Weinkritiker Luca Maroni im Porträt

Italienischer Weinkritiker Luca Maroni betrachtet konzentriert ein Glas mit Rotwein.

Kaum ein Weinkritiker spaltet die vinophile Welt derart wie der Italiener Luca Maroni. Entweder man ist von ihm begeistert – oder belächelt ihn mitleidig. So oder so ist Luca Maroni als feste Größe aus der Weinwelt nicht mehr wegzudenken.

Eigentlich passt zu Luca Maroni die Bezeichnung Weinmensch viel besser als der bloße Titel Weinkritiker. Denn schließlich ist er auch Weinbuchautor und vor allem Weinjournalist. Und zudem noch Weinforscher. Denn auch wenn der 1961 geborene Italiener vor allem für seine legendären 99-Punkte-Bewertungen bekannt ist, die er seit 1993 in seinem Weinführer “Guida dei Vini Italiani” veröffentlicht, sieht er sich selbst eher als vinophilen Universalgelehrten. So wie sein Vorbild Leonardo da Vinci, über den er 2015 eine Biografie veröffentlichte – streng aus dem vinophilen Blickwinkel.

Bei aller Selbstbeweihräucherung, die Luca Maroni gerne mal um seine eigene Person betreibt, so ganz unpassend ist das nicht. Neben zahlreichen Weinbüchern und vor allem hunderten von Weinkolumnen für diverse Magazine ist es unter anderem sein Weinrad, das ihn bekannt gemacht. Also dieses Rad, das sich mit der Synästhesie des Weins beschäftigt und das Gerüche und Aromen in einen Zusammenhang mit Farben und Klängen setzt. Ein hoher Ton ist laut diesem Rad zum Beispiel orange, duftet reif und rund – und schmeckt süß.

Eine Formel für Geschmack

Ein fast leeres Rotweinglas steht auf einer Mauer, im Hintergrund sieht man ein Tal in der Toskana
Bella Italia: Luca Maroni bewertet ausschließlich italienische Weine ©chetanls/Pixabay

Was sich zunächst einmal etwas ungewöhnlich anhört, ist wohl die Summe von Luca Maronis Forschung aus den 1990er-Jahren. Denn in dem Jahrzehnt widmete er sich lange Zeit der Erforschung von chemisch-physikalischen Zusammenhängen, die darüber entscheiden, ob man einen Wein mag oder nicht. Eine Forschung, die er durchaus ernsthaft betrieb und die 1997 in der Veröffentlichung des Buches “Degustare il Vino” gipfelte, das gespickt ist mit Verkostungsformeln und organoleptischen Parametern.

Ob man mit der Lektüre dieses Buches allerdings dem Bewertungssystem von Luca Maroni auf die Schliche kommt, sei dahingestellt, denn er hat sein ganz eigenes Schema entwickelt, mit dem er italienische Weine (nur diese verkostet er!) einordnet. Womit wir jetzt also endlich beim zentralen Thema sind, das zugleich die Grundintention von Luca Maroni zeigt. Denn dem Italiener, der nach seinem Wirtschaftsdiplom 1986 drei Jahre lang mit dem legendären Weinkritiker Luigi Veronelli zusammenarbeitete, kommt es darauf an, die besten Wein für den “normalen” Weingenießer zu finden.

Luca Maronis Bewertungssystem

Rebstockreihen in der Toskana bei Sonnenuntergang
Ob der Wein von diesen toskanischen Rebstöcken auch schon von Luca Maroni bewertet wurde? @alohamalakhov/Pixabay

Um das auch zu schaffen, entwickelte Luca Maroni ein Schema mit 99 Punkten, die sich wie folgt gliedern:

  • Max. 33 Punkte für Konsistenz (gemeint ist Konzentration)
  • Max. 33 Punkte für Ausgewogenheit (Balance)
  • Max. 33 Punkte für Integrität (Reintönigkeit)

Damit unterscheidet sich Luca Maroni stark von seinen Kollegen wie Robert Parker, Jeb Dunnuck oder James Suckling, die auf das 100-Punkte-System setzen sowie von Jancis Robinson oder René Gabriel, die das in Europa übliche 20-Punkte-Schema verwenden.

Luca Maroni und die Geschmacksfrage

Weinkeller mit vielen aufeinander gestapelten Barrique-Fässern
Eichenholznoten von Barriques sind nicht unbedingt Luca Maronis Geschmack ©NauticalVoyager/Pixabay

Hinzu kommt, dass Luca Maroni, obwohl er den Geschmack an sich ja wissenschaftlich erforscht hat, vor allem von seinem eigenen selbigen ausgeht. Der Weinguru aus Italien bevorzugt selbst kraftvolle Weine mit einer dicken und vordergründigen Frucht. Weich und rund und samtig darf er auch gerne sein. Was er gar nicht mag, sind Weine mit zu vordergründigen Tanninen oder viel Säure. Auch Weine mit zu starken Eichenholznoten oder einem buttrigen Touch haben es bei ihm schwer.

Vereinfacht ausgedrückt: Ein Wein soll bei ihm einfach nach dem schmecken, woraus er gemacht wurde. Nach Trauben. Ein fetter, kraftvoller Primitivo, der im Handel um die zehn Euro kostet, kann da schon mal schnell 99 Punkte erreichen. Ein Super-Toskaner aus größtenteils französischen Rebsorten und mit mächtig viel Holz hat es indes bei Maroni sehr schwer.

Luca Maroni: 99 statt 100 Punkte

Rote Weintrauben die an einem Weinstock hängen, im Sonnenuntergang
Kraftvolle Weine mit viel Sonne im Glas werden von Luca Maroni bevorzugt ©felix_w/Pixabay

Wobei Luca Maroni bei der Punktevergabe durchaus recht großzügig ist:

  • 74 – 83 Punkte: zum Kauf empfohlen
  • 84 – 98 Punkte: dringend zum Kauf empfohlen, hochklassig
  • 99 Punkte: der bestmöglichste Wein auf Erden
  • 100 Punkte: sind Gott vorbehalten und werden nicht vergeben

Denn ja, theoretisch hätte Luca Maroni noch diesen einen Zusatzpunkt, den er geben könnte (auch wenn er in seiner Bewertungsskala offiziell nicht vorkommt – aber hey, René Gabriel vergibt ja auch schon mal gerne 21 statt der maximalen 20 Punkte), den er nach eigenen Aussagen aber nicht vergeben wird, solange er noch zu arbeiten und zu bewerten gedenkt: “Sobald ich einem Wein die 100 Punkte gebe, habe ich mein Ziel erreicht und kann aufhören.”

So schnell wird das wohl nicht passieren. Denn Luca Maroni gehört nach wie vor zu den umtriebigsten Weinkritikern, die wir derzeit haben. Über 300.000 Weine soll er inzwischen verkostet haben. Und jedes Jahr im November erscheint die aktuelle Ausgabe von “Guida dei Vini Italiani” mit etwa 10.000 Weinbewertungen. Und das Gute: kennt man Luca Maronis eigenen Geschmack, weiß man als Weinliebhaber auch, ob man sich darauf verlassen kann. Oder nicht. Wer selbst ein großer Fan von kraftvollen und fruchtigen Weinen ist, wird bei hohen Maroni-Punkten wahrscheinlich bedenkenlos zugreifen. Menschen, die lieber feine und filigrane Weine bevorzugen, werden Flaschen mit der berühmten Maroni-Punkte-Plakette eher meiden.

Copyright Titelbild: ©Migliori Vini Italiani

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er wurde von Luca Maroni weder in Auftrag gegeben, beeinflusst oder vergütet, sondern spiegelt lediglich meine persönliche Meinung wider. Alle gesetzten Links sind nicht kommerziell, sondern dienen alleine Service-Zwecken.

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