Weinstein: Was ist das eigentlich?

Oranger Weinstein-Kristall im Detail

Jeder Weinliebhaber kennt die (mehr oder weniger) kleinen Kristalle, die sich in der Flasche oder am Korken absetzen: Weinstein. Aber was ist das denn nun genau? Und vor allem: Wirkt sich Weinstein auf die Qualität oder den Geschmack eines Weins aus?

Klare Fragen, kurze Antworten: Nein! Weinstein beeinträchtigt weder den Geschmack eines Weins noch sind die Kristalle ein Zeichen von minderer Qualität. Und nein, sie sind auch kein Indiz dafür, dass ein Wein besonders alt ist. Holen wir also etwas aus und steigen tiefer in die Materie ein.

Weinstein entsteht, wenn sich Mineralien und Salze wie zum Beispiel Kalium und Kalzium aus dem Wein mit Weinsäure verbinden. Wobei diese Salze auch aus der Weinsäure selbst stammen können. Klingt kompliziert, ist aber so. Jedenfalls ist es eigentlich total normal, dass sich Mineralien und Salze lösen und mit der Weinsäure reagieren. Oft bekommt man das als Weintrinker aber gar nicht mit, weil halt alles in gelöster, also in flüssiger Form vorkommt. Das ändert sich erst, wenn die Temperaturen sinken. Wie zum Beispiel bei der Weinlagerung. Dann fügen sich die Mineralien und Salze zu Kristallen zusammen und lagern sich ab.

Wieviel Weinstein hat ein Wein?

Je nach Lagerposition findet man diese Kristalle dann am Flaschenboden oder am Korken. Ob sich Weinstein-Kristalle bilden, hat übrigens nichts mit der Länge der Lagerung zu tun. Man kann sie nämlich auch schon in den Fässern finden, in denen der Wein vergoren oder auch ausgebaut wurde.

Ob sich Kristalle bilden, hängt mit dem Wein selbst zusammen. Nämlich mit dem Alkoholgehalt und dem Jahrgang. Einige Weine haben halt besonders viele Salze und können dementsprechend mehr Kristalle bilden. Über die Jahre kann Weinstein deswegen tatsächlich “wachsen”, die Anlage dafür muss aber von Anfang an gegeben sein.

Kleine Kristalle an einem Weinkorken
Irgendwie auch schön: Weinstein-Kristalle an einem Korken ©Oliver Zimmer, Michael Marmitt/Wikimedia Commons

Wie eingangs erwähnt, verändert sich der Geschmack eines Weins durch Weinstein nicht. Allerdings hinterlassen die manchmal recht scharfkantigen Kristalle kein schönes Gefühl im Mund. Zum Glück kann man sie aber mit bloßem Auge recht gut erkennen. Vor allem, wenn sie sich am Korken abgesetzt haben. Dann bitte einfach den Wein einmal vorsichtig dekantieren, damit ihr ihn in Ruhe genießen könnt.

Nicht verwechseln mit dem Depot!

Was gerne als Weinstein bezeichnet wird, aber eigentlich eine andere Form der Ablagerung ist: Depot. Bei besonders extraktreichen Weinen mit vielen Farb- und Gerbstoffen, wie zum Beispiel einem Shiraz aus dem australischen Barossa Valley, flocken selbige im Laufe der Lagerungsjahre aus und setzen sich am Flaschenboden ab. Voilà: das Depot.

Auch dieses ist kein Qualitätsmakel und schmälert nicht den Geschmack, sondern lediglich das Mundgefühl. Vor allem, wenn man mächtig viel Depot im Glas hat, nicht darauf achtet und den letzten Schluck nimmt – ihr kennt das vielleicht. Hier hilft ebenfalls ein vorsichtiges Dekantieren.

Weinstein in einer Flasche mit Weißwein
Weinstein im Weißwein ©KaHe/Wikimedia Commons

Weinstein kann auch nützlich sein

Aber kommen wir noch einmal zurück zum Weinstein. Denn dieser sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch nützlich. Ob im Backtriebmittel (man kann ihn mit Natriumhydrogencarbonat in einem Verhältnis von 2:1 mischen und als Backpulver nutzen), zur Stabilisierung von Eischnee oder Schlagsahne oder aber sogar als natürliches Abführmittel – Weinstein findet in vielen unterschiedlichen Bereichen Verwendung. Ach ja, mithilfe von Weinstein kristallisiert Zuckersirup nicht so schnell. Und gekochtes Gemüse verfärbt sich weniger. Nicht zu vergessen, dass aus Weinstein dann auch wieder Weinsäure hergestellt werden kann. Der Kreislauf der Natur eben.

Also, wenn ihr das nächste Mal eine Weinflasche öffnet und die kleinen glitzernden Kristalle seht, dann wisst ihr jetzt, dass mit eurem edlen Tropfen alles in Ordnung ist und ihr ihn im Zweifelsfall nur vorsichtig von dem Weinstein trennen müsst. In diesem Sinne: Prost!

Copyright Titelbild: ©Hans Braxmeier/Pixabay

*Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt allein meine Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen alleine Service-Zwecken.

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