, für die man sich interessiert, direkt finden kann. Natürlich hat auch Hayo Loacker da mitgewirkt.

Parallel zum Relaunch der Website gibt es aber noch etwas Neues von Hayo Loacker, mit dem er zeigt, dass er auch bei seinen Weinen nicht ruht. Denn ganz neu im Sortiment ist der Weißwein “Timeless”. “Eigentlich hätte ich den Wein gerne ‘Zeitlos’ genannt”, gesteht Hayo Loacker. “Aber wir müssen bei der Namensgebung ja generell Rücksicht auf den internationalen Markt nehmen. Beim “Timeless” ist der Name übrigens Programm. 2011 vinifizierte Loacker einen Chardonnay und packte ihn ins Holz. In den vergangenen sieben Jahren wurde dieser Wein nach jeder Lese mit frischen Hefen neu geimpft. Quasi eine Vinifizierungs-Jungkur, mit dem Ziel, in Südtirol einen Wein zu schaffen, wie es ihn sonst nur im Burgund gibt. Ein erstaunliches Projekt, das zeigt, wie langfristig Hayo Loacker plant und denkt – und wie geduldig er dabei ist, seine Visionen umzusetzen. Sehr beeindruckend.

Copyright Titelbild: ©Tiberio Sorvillo

*Advertorial. Dieser Text wurde in Auftrag gegeben und vergütet. Er spiegelt trotzdem ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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