Elegante Frau mit blonden Haaren und Sonnenbrille im Sonnenuntergang mit einem Glas Crémant in der Hand

Crémant: Eine rein französische Angelegenheit?

Er gilt als prima Champagner-Alternative. Crémant. Und für die meisten Schaumweinliebhaber ist er ein französisches Produkt. Tatsächlich kann er aber auch aus anderen Ländern stammen. Zum Beispiel aus Deutschland.

Crémant ist beliebt. Vor allem in Deutschland. 2019 tranken die Deutschen sogar mehr Crémant als Champagner! Verwunderlich ist das nicht unbedingt. Schließlich kann dieser Schaumwein dank traditioneller Flaschengärung mit den Erzeugnissen aus der Champagne qualitativ durchaus mithalten, kostet dafür allerdings oft deutlich weniger. Und auch dem deutschen Winzersekt kann er schon mal den Rang ablaufen. Ganz einfach, weil die Produktionsvorschriften noch strenger sind. Beim Crémant etwa sind Handlese und Ganztraubenpressung verpflichtend – beim Winzersekt nicht. Womit wir dann auch die einzigen Unterschiede dieser beiden Schaumweine abgehakt hätten.

Viel interessanter ist die Frage, ob Crémant tatsächlich ausschließlich aus Frankreich stammt. Denn das ist schließlich noch die landläufige Meinung der meisten Weinliebhaber. Und die ist mehr als verständlich. Denn die Crémant-Anfänge sind tatsächlich französisch. Ursprünglich stammt der Crémant nämlich aus der Champagne! Im Gegensatz zum großen Bruder hatte der Crémant de Champagne allerdings nur drei bar statt der üblichen fünf bis sechs bar. Der Druck war also niedriger – und damit die Kohlensäurebläschen feinperliger. Beide Schaumweine wurden (und werden) nach der gleichen Methode bereitet. Also zweite Gärung auf der Flasche. Während der Crémant mindestens neun Monate auf der Hefe reifen muss, sind es beim Non-Vintage-Champagner indes zwölf Monate.

Vier Menschen stoßen mit einem Glas Crémant an
Mit Crémant lässt sich zu vielen feierlichen Anlässen prima anstoßen. © SeventyFour/iStock

Crémant: Kurze Geschichte eines Schaumweins

Ursprünglich firmierte dieser Prozess unter dem Namen “Méthode champenoise”. Genau diese Begrifflichkeit ließ sich die Region Ende der 1980er-Jahre ausschließlich für Champagner schützen. Im Gegenzug verzichtete man bereits seit Mitte der 1970er als Vorbereitung auf den Begriffsschutz auf die Bezeichnung Crémant. Das hatte gleich zweierlei zur Folge. Zum einen verwenden seitdem die Schaumweinerzeuger dieser Welt den Begriff “Méthode traditionnelle”, wenn es um die traditionelle Flaschengärung geht. Zum anderen konnten nun auch andere französische Regionen ihre Schaumweine Crémant nennen, die die Produktionsregeln (Handlese, Ganztraubenpressung, maximal 100 Liter Most aus 150 Kilogramm Trauben, erste Gärung im Holzfass, zweite Gärung auf der Flasche und eben die obligatorischen neun Monate Hefelager) erfüllten. In Frankreich bildeten sich so recht zügig acht Crémant-Appellationen heraus, von denen wohl die Loire und das Elsass die bekanntesten sind.

Für den Crémant de Loire sind viele unterschiedliche Rebsorten erlaubt. Der große Star ist allerdings Chenin Blanc. Die Schaumweine bestechen zumeist mit mineralischen und zitrischen Noten sowie mit Anklängen von Birne, Nuss und Kamille. Der Crémant d’Alsace hingegen ist leichtfüßiger und oft von floralen sowie von Noten nach Pfirsich oder Aprikose geprägt. Was nicht zuletzt an den hier verwendeten Rebsorten liegt. Oft handelt es sich um einen reinsortigen Pinot Blanc (Weißburgunder). Aber auch Pinot Gris (Grauburgunder), Riesling oder Auxerrois kommen zum Einsatz.

Blick auf ein Chateau an der französischen Loire vom Wasser aus
Die Schaumweine von der Loire sind hierzulande äußerst beliebt. © JerOme82/Pixabay

Crémant aus Bordeaux und Burgund

Während man ihn in Frankreich kaum genießt, wird er in Deutschland immer beliebter. Der Crémant de Bordeaux. Auch das hat einen guten Grund, denn diese Schaumweine sind herrlich fruchtig und unkompliziert. Einen einheitlichen Stil gibt es hier allerdings nicht. Dafür ist die Region zu groß und die Rebsorten sind zu vielfältig. Generell kann man aber sagen, dass Prickler mit Sémillon als Basis eher nussiger und eleganter sind, während die Pendants aus Sauvignon Blanc oft grüne und grasige Noten haben. Nicht zu vergessen, dass auch weiß gekelterte rote Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot Standard sind, die für ordentlich Frucht sorgen.

Etwas feiner präsentiert sich der Crémant de Bourgogne, bei dem – wie sollte es im Burgund auch anders sein – vor allem Chardonnay und Pinot Noir (Spätburgunder) als Rebsorten dominieren. Das Burgund hat übrigens bereits seit 1975 eine eigene Appellation. Und ist damit das älteste offizielle Crémant-Gebiet der Welt. Auf dieser Tradition ruht man sich im Burgund aber nicht aus. Erst 2016 führte man dort zwei weitere Schaumwein-Kategorien ein. Der Eminent Crémant de Bourgogne Brut muss mindestens 24 Monate auf der Hefe reifen, der Grand Eminent Crémant de Bourgogne Brut sogar 36 Monate. Letzterer steht damit einem Jahrgangs-Champagner in nichts nach.

Blick auf einen Weinberg im Bordeaux
Auch im Bordeaux wird Crémant bereitet. ©RickBaldwin-Studio/Pixabay

Frankreichs schäumender Süden

Im südfranzösischen Languedoc entsteht am Fuße der Pyrenäen ein weiterer Schaumwein. Nämlich der Crémant de Limoux. Diesen bitte nicht mit dem Blanquette de Limoux verwechseln. Der Blanquette ist quasi die Ur-Version des Schaumweins, die bereits im Jahr 1531 von einem Benediktinermönch erstmals bereitet wurde. Was den Blanquette zum allerersten Schaumwein überhaupt macht. Dieser wird traditionell aus der weißen Rebsorte Mauzac gemacht. Der Crémant de Limoux hingegen besteht zumeist aus Chenin Blanc oder Chardonnay und ist dank seiner floralen Nuancen und würzigen Aromen oft recht gut im Glas zu erkennen.

Der Crémant de Die stammt von der südlichen Rhône und ist eine echte Rarität. Die Appellation umfasst gerade einmal 30 Hektar. Die Produktion ist dementsprechend klein. Hier kommt vor allem die weiße Rebsorte Clairette zum Einsatz. Daraus entstehen schlanke Schaumweine, die eine hohe Säure haben und vor allem Anklänge von grünem Apfel offenbaren. Betont blumig und zitrisch-frisch kommt hingegen der Crémant de Savoie aus der erst 2015 gegründeten Appellation daher. Auch hier sind weiße autochthone Rebsorten Trumpf. Nämlich Jacquère und Altesse. Und dann gibt es noch den Crémant de Jura, der vor allem aus Chardonnay bereitet wird. Die Schaumweine sind meist sehr frisch und haben oft einen süßlichen Brioche-Touch.

Zwei Tabletts mit Schaumweingläsern auf einem Tisch mit weißer Tischdecke
Wenn’s feierlich wird und es edel im Glas zugehen soll, ist Crémant immer eine sichere Bank. © Pexels/Pixabay

Crémant aus Luxemburg und Spanien

Bis Anfang der 1990er-Jahre waren diese acht französischen Regionen tatsächlich die einzigen Gebiete, in denen man Crémant produzieren durfte. Das änderte sich allerdings am 4. Januar 1991. Es war die Geburtsstunde des Crémant de Luxembourg. Dass ausgerechnet Luxemburg die erste eigene Appellation für diesen speziellen Schaumwein außerhalb Frankreichs bekam, ist so unlogisch übrigens nicht. Immerhin verlegte das Champagnerhaus Mercier im Jahr 1885 seine Produktionsstätte von der Champagne hierher. Damals durften die Schaumweine dann trotzdem Champagner heißen. Die Regeln waren damals im Vergleich zu heute dann doch recht lasch. Für einen Crémant de Luxembourg werden oft Rebsorten wie Elbling, Riesling, Auxerrois oder Pinot Blanc verwendet. Die Schaumweine sind ebenso fruchtig wie frisch.

Wie kam es aber dazu, dass Crémant als Bezeichnung von Schaumweinen auch in weiteren Ländern verwendet werden darf? Nun, das ist dem spanischen Produzenten Codorníu zu verdanken – einem der größten und wichtigsten Cava-Häuser des Landes. Mit Schaumwein kennt man sich hier dementsprechend aus. Einer der Schaumweine hieß Grand Crémant de Cordoníu. Das sorgte für mächtig Aufregung in Frankreich. Man klagte gegen den Namen, sah den Begriff Crémant geschützt – und verlor vor dem Europäischen Gerichtshof. Denn dieser entschied am 18. Mai 1994 dass Crémant keine Herkunftsbezeichnung, sondern ein Herstellungsverfahren ist. Gerade weil es ja die ganzen Produktionsregeln gibt, die überall einheitlich sind.

Crémant wird während einer Sommerparty in Weißweingläser gegossen
Wertet jede Party auf: Crémant. © caterina-priesner/Pixabay

Und was ist mit Deutschland?

Dieses Urteil machte den Begriff Crémant also auch für den Rest der Weinwelt möglich. Was jetzt aber nicht heißt, dass es direkt eine Schaumwein-Schwemme rund um den Globus gab. Deutschland etwa verankerte Crémant erst im Jahr 2009 im deutschen Weingesetz. Selbst Belgien war mit seinem Crémant de Wallonie ein Jahr früher dran. Aber das nur am Rande. Hierzulande darf Crémant in jeder der 13 Weinregionen bereitet werden. Verpflichtend ist, dass selbige dann auch auf dem Etikett erscheint.

Also Crémant Rheinhessen, wie man es etwa bei dem Schaumwein vom Weingut Fogt sehen kann. Oder aber Crémant Mosel, wie es dann bei Peter Lauer heißt, dessen Prickler ja echten Kultstatus genießen. Auch wenn in Deutschland Crémants bereitet werden dürfen, sind sie nach wie vor ein echtes Nischenprodukt. Von den knapp 2,6 Millionen Hektolitern Sekt, die hier im Jahr 2020 auf die Flasche kamen, waren gerade einmal 0,5 Prozent Crémants! Wobei auch Winzersekt mit 3,5 Prozent jetzt nicht soooo stark vertreten ist. Die Masse wird hierzulande halt nach wie vor mit dem generischen Sekt gemacht.

Aber zurück zum deutschen Crémant, den immerhin 70 Betriebe offiziell bereiten. Die meisten von ihnen, nämlich 25, sitzen in der Pfalz – dicht gefolgt von der Mosel (20 Weingüter). Etwas abgeschlagen mit 14 Produzenten kommt Baden auf den dritten Platz im deutschen Ranking. Eine Besonderheit gibt es übrigens bei der deutschen Schaumwein-Variante. Denn hier ist der Süßegrad stärker reglementiert als bei den französischen Pendants, von denen einige tatsächlich so süß sein können, dass man sie am besten zum Dessert reicht. Mit einem deutschen Crémant geht das nicht. Denn dieser darf höchstens 20 Gramm Restzucker pro Liter haben – in der Pfalz sind sogar nur maximal 15 Gramm gestattet. Beliebteste Rebsorte für das deutsche Pendant ist – wie sollte es auch anders sein – Riesling. Doch auch die Burgundersorten sind inzwischen sehr weit vorn. Womit wir jetzt also geklärt hätten, dass Crémant tatsächlich keine rein französische Angelegenheit ist.

Copyright Titelbild: © jacoblund/iStock

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