Ist Säure im Wein eine Gefahr für meine Zähne?

Frau hält großes Foto von ihrem Mund vor ihr Gesicht

Weintrinker haben es schon nicht leicht. Zum einen mutet man seiner Leber mit jedem Schluck etwas zu. Und dann muss man dank der Säure im Wein auch noch auf die Zähne aufpassen. Aber warum eigentlich? Ich habe ein paar Antworten für euch.

Jeder kennt sie: die rötlich-bläulichen Zahnverfärbungen, wenn man mal wieder besonders gerbstoffreiche Weine getrunken hat. Von einem Merlot oder Tempranillo reichen meist nur wenige Schlucke, um die Zähne blau zu machen. Das allein ist allerdings das kleinere Übel, denn tatsächlich ist die Säure im Wein das größere Problem für die Zähne. Womit wir nicht nur beim Rotwein, sondern vor allem auch beim Weißwein wären.

Denn so ein Riesling etwa hat mehr Säure als ein Merlot. Je mehr Wein- und Apfelsäure enthalten sind, desto niedriger der pH-Wert. Im Regelfall ist das ein Wert zwischen 3 und 3,8. Für den Zahnschmelz ist aber bereits ein pH-Wert zwischen 5 und 5,7 kritisch. Wird dieser unterschritten, greifen die Säuren den Zahnschmelz an. Die Folge ist eine chemische Erosion. Laut einer Studie der Universität im australischen Adelaide aus dem Jahr 2015 reichen bereits zehn Minuten Weingenuss, um erste Anzeichen einer Abnutzung des Zahnschmelzes durch die im Wein enthaltenen Säuren nachweisen zu können.

Ein Pärchen auf einer Picknickdecke, das mit einem Glas Rotwein anstößt
In jedem Wein findet sich Säure ©pexels/Pixabay

Säure im Wein: Mit Zucker keine gute Kombi

Und nein, ihr müsst jetzt nicht gleich vor Schreck das Weinglas für immer hinstellen. Denn schließlich enthalten auch seeeeehr viele andere Lebensmittel verschiedenste Säuren, die allesamt zu Zahnerosion führen können. Vor allem Limonaden sind da besonders tricky, denn sie enthalten neben Säure auch noch sehr viel Zucker. Die Säure greift den Zahnschmelz an, während der Zucker ein idealer Nährboden für Bakterien und damit für Karies ist.

Eine etwas unglückliche Kombi also, die man aber auch bei Weinen findet. Stichwort Riesling Kabinett. Hier fällt aufgrund der Restsüße die Säure im Wein oft gar nicht so doll auf. Und mal ehrlich: es ist doch besonders schön, solch einen herrlich saftigen und schmeichlerischen Riesling Kabinett genussvoll durch den Mund rollen zu lassen.

Frau mit freudig aufgerissenem Mund und sehr schönen Zähnen
Mundhygiene ist Pflicht – nicht nur wegen der Säure im Wein ©ivanovgood/Pixabay

Wasser trinken für die Mundhygiene

Als Otto Normalverbraucher muss man damit auch nicht aufhören. Um die Zähne aber vor der Säure zu schützen, empfiehlt es sich, den Mund während des Genusses regelmäßig mit Wasser auszuspülen, denn es neutralisiert den pH-Wert im Mund. Wobei ihr da das Wasser nicht ausspucken müsst. 😉

Noch wichtiger wird diese regelmäßige Wasserspülung, wenn ihr einen Verkostungsabend macht. Regelmäßige Wasserzufuhr ist da ja eh sehr wichtig, damit ihr eurem Körper genügend Flüssigkeit zuführt. Wenn ihr jetzt einfach das Wasser im Mund ein-, zweimal zwischen die Zähne zieht, bevor ihr es runterschluckt, dann habt ihr schon viel für eure Mundhygiene getan und der Zahnschmelzerosion ein wenig Einhalt geboten.

Gelbe Zahnbürste mit gestreifter Zahnpasta drauf
Zähne bitte erst 30 Minuten nach dem letzten Gläschen Wein putzen ©stevepb/Pixabay

Zähne putzen: Aufs Timing kommt es an

Wer jetzt denkt, dass man seine Zähne am besten vor der Säure im Wein schützt, indem man sie direkt nach dem Weinkonsum putzt, der ist leider auf dem Holzweg. Denn durch die Säure ist der Zahnschmelz erst einmal angegriffen. Schrubbt man da dann gleich mit einer Bürste drüber, trägt man den Zahnschmelz direkt weiter ab. In der oben genannten Studie wird deswegen sogar empfohlen, nach einem Weinabend komplett auf das Zähneputzen zu verzichten.

Zahnärzte widersprechen dem aber inzwischen und predigen die 30-Minuten-Regel. Sprich: warte nach dem letzten Glas mindestens 30 Minuten, bevor du dir die Zähne putzt. Denn dann hat dein natürlicher Speichelfluss genügend Zeit, um die Säure im Mundraum eigenständig abzubauen und den pH-Wert zu neutralisieren. Wer dann noch Wasser trinkt und damit spült, unterstützt den ganzen Prozess. Zusätzlich sind bei regelmäßigem Weinkonsum auch Zahnpasten mit Calcium, Phosphat und Fluorid ratsam, die den Zahnschmelz stärken und schützen. Denn wenn der erstmal weg ist, dann ist er auch weg. Natürlich gibt es inzwischen auch Zahnpasten, die künstlichen Zahnschmelz “draufputzen”, aber ein Ersatz für das natürliche Material sind sie nicht.

Zahnarzt bei der Behandlung - Säure im Wein
Wenn die Säure im Wein die Zähne angreift, kann nur noch der Zahnarzt helfen ©drshohmelian/Pixabay

So schützt du deinen Zahnschmelz vor der Säure im Wein

Gerade wenn ihr wisst, dass ihr in nächster Zeit viel Wein, vielleicht sogar viel Riesling trinken werdet, weil ihr zum Beispiel einen Weinurlaub an der Mosel machen möchtet, ist es ratsam, sich vorher schon um die Stärkung des Zahnschmelz zu kümmern – und während der weinreichen Tage besonders auf die richtige Mundhygiene zu achten:

  • so oft wie möglich nach einem Schluck Wein Wasser trinken
  • regelmäßig den Mund mit Wasser ausspülen
  • nicht sofort die Zähne putzen, sondern mindestens 30 Minuten warten
  • Zahnpasta mit Calcium, Phosphat und Fluorid verwenden

All diese Tipps sind natürlich nur bei einem normalen Weinkonsum nützlich. Wer zum Beispiel als professioneller Bewerter oder Einkäufer 30 oder mehr Weine an einem Tag verkostet, der kann noch so viel Wasser trinken und Zahnpasta verwenden, die den Zahnschmelz härtet – die Säure im Wein greift aufgrund der Menge trotzdem die Zähne an. Vor allem, weil man beim professionellen Verkosten den Wein zwar nicht schluckt, ihn dafür aber besonders intensiv über Zunge und Gaumen rollen lässt. Vielleicht wart ihr ja mal an der Mosel und habt dort Weinurlaub gemacht. Erinnert euch daran, wie sich eure Zähne nach drei oder vielleicht sogar fünf intensiven Verkostungstagen angefühlt haben: stumpf, stumpfer, am stumpfesten. Genau mit dieser Problematik haben professionelle Verkoster zu tun. Und zwar jeden Tag. Da hilft nach ein paar Jahrzehnten im Job auch der beste Zahnarzt nichts mehr. Die Schattenseite des doch so offenkundigen Traumjobs. 😉

Copyright Titelbild: ©grealt/Pixabay

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt auch garantiert nicht das Zähneputzen oder den regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen alleine Service-Zwecken.

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