xbo-Gründerin Anja Sistonen mit zwei von ihren Bag-in-Box-Weinen

Anja Sistonen: „Man kann sofort schöne Momente zapfen“

In dieser Interviewreihe kommen Frauen aus der Weinbranche zu Wort. Heute unterhalte ich mich mit Anja Sistonen über alternative Weinverpackungen und ihr Start-up xbo® Trust your choice.

Eigentlich ist Anja Sistonen gelernte Industriekauffrau, die lange Zeit in der Stahl- und Maschinenbranche tätig war. Doch die Liebe zum Wein war irgendwann stärker. Und die Liebe zur Umwelt. Mit ihrer Marke xbo® Trust your choice hat die Powerfrau jetzt beides zusammengebracht. Ihre Mission: hochwertige Bag-in-Box-Weine in Deutschland zu etablieren. In diesem Interview verrät Anja Sistonen, wie sie zum Wein gekommen ist, warum es ihr die Bag-in-Box so angetan hat – und warum sich ihre Weinboxen von vielen anderen unterscheiden.

Liebe Anja Sistonen, du bist ja eine klassische Quereinsteigerin. Wie und wann hast du deine Wein-Leidenschaft entdeckt?

Anja Sistonen: Quereinsteigerin ja, klassisch nein. lacht Meine Leidenschaft für Wein begann vor etwa zehn Jahren, als ich mir die ersten Fragen dazu stellte. Fünf Jahre und zwei Schwangerschaften später, begann ich, mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen.

Hast du dich professionell im Weinbereich ausbilden lassen?

Anja Sistonen: Ja, meine Ausbildungen haben ich alle nebenberuflich durchgeführt. Ich startete mit dem IHK Intensiv-Sensorik-Kurs. Das war für mich sehr wichtig, um herauszufinden, ob ich überhaupt „Talent“ für Sensorik habe. Außerdem hat sich später herausgestellt, dass ich in diesem Kurs einen meiner wichtigsten Mentoren begegnet war. Daraufhin schloss sich der IHK Zertifikatslehrgang Assistent Sommelière inklusive WSET Level 2 an. Danach entschied ich mich, die Ausbildungsreihe der Winesystem AG zu absolvieren. Zwei Jahre später (2021) bestand ich die Prüfung des PA Certified Master und nehme seitdem regelmäßig an Prämierungsverkostungen teil.

Anja Sistonen mit einem ihrer Bag-in-Box-Weine
Schöne Genussmomente einfach zapfen – dafür steht Anja Sistonen. © xbo-Anja Sistonen

Wann kam bei dir dann die Bag-in-Box ins Spiel?

Anja Sistonen: Nach meiner Weiterbildung arbeitete ich weiterhin in der Industrie und fragte mich, was ich mit dem Neuerlernten anstellen kann. Die Antwort fand ich auf einer Reise nach Finnland. Dort verliebte ich mich auf den ersten Blick in Bag-in-Box-Wein. Zurück in Deutschland recherchierte ich, und je mehr ich in Erfahrung brachte, desto bewusster wurde mir, welch große Klima-Rolle die Verpackung von Wein spielt. Mir wurde klar, was in Finnland bereits gut läuft, wird in Deutschland gebraucht.

Was muss beim Abfüllen von Bag-in-Box-Weinen beachtet werden, damit es zu keinem Qualitätsverlust kommt?

Anja Sistonen: Es kommt mir nicht jeder Wein in die „Tüte“. Grundsätzlich müssen die Weine eine gute Substanz haben und mir sensorisch gefallen. Außerdem sind meine Werte auch ein Qualitätszeugnis. Dazu gehört die Bioqualität, verbunden mit dem Umgang mit Menschen, Insekten und Pflanzen.

Für die Abfüllung des Weins in die Bag-in-Box wird besonders auf die Kohlensäure im Wein geachtet. Dieser Wert sollte eine Grenze nicht überschreiten. Sonst läuft man Gefahr, dass sich die Beutel aufblähen. Auch werden nur trinkreife Weine abgefüllt, da die Bag-in-Box keine Weinverpackung für lange Lagerung oder Reifung ist. Das hat zum Vorteil, dass dem Genuss keine Wartezeit im Wege steht. Man kann sofort schöne Momente zapfen.

Was unterscheidet deine xbo-Weinboxen von den klassischen Bag-in-Box-Weinen?

Anja Sistonen: Gemäß meinem Motto „Think and drink out of the box“ ist Standard keine Option. Die Box soll meinen Kundinnen und Kunden begeistern. Deswegen bin ich sehr stolz auf das skandinavische Design und die Größe. Eine Box beinhaltet 2,25 Liter, was drei Glasflaschen entspricht und sie passt hervorragend in den Kühlschrank. Ja, auch in die Tür!

Anja Sistonen, Gründerin von xbo, steht mit verschränkten Armen da und lächelt in die Kamera
Hat eine ganz klare Vision: Anja Sistonen. © xbo-Anja Sistonen

Was für Weine bietest du eigentlich genau an?

Anja Sistonen: Ich biete ausschließlich deutsche Bioweine in alternativer Verpackung an. Regional, weil in Deutschland einfach toller Wein hergestellt wird. Kurze Transportwege sparen Kraftstoff und noch mehr CO₂ ein. Die AP-Nummer ist für mich kein Ausdruck von Qualität und deshalb lasse ich diese weg, wenn es das Weingesetz zulässt. Mit geht es um umweltbewussten Genuss. Einfach guter Wein und schöne Momente.

Und wie viele unterschiedliche Weine umfasst dein Sortiment inzwischen?

Anja Sistonen: Zum aktuellen Zeitpunkt habe ich vier Weine in meinem Onlineshop zur Auswahl. Einen Rotling von der Mosel namens Oona Rosa und drei Weine aus dem Kraichtal in Baden. Das sind Ilma Blond, ein Riesling. Ilma Rosa, ein Roséwein aus Spätburgunder und Lemberger, sowie eine Rotwein-Cuveé mit dem Namen Ilma Rouge.

Woher stammen eigentlich die ausgefallenen Namen deiner Weine?

Anja Sistonen: Ich habe das große Glück, mich zweimal auf den ersten Blick verlieben zu können. Zuerst in meinen finnischen Mann und später in Finnland in die Bag-in-Box. Somit spielt dieses Land eine große Rolle für mich und ist Teil meiner Brandstory. Deshalb bekommen alle meine Weine finnische Namen. Oona Rosa zum Beispiel ist die Nichte meines Mannes.

Wie kam die Zusammenarbeit mit den Winzern zustande?

Anja Sistonen: Das Winzerpaar von der Mosel habe ich während meiner PAR®-Ausbildung kennengelernt. Die beiden waren meine erste Wahl, nicht nur weil wir Freunde sind, sondern weil sie fachlich sehr kompetent sind und meine Werte teilen. Das Gleiche gilt auch für den Winzer aus Baden. Dieser wurde mir empfohlen, woraufhin ich ihn mehrfach besuchte. Auch da hatten wir sofort einen Draht zueinander, was in einer fairen Zusammenarbeit resultierte.

Frau hält zwei Bag-in-Box-Weine hoch
Bag-in-Box? Aber ja doch! © xbo-Anja Sistonen

Wie erklärungsbedürftig sind Bag-in-Box-Weine eigentlich noch?

Anja Sistonen: Es ist noch erklärungsbedürftig. Viele verwechseln es mit Tetrapack und hören mir gespannt zu, wenn ich ihnen den Unterschied erkläre. Aber dann kommt sehr schnell der Aha-Effekt. Die meisten kennen die Verpackung von Apfelsaft.

Liebe Anja, abschließend eine letzte Frage: Wo siehst du Bag-in-Box-Weine in fünf Jahren?

Anja Sistonen: Es geht ein Ruck durch die Branche und ich sehe die Bereitschaft von Jungwinzerinnen und Jungwinzer, Bag-in-Box anzubieten. Von daher bin ich überzeugt, dass es BiB-Weine schaffen werden, als selbstverständlich im Regal zu stehen. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir uns in Deutschland nicht länger an der Glasflasche festkleben.

Copyright Titelbild: © xbo-Anja Sistonen

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung von Anja Sistonen wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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