Comic von einer weiblichen und einer männlichen Hand, die sich mit einem Glas Rotwein zuprosten

Wein-Fortbildung: 5 Möglichkeiten für noch mehr Weinwissen

Möchtest du wie ein Profi Wein verkosten können? Oder hast du Lust, dir die Weinwelt auch theoretisch zu erschließen? Vielleicht möchtest du auch einfach ganz locker und quasi nebenbei etwas lernen? Ich fasse hier mal die besten Wein-Fortbildungen für Weinliebhaber zusammen. Da ist für jedes Wissenslevel etwas dabei.

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Wenn du dich zum Sommelier ausbilden lassen möchtest, dann ist dieser Text nichts für dich. Zu diesem Thema schreibe ich irgendwann mal einen eigenen Beitrag. Hier spielt diese spezielle Wein-Fortbildung keine Rolle. Es gibt zwar immer mehr Hobby-Weinliebhaber, die sich für die Sommelier-Ausbildung interessieren, die dann aber nie am Gast arbeiten. Was dann ja irgendwie schon ein wenig sinnlos ist. Für Menschen, die einfach nur ihr Weinwissen locker vertiefen, ihre sensorischen Fähigkeiten schulen oder aber systematisch mehr über Wein lernen möchten, gibt es schließlich genügend andere fundierte Wein-Fortbildungen. Und genau diese drösel ich jetzt für dich auf. Wir beginnen mit den reinen Liebhaber-Möglichkeiten und steigern uns dann immer mehr in Richtung Profi-Liga, falls du vielleicht damit liebäugelst, jobtechnisch in die Weinbranche wechseln zu wollen.

Deutsches Weininstitut: Wein-Fortbildung für alle

Wer einen genaueren Blick auf das Angebot vom Deutschen Weininstitut (DWI) in Bodenheim wirft, stellt schnell fest, dass das Angebot riesig ist. Kein Wunder. Den deutschen Wein im eigenen Land sowie im Rest der Welt populär zu machen, ist schließlich die Aufgabe dieser Institution. Bereits für private Weinliebhaber, die locker und unterhaltsam ihr Wissen vertiefen möchten, gibt es diverse Wein-Fortbildungen. An jedem ersten Donnerstag im Monat findet zum Beispiel die Online-Seminar-Reihe WeinEntdeckerWissen statt. Nachdem man während der Pandemie brav alle deutschen Weinanbaugebiete abgearbeitet hatte, widmet man sich hier inzwischen Themen wie internationale Rebsorten, Grauburgunder, Piwis oder auch Wein & Grillen.

Frau verkostet während einer Wein-Fortbildung konzentriert vier Rotweine und macht sich Notizen
Bei so gut wie jeder Wein-Fortbildung gehört das Verkosten dazu. © IL21/iStock

Die Teilnahme ist kostenlos. Wer mitverkosten möchte, kann eines der von unterschiedlichen Händlern angebotenen Tasting-Pakete bestellen. Aber Achtung: Bei einigen davon sind die Preise – vor allem die Versandkosten – schon mehr als sportlich. Da fährst du oft besser, wenn du dir auf eigene Faust die Weinstile, die man an dem Abend verkostet, beim Händler deines Vertrauens besorgst. Welche Stile das sind, steht immer in der Seminar-Beschreibung mit drin.

DWI-Seminare vor Ort für Laien und Profis

Für private Weinliebhaber bietet das DWI auch zwei unterschiedliche Wein-Fortbildungen vor Ort in Bodenheim an. Sowohl das Weingenießer/innen-Seminar wie auch das Degustationsseminar sind Workshops, die einen kompletten Tag dauern. Ganz ehrlich? Kann man machen, muss man aber nicht. Da sind Abendveranstaltungen beim Weinhändler des Vertrauens vielleicht doch etwas interessanter. Auch die 200 Seminare, die das DWI jährlich für Weinprofis anbietet, kann man gerne mal etwas kritischer betrachten.

Klar, es kann schon schön sein, wenn man sich „Anerkannter Berater für Deutschen Wein“ nennen darf. Aber ob man in eineinhalb Tagen so viel über deutsche Gewächse in dieser Wein-Fortbildung lernt, um da richtig in die Tiefe gehen zu können, sei mal dahingestellt. Wobei das DWI mit dem „German Wine Professional“ vor ein paar Jahren dann endlich mal eine längere Wein-Fortbildung mit echtem Nutzen kreiert hat. Die Teilnehmerzahl ist streng limitiert, der Kurs immer ausgebucht. Das macht Hoffnung.

Mann und Frau verkosten gemeinsam drei Weißweine blind
Gemeinsam lernt es sich oft besser. © IL21/iStock

PAR®: Wein-Fortbildung für die Sinne

Seit 2021 bietet Martin Darting mit der PAR®-Ausbildung eine Wein-Fortbildung an, die sich komplett auf die Entwicklung der sensorischen Fähigkeiten konzentriert. Sprich: Deine Nase und dein Gaumen werden hier so geschult, dass du besser und vor allem sicherer verkosten kannst. „Das erworbene Tiefenwissen aus den jeweils dreistufigen Lehrgängen zum PAR® Certified Expert und Master ermöglicht es den Absolventen, Qualität objektiv und nachvollziehbar einzuschätzen und Weine verständlich zu beschreiben“, heißt es dementsprechend auch in der offiziellen Pressemitteilung dieser Wein-Fortbildung.

Tatsächlich geht es aber auch noch um mehr. Denn Weinbau und Önologie sind hier auch Themen. Und ganz ohne Theorie geht es halt auch beim Verkosten nicht. Man darf ja ruhig mal wissen, warum man schmeckt, was man schmeckt. Eigentlich richtet sich diese Wein-Fortbildung gezielt an Winzer, Gastronomen und Händler. Ich kenne aber auch genügend Privatmenschen, die die Kurse mit großer Begeisterung absolviert haben. Wenn du übrigens schon Vorerfahrungen hast, kannst du bei PAR® auch durchaus ein Level überspringen. Dafür gibt es einen kostenlosen Online-Einstufungstest. Finde ich sehr sympathisch.

Klassiker: Wine and Spirit Education Trust

Wenn es um Wein-Fortbildung geht, dann ist die vierstufige Ausbildung des Wine and Spirit Education Trust (WSET) ohne Frage der ganz große Klassiker. 1969 in London gegründet, hat der Trust dort nach wie vor seinen Sitz, aber er bietet die Kurse dank Lizenzausgabe inzwischen weltweit an. Und genau das ist halt der große Vorteil dieser Wein-Fortbildung: Sie ist global genormt. Level 1 ist tatsächlich eher etwas für Anfänger, die ein wenig Sicherheit in Sachen Verkostung und Weinwissen erhalten möchten. Level 2 widmet sich den Basics – und man bekommt einen soliden Einblick in die Weinwelt. Während es im Level 2 eher darum geht, das “Wie” zu ergründen, beleuchtet man in Level 3 vor allem das “Warum”. Also warum schmeckt ein Riesling aus Australien so anders als einer aus Deutschland? Um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Teilnehmer*innen einer Wein-Fortbildung mitten im Seminar beim Verkosten
Präsenz-Veranstaltungen ergeben bei Wein-Fortbildungen durchaus Sinn. © IL21/iStock

WSET Diploma oder Weinakademiker?

Mit dem Level 4 erwirbt man dann auch nach erfolgreicher Prüfung das sogenannte Diploma. Hier wird es dann noch differenzierter und komplexer. Während man die ersten drei Level in der jeweiligen Landessprache machen kann, gibt es die Wein-Fortbildung WSET Level 4 ausschließlich in Englisch – und auch nur bei wenigen Anbietern. Immer wieder steht das doch recht starre Verkostungsschema in der Kritik. Und ja, ich mag es auch nicht besonders.

Ich weiß allerdings das extrem logische und kompakt aufbereitete theoretische Weinwissen sehr zu schätzen. Das ist alles sehr fundiert. Von Level zu Level wird das Niveau immer anspruchsvoller. Trotzdem muss man nicht mit Level 1 beginnen, wenn man schon Vorbildung hat. Ich bin zum Beispiel direkt bei Level 3 eingestiegen, was gar kein Problem war. Ich habe da allerdings schon eine Weile in der Weinbranche gearbeitet. Wobei WSET Level 3 auch passionierte private Weinliebhaber durchaus interessant (und machbar) sein kann. Das Diploma ist dann aber in der Regel ausschließlich für Profis interessant. Wer sich da vor der englischsprachigen Ausbildung scheut, kann in Geisenheim übrigens auch den Weinakademiker machen, der in der Fachwelt den gleichen Stellenwert wie das WSET Diploma hat. Die Inhalte sind sehr ähnlich.

Wein-Fortbildung mit der Wine Scholar Guild

2005 gründete Julien Camus mit der Wine Scholar Guild (WSG) quasi eine amerikanische Alternative zum Wine and Spirit Education Trust, die dank diverser Online- und Präsenz-Lernmöglichkeiten derzeit von Washington D.C. aus die ganze Weinwelt erobert. Und so ganz sind WSET und WSG dann doch nicht vergleichbar, um ehrlich zu sein. Ja, auch hier kann und sollte man verkosten. Die Kurse sind aber grundsätzlich eher theoretisch ausgelegt. Außerdem beackert man nicht gleich die komplette Welt bei diesen Wein-Fortbildungen, sondern nur bestimmte Länder. Oder auch nur Regionen.

Frau lernt am Laptop und macht sich Notizen
Viele Wein-Fortbildungen kann man inzwischen auch online absolvieren. © Everyday-better-to-do-everything-you-love/iStock

Für Frankreich, Italien und Spanien bietet die WSG sogenannte „Wine Essentials“ an. Hier kann man sich in sechs Kursen (Online- oder Präsenz-Veranstaltung) einen ersten Überblick verschaffen. Für die drei Länder kann man dann auch noch seinen „Wine Scholar“ machen, der wesentlich tiefer geht. Ab 2025 kann man diesen Wine Scholar übrigens auch für Deutschland machen. Das dazugehörige Lehrbuch wurde von der von mir sehr geschätzten Valerie Kathawala, Mitbegründerin des Trink-Magazins, geschrieben. Das allein spricht schon sehr für die Qualität dieser Wein-Fortbildung. In der Regel hat man pro Land ein Jahr Zeit, die Prüfung abzulegen, um das Zertifikat zu erhalten. Als Lernstunden werden je 100 angegeben. Die Ausnahme bildet Italien. Das Land ist in zwei Units unterteilt mit je 75 Lernstunden. Außerdem kann man bei der WSG auch noch seinen Master zu Regionen wie Burgund, Bordeaux und Champagne machen. Die reine Studienzeit beträgt hier 150 Stunden. Meiner Meinung nach sind die Angebote der WSG nicht nur eine ideale Ergänzung zu WSET, sondern auch super, wenn man bestimmtes Wissen in der Theorie vertiefen möchte.

Die Krönung: Master of Wine

Wenn es um Wein-Fortbildung geht, darf pro forma auch die Königsklasse nicht fehlen. Der Master of Wine. Gegründet 1953 in London, war das Institute of Masters of Wine lange Zeit ausschließlich britischen Importeuren und Händlern aus der Weinbranche vorbehalten. Die erste Absolventin ohne Handelsbezug war übrigens Jancis Robinson, die das Kürzel MW seit 1984 hinter ihrem Namen tragen darf. Ein Jahr zuvor, also 1983, begann das Institute, auch ausländische Studenten zuzulassen. Grundvoraussetzung ist inzwischen in der Regel das WSET Diploma. Wobei jeder Interessierte eh einen Einführungskurs samt Aufnahmeprüfung absolvieren muss, um die Zulassung zu erhalten.

Die Ausbildung selbst ist extrem hart. Mal ganz davon abgesehen, dass man ständig nach London reisen muss, ist halt auch sehr viel Selbststudium gefragt. So viel Disziplin bringen nur wenige Weinmenschen auf. Dementsprechend wenige Masters of Wine gibt es. Seit 1953 haben lediglich 507 Menschen die Prüfungen bestanden. Bekannte deutsche Absolventen sind zum Beispiel Caro Maurer MW, Romana Echensperger MW, Konstantin Baum MW oder Janek Schumann MW.

Mann macht sich während einer Wein-Fortbildung Notizen zu den verkosteten Weißweinen
Notizen sind bei der Menge an verkosteten Weinen immer wichtig. © IL21/iStock

Welche Wein-Fortbildung darf’s denn sein?

Wenn du jetzt übrigens noch Einblicke in den Court of Master Sommeliers erwartest: Geduld bitte. Der kommt dann ausführlich im Sommelier-Text vor. Bei den regulären Wein-Fortbildungen habe ich die Sommeliers ja bewusst weggelassen, weil hier einfach noch ganz andere Aufgabengebiete zum Tragen kommen.

Nur, weil man sich leidenschaftlich für Wein begeistert, bedeutet das übrigens nicht, dass man zwingend eine Wein-Fortbildung absolvieren muss. Private und professionell geführte Weinverkostungen bringen einen an sich schon sehr voran. Wer sich aber theoretisch mit dem Thema Wein beschäftigen möchte, ohne gleich für ein Studium nach Geisenheim ziehen zu müssen, der hat hier vielleicht ein wenig Inspiration erhalten, was für einen selbst passend sein könnte.

Copyright Titelbild: © simplehappyart/iStock

*Dieser Text wurde weder beauftragt noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt meine persönliche wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell, sondern dienen alleine Service-Zwecken.

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