Weingut Dietrich: Langlebige Weine aus Petronell-Carnuntum

Winzer Claus Dietrich vom Weingut Dietrich in Österreich

Im Vergleich zur Gesamtfläche des Mischbetriebs mag die Rebfläche vom Weingut Dietrich mit 7 Hektar recht klein sein. Das ändert aber nichts daran, dass sie bei Claus Dietrich, der sich in fünfter Generation mit großem Geschick und noch größerer Hingabe um die Weine kümmert, einen enorm hohen Stellenwert hat.

Mischbetrieb. Mancher Weinsnob rümpft da immer noch gerne mal die Nase. Das ist ja so, als hätte man zwei Jobs und könne oder wolle sich gar nicht entscheiden, was man eigentlich machen möchte. Oder als würde man seine Passion nicht nur auf eine Sache, also eben auf DIE Sache konzentrieren, sondern eben nur mit halbem Herzen. Dass das allerdings so gar nichts mit der Realität zu tun hat, kann man beim Weingut Dietrich im Carnuntum bestens sehen.

Denn auf die 75 Hektar Landwirtschaftsbetrieb kommen gerade einmal 7 Hektar Rebfläche. Trotzdem fließt fast das gesamte Herzblut von Claus Dietrich in den Wein, wie er selbst verrät: “Ackerbau betreiben wir nach wie vor, dies ist für uns ein schöner Ausgleich zur händischen Weingartenarbeit.” Früher hatte der Vater auch noch Viehwirtschaft. So wie es in der Gegend eben üblich war. Inklusive Hofschlachtung. Vor 25 Jahren war Schluss damit, weil es sich einfach nicht mehr rentierte. Und zu so einem Mischbetrieb gehörten im Carnuntum halt auch immer Weinreben.

Blick in die Reben vom Weingut Dietrich
Ein Blick in die Reben ©Weingut Dietrich

Wenn der Wein zum Hauptberuf wird

Und obwohl Claus Dietrich seine landwirtschaftliche Fläche nicht missen möchte, haben es ihm diese Weinreben schon immer besonders angetan. Deswegen hat er nicht nur einen Abschluss in Lebensmitteltechnologie, sondern eben auch im Bereich Weinmanagement. Außerdem ging es nach seinem Schulabschluss für ihn nach Australien. Ins Hunter Valley, um genau zu sein. Dort half er eine Saison bei der Lese, was seine Wein-Leidenschaft noch verstärkte – zumal er schon damals sein Talent bewies: “Da der Winemaker sehr zufrieden war, durfte ich zu meiner Freude bei der Weinherstellung überall mitwirken und nicht nur Tanks waschen.”

Dieses Talent erkannte aber nicht nur der australische Winzer, sondern auch Claus Dietrichs Vater. “Seit 2000 mache ich Wein. Die ersten drei Jahre nach der Schule mit meinem Vater. Er hat aber rasch gemerkt, wie sehr mir das Weinmachen Freude bereitet und hat mir sehr bald freie Hand gelassen”, erzählt er mit einem gewissen Stolz. Trotzdem dauerte es noch fünf Jahre, bis er in den Betrieb und damit auch beim Weingut Dietrich Vollzeit einstieg und nicht noch nebenbei beim Weingut Netzl in Göttlsbrunn oder in einer Wiener Vinothek arbeitete.

Claus Dietrich, der Lagen-Flüsterer

Obwohl Claus beim Weingut Dietrich also per se schon machen konnte, was er wollte, führte er mit der Übernahme im Jahr 2005 ein paar Änderungen ein. So baute er zum Beispiel erstmals Rebsorten und auch Lagen einzeln aus, wodurch die Weine präziser wurden. Außerdem fing er an, Weißweine in kleinen Fässern und gekühlt zu vergären. Vor zehn Jahren wurden zudem die drei Erdkeller in der Kellergasse zu klein, weshalb Claus Dietrich seit zehn Jahren jetzt einen Keller direkt am Familienhof hat, den er direkt seinen Bedürfnissen anpasste. So kann der Keller etwa mit einem Gabelstapler befahren werden. Und die Kühlung der Tanks etc. lässt sich per Computer steuern.

Holzfässer im Weinkeller vom Weingut Dietrich im Carnuntum
Die Rotweine werden inzwischen alle im Holz ausgebaut ©Weingut Dietrich

Darüber hinaus gelang es Claus Dietrich, Weingärten in sehr guter Lage am Spitzerberg und am Pfaffenberg zu bekommen. Für ihn optimal, um die unterschiedlichen Charakter dieser Lagen herauszuarbeiten: “Es ist interessant und spannend, wie sehr die gleichen Weinsorten im Umkreis von 15 Kilometern in den verschiedenen Lagen andere Weinstilistiken entwickeln.” Denn obwohl auf dem Weingut Dietrich die modernste Kellertechnik genutzt wird, ist eines für den Winzer ganz klar: “Die Weinqualität entsteht im Weingarten.”

Weingut Dietrich soll Familienbetrieb bleiben

Und genau deswegen ist Claus Dietrich mit der derzeitigen Größe seines Weinguts recht zufrieden. “Bei den Weingärten möchte ich noch die eine oder andere gute Lage dazu, wobei mein Bestreben nicht ist, ein Großweingut zu werden. Wenn es möglich ist, möchte ich ein Familienweingut bleiben, wo man jeden Weinstock mehrmals im Jahr persönlich betreut”, verrät der Winzer aus dem Carnuntum. Er und seine Familie bewirtschaften die Rebflächen zwar konventionell, nutzen dafür aber keine Insektizide und spritzen auch nur, wenn es nötig ist.

Ansonsten wird das ganze Jahr über auch viel händisch gearbeitet. Damit die Trauben gesund heranwachsen und ihren eigenen Charakter entfalten können. “Jeder Jahrgang schmeckt etwas anders, dies bleibt bei uns spürbar. Ich möchte die Weine nicht mit modernen Hightech-Geräten aufkonzentrieren oder verändern.” Die nötige Technik dafür hätte er. Trotzdem verzichtet Claus Dietrich darauf. Ebenso übrigens wie auf Reinzuchthefen. Schließlich soll ja der ureigene Charakter des Weins erhalten bleiben.

Porträt vom Winzer Claus Dietrich aus dem Carnuntum in Österreich
Claus Dietrich ist Winzer aus Leidenschaft ©Weingut Dietrich

Der Weinstil vom Weingut Dietrich

So wie etwa bei seinem Blaufränkisch Ried Spitzerberg 2017, der mich persönlich sehr beeindruckt hat. Wegen seiner intensiven Eleganz, wegen seiner feinen Balance. Hier gehen satte Kirschfrucht und feine Tannine Hand in Hand und vereinen die beiden Geschmacks-Seiten des Carnuntums miteinander: Auf der einen Seit halt das Feine, das Filigrane. Auf der anderen Seite aber eben auch die satte Fruchtigkeit. Die meisten Rotweine aus dem Carnuntum sind entweder das eine oder das andere. Dieser Blaufränkisch ist beides. Und so ist es dann auch bei allen anderen Weinen vom Weingut Dietrich – vom Grünen Veltliner über den Welschriesling und Sauvignon Blanc bis hin zum Zweigelt, St. Laurent und Merlot. Und eben dem Blaufränkisch.

Diese feine Vollmundigkeit garantiert aber auch ein sehr gutes Lagerpotenzial – und das wiederum hat etwas mit dem persönlichen Geschmack von Claus Dietrich zu tun, wie er verrät: “Mir gefallen Weine, die längerlebig sind.” Das sind seine Weine allemal. Aber man kann sie auch jung sehr gut genießen. Darin liegt halt die große Kunst. Und die lernt man nur zu beherrschen, wenn man zum einen genügend Talent mitbringt. Zum anderen muss aber auch die Leidenschaft vorhanden sein. Ohne die können solche unaufdringlichen und höchst tiefsinnigen Weine nämlich nicht entstehen. Und das geht eben auch in einem Mischbetrieb. Das Weingut Dietrich ist da der beste Beweis.

Copyright Titelbild: ©Weingut Dietrich

*Dieser Text entstand mit Wissen des Weinguts Dietrich, aber ohne dessen Einfluss. Er wurde weder beauftragt noch vergütet, sondern spiegelt meine eigene Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen ausschließlich Service-Zwecken.

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