Weingut Sommer: Spannungsreiche Weine zwischen Kalk und Schiefer

Die Menschen hinter dem Weingut Sommer im Burgenland vor einer gelben Schiebetür.

Bereits seit über 300 Jahren wird auf dem Weingut Sommer in Donnerskirchen am burgenländischen Leithagebirge Weinbau betrieben. Damals wie heute ist in dem Familienbetrieb vor allem eines wichtig: die Herkunft schmeckbar zu machen. Und Grenzen auszuloten.

Es ist ein ganz besonderes Spannungsfeld, in dem man sich beim Weingut Sommer bewegt. Und das auch noch in mehrfacher Hinsicht. Widmen wir uns zuerst den geografischen Gegebenheiten rund ums Leithagebirge. Hier herrscht nämlich ein kontinental-pannonisches Klima. Das bedeutet: heiße Sommer, kühle Nächte. Die Temperaturunterschiede sind krass, was wiederum zur Folge hat, dass Reben hier besonders vollmundige und hocharomatische Trauben ausbilden. Dass die Reben in der Sommersonnenhitze nicht eingehen, verhindern die Winde, die vom Neusiedlersee rüberwehen. Das sind ideale Voraussetzungen. Vor allem für Rotweinsorten wie Blaufränkisch. Wobei auch die weißen Sorten wie etwa der Grüne Veltliner, Österreichs Nationalrebe Nummer 1, hier ganz groß auftrumpfen können. Aber dazu später mehr. Widmen wir uns erst einmal den Böden.

Am Leithaberg dominieren Schiefer und Muschelkalk, der auch Leithakalk genannt wird. Diese besondere Bodenmischung bringt zweierlei mit sich. Zum einen bestimmen beide das Geschmacksprofil eines Weins. Während der Muschelkalk für salzige Noten und Eleganz sorgt, verleiht Schiefer dem Wein Spannung und Rückgrat. Zum anderen ist dieses Terroir für eine Vielzahl an Rebsorten geradezu ideal. Dementsprechend vielfältig sind die Weingüter am Leithaberg aufgestellt.

Blick auf die Rebflächen in Donnerskirchen am Leithagebrige
Blick auf Rebflächen rund um Donnerskirchen ©ÖWM/Reifring

Grüner Veltliner ist Trumpf

Auch das Weingut Sommer bildet da keine Ausnahme. Im Rotweinbereich dominieren hier vor allem Blaufränkisch und Blauer Zweigelt. Die weißen Sorten sind da breiter aufgestellt: Vom Welschriesling, Chardonnay, Gewürztraminer, Riesling bis zum Sauvignon Blanc und Muskateller. Und natürlich immer wieder Grüner Veltliner – und das im Burgenland, das inoffiziell auch Blaufränkischland heißt! Aber die Rebsorte hat es Leo Sommer senior, der zusammen mit seinem Sohn Leo Sommer junior die Geschicke des Weinguts leitet, nun einmal besonders angetan.

Und das auch aus gutem Grund. Mit Grünem Veltliner verbindet man ja eigentlich eher Niederösterreich, wo besonders schlanke und oft auch frisch-spritzige Gewächse entstehen. Beim Weingut Sommer indes zeigt die Varietät, dass sie auch ganz anders kann. Hier ist meist ordentlich Körper mit im Spiel – und Druck. Dank der Böden und der klugen Herangehensweise von Leo Sommer senior vermisst man den unterschiedlichen Qualitätsstufen aber auch niemals Frische, Mineralität und eine gehörige Portion Spannung.

Winzer Leo Sommer senior vom Weingut Sommer im Burgenland
Sein Herz schlägt für den Grünen Veltliner: Leo Sommer senior ©Weingut Sommer

Weingut Sommer: Next Generation

Was für den Vater der Grüne Veltliner als Herzensprojekt, sind bei Leo Sommer junior die Lagen an sich. Nach seiner Ausbildung in Klosterneuburg, Eisenstadt, Krems und Praktika in Südtirol sowie Neuseeland ist der junge Winzer in den elterlichen Betrieb mit eingestiegen. Seither sorgt er dafür, dass die unterschiedlichen Rieden, auf denen sich die 30 Hektar Rebfläche des Weinguts verteilen, auch in den Weinen schmeckbar sind. Die Herkunft schmeckbar machen – das große Credo vieler österreichischer Winzer. Aber eben alles andere als abgedroschen. Denn so wird jeder Weingarten individuell behandelt. Selbiges setzt sich dann im Keller fort. Weder Vater noch Sohn sind Dogmatiker. Im Gegenteil! Immer konsequent nahe dran an der Natur, wird diese sehr gewissenhaft beobachtet. In Kombination mit dem weitergegebenen Wissen vergangener Generationen, den aktuellen Wissensstand in Sachen Weinbau dabei immer im Blick, wird hier ein ganzheitliches Konzept gelebt. Und das verträgt nun mal keine starren Regeln, sondern wird erst durch eine individuelle Herangehensweise lebendig.

Weingut Sommer und das Projekt Leithaberg

Mit ihrer Erfahrung sowie ihrem Wissen waren die Köpfe hinter dem Weingut Sommer neben Winzern wie Prieler, Birgit Braunstein oder John Nittnaus zu den Gründern vom Projekt Leithaberg. Wie in der Wachau oder in der Südsteiermark war das Ziel von Anfang an klar: das einmalige Terroir in den Weinen zum Ausdruck zu bringen. Bis heute entscheiden die inzwischen 15 Mitglieds-Weingüter Jahr für Jahr, welcher Wein sich mit dem Titel “Leithaberg” schmücken darf. Blind werden dafür Fassproben verkostet, um so fair wie möglich zu sein. Es ist übrigens auch dieser Gruppe zu verdanken, dass Leithaberg die erste DAC war, die komplett auf den Einsatz von Glyphosat in den Weingärten verzichtete.

Winzer Leo Sommer junior im Porträt
Macht Herkunft schmeckbar: Leo Sommer junior ©Weingut Sommer

Grenzen ausloten mit der Linie Handwerk

Neben den Leithaberg-Weinen gibt es aber noch eine andere ganz besondere Linie beim Weingut Sommer. Es ist ein weiteres Herzensprojekt, das von Vater und Sohn gemeinsam verwirklicht wird: die Linie Handwerk. Hier ist der Name Programm. Als ständiger Dialog zwischen Kopf und Hand wollen die Sommers die Grenzen ausloten. Die Hand steht dabei ganz klar für die Handarbeit, die hier noch intensiver ist als in den anderen Weingärten. Selektive Handlese inklusive, versteht sich. Und im Keller? Da passiert das, was man inzwischen so schön Neudeutsch Low Intervention nennt. Also so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Um hier Grenzen auszuloten, ist der Kopf dann nötig. Welche Grenze wird wie gesprengt? Bei den Weißweinen zum Beispiel vor allem: Maischestandzeit.

Wer jetzt in die Orange-Wine-Klischee-Falle zu tappen droht: schenkt euch bitte einmal die Welschriesling der Handwerkslinie ein. Da fallen direkt mit dem ersten Schluck alle Vorurteile in sich zusammen. Kräuter, Äpfel und Birnen dominieren die Nase, während der Wein vollmundig und extrem dicht mit einer raffinierten Mineralik über die Zunge rollt. Das ist in all seinem Purismus derart groß, dass man sich diesen Wein echt nicht entgehen lassen sollte. Was meiner Meinung nach aber auch für alle anderen Weine vom Weingut Sommer gilt. Denn bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Weine gibt es doch eine Gemeinsamkeit: sie sind alle mit einem phänomenalen Trinkfluss ausgestattet. Herz und Hirn werden konsequent gleichermaßen angesprochen. Für mich persönlich ist das eine unschlagbar gute Kombination!

Copyright Titelbild: ©Weingut Sommer

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er entstand ohne Einfluss des Weinguts Sommer und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

Beitrag bewerten:

Anzahl: 6 Bewertung: 5/5

Kommentar verfassen