Rubin Carnuntum: Eine Gebietsmarke erobert die Welt

Kapsel des Weins Rubin Carnuntum

100 Prozent Zweigelt, 100 Prozent Carnuntum. Das ist die Formel hinter dem Rubin Carnuntum, der inzwischen von mehr als 40 Weingütern vinifiziert wird. Schauen wir uns diese besondere Gebietsmarke mal etwas genauer an.

Die Carnuntum-Winzer halten zusammen. Miteinander statt gegeneinander wird dort ganz groß geschrieben. Das war auch schon so, lange bevor man sich gemeinsam auf die DAC-Bestimmungen im Jahr 2019 einigte. Und auch schon vor 1993, als das niederösterreichische Carnuntum endlich auch offiziell eine eigenständige Weinregion wurde. Obwohl der Rubin Carnuntum wohl bis heute am besten diesen speziellen Zusammenhalt versinnbildlicht, war er nicht die erste Gebietsmarke, die die Winzer aus dem Carnuntum gemeinsam ins Leben riefen.

Denn die entstand bereits 1987, als sich die rund 60 Mitglieder des Vereins zur Förderung des Weinbaugebietes Carnuntum dazu entschlossen, den sogenannten Primus Carnuntum abzufüllen. Voraussetzung zur Teilnahme war, dass jedes Mitglied den erforderlichen Mindestmostgradationswert von 16° Klosterneuburger Mostwaage erreichte und mindestens 200 Kilogramm Trauben produzierte. Ein Zusammenschluss von mehreren Winzern zur gemeinsamen Vinifizierung eines Primeurweins gab es damals in dieser Form in ganz Österreich noch nicht. In den Anfängen der Primus Carnuntum -Produktion wurden die Trauben aller Produzenten zum Weingut Pitnauer geliefert und dort verarbeitet. Einfach, weil Hans Pitnauer damals die meiste Erfahrung besaß. Seit 1994 gibt es die Alternative, Primus Carnuntum selbst zu keltern. Dies wird vom Großteil der heute 50 Vereinsmitglieder wahrgenommen.

Das Heidentor in Carnuntum Petronell
Das berühmte Heidentor ziert die Weine ©Robert Herbst/Rubin Carnuntum Weingüter

Primus Carnuntum im Detail

“Der Erste” zu sein für den Primus Carnuntum, ist für die Winzer keine Frage des Lesetermins, sondern der physiologischen Reife. Primus Carnuntum ist ein weißer Kabinettwein mehrheitlich aus gebietstypischen Grüner Veltliner-Trauben gekeltert, aber auch mit anderen Rebsorten cuvetiert. Eine strenge Mengenkontrolle und Jury-Verkostung garantieren einen hohen Qualitätsstandard. Durch die Verwendung der Sorte Grüner Veltliner behält der Primus Carnuntum bei richtiger Lagerung seine jugendliche Reife über den nächsten Jahrgang hinaus. Dies ist für einen Primeur-Wein eine ausgesprochene Rarität. Seit 2002 stellt der Verein übrigens allen Winzern ein einheitliches Etikett zur Verfügung, das vom niederösterreichischen Künstler Gottfried Laf Wurm gemalt wurde.

Nun ist der Primus Carnuntum ein Weißwein. Aber von je her gab es im Carnuntum eine Rebsorte, die die Region noch mehr versinnbildlichte, als jede andere sonst: der Zweigelt. Böden wie Klima des Carnuntums sind für diese Rebsorte einfach ideal. Da lag es nahe, auch mit dem Zweigelt eine Gebietsmarke zu kreieren. Womit wir jetzt endlich beim Rubin Carnuntum wären.

Winzer und Winzerinnen der Rubin Carnuntum Weingüter
Die Menschen hinter den Rubin Carnuntum Weingütern ©Tom Lamm/Rubin Carnuntum Weingüter

Geschichte der Rubin Carnuntum Weingüter

1992 gründeten 25 Winzer den Verein der Rubin Carnuntum Weingüter, der unter dem Präsidenten Robert Payr inzwischen auf über 40 Mitglieder angewachsen ist. Was aber macht denn nun einen Rubin Carnuntum genau aus? Hier die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Er besteht zu 100% aus Zweigelt
  • Die Trauben müssen ein Mindestmostgradationswert von 18° Klosterneuburger Mostwaage haben
  • Der Mindestalkohol beträgt 12,5%
  • Biologischer Säureabbau ist obligatorisch
  • Ausbau im Holz

Wer dank der Reifung im Holz an fette Wuchtbrummen denkt, der sei an dieser Stelle beruhigt. Alle Weine wurden tatsächlich sehr sanft vom Holz geküsst. Sie sind dadurch griffiger und haben mehr Tiefe, bestechen aber zugleich mit ihrer typischen Kirsch-Fruchtigkeit. Hinzu kommt dann noch ein mehr als faires Preis-Genuss-Verhältnis.

Logo der Rubin Carnuntum Weingüter
Logo der Rubin Carnuntum Weingüter ©Rubin Carnuntum Weingüter

Individueller Zweigelt

Bei der Gebietsmarke handelt es sich also um reinsortige Weine mit gebietstypischem, zartfruchtigen Bukett und samtigen Tanninen. Nur jene Weine, die den strengen Qualitätskontrollen und den Anforderungen einer alljährlichen Jury-Verkostung standhalten, dürfen die Bezeichnung Rubin Carnuntum exklusiv auf dem Etikett tragen. Zur Steigerung des Wiedererkennungswertes wird der Wein außerdem in einheitliche Flaschen gefüllt, mit einem genormten Rückenetikett-Text und dem Heidentor auf der Kapsel versehen. In den Anfängen war der Rubin Carnuntum übrigens nicht immer unbedingt ein Zweigelt. Auch Blaufränkisch war gestattet. Allerdings setzte sich Zweigelt als gebietstypische Rebsorte sehr schnell sehr endgültig durch.

Bei allen Normen, die diese Gebietsmarke mit sich bringt, bestechen die Weine doch durch ihre Individualität. Ob nun Michaela Riedmüller, Claus Dietrich, Meinrad Markowitsch, Hans und Christine Netzl, Weingut Artner oder Auer, das Weingut Edelmann oder Gerhard Markowitsch (um nur mal einige der äußerst vielfältigen Rubin Carnuntum Weingüter zu nennen). Sie alle machen einen höchst eigenständigen Rubin Carnuntum und tragen doch mit ihrer Individualität zu einem großen “Wir” in der Wahrnehmung des Carnuntums bei. Das ist ein enorm großer Wiedererkennungswert, den die Winzer auch nach Einführung des Carnuntum DAC nicht aufgegeben haben. Zum Glück.

Copyright Titelbild: ©Michael Stelzhammer/Rubin Carnuntum Weingüter

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss der Rubin Carnuntum Weingüter und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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