Käsespätzle mit Röstzwiebeln und Schnittlauch in einer Detailaufnahme

Käsespätzle – und welcher Wein dazu?

Sie sind schlotzig und deftig, kommen mit viel Umami und einem enormen Soulfood-Faktor auf den Teller. Käsespätzle. Was uns nahtlos zu der Frage bringt, welche Weine dazu passen. Hier erfährst du zahlreiche Tipps!

Wer hat’s erfunden? Und ja, theoretisch könnten es die Schweizer gewesen sein. Denn wo die Spätzle, mit denen dann zügig die Käsespätzle als noch nahrhaftere Variante auf die Teller kamen, ursprünglich herkommen, ist bis heute nicht geklärt. Klar, in Schwaben sind sie so etwas wie ein Nationalgericht. Hier kam es im Jahr 1725 zur ersten urkundlichen Erwähnung. Und auch der Name ist den Schwaben zu verdanken. Wahrscheinlich. Denn eine Theorie besagt, dass der Teig aus Mehl, Eiern, Wasser und Salz wie ein Spatz in der Hand gehalten wurde. Man machte damit “kleine Spatzen”. Voilà: Spätzle.

Es gibt aber auch noch eine andere Wortherkunftserklärung. Nämlich dass das italienische Wort “spezzato” (“gestückelt”) im Laufe der Zeit eingedeutscht wurde. Was uns nahtlos nach Südtirol bringt. Denn dort sind Spätzle – besonders die Käsespätzle – nicht mehr aus der heimischen Küche wegzudenken. Hier firmieren sie allerdings eher unter dem Namen Kasspatzln. Auch die Schweizer haben ein Wörtchen mitzureden. Bei ihnen nennt man sie allerdings Chäschnöpfli. Und zu guter Letzt lohnt sich auch noch ein Blick gen Österreich. Im Vorarlberg haben nämlich die Käsknöpfle eine lange Tradition.

Käsespätzle mit Röstzwiebeln in einer kleinen schwarzen Pfanne
Schwäbischer wird’s nicht mehr. © Moerschy/Pixabay

Die Schwaben und ihre Käsespätzle

Auch wenn Käsespätzle in vielen Regionen eine lange kulinarische Geschichte haben, ist die Liebe nirgends so tief und innig wie in Schwaben. Schon die schwäbischen Ritter sollen im 12. Jahrhundert mit “Schwert und Spätzlebrett” bewaffnet dem Kaiser Barbarossa (Friedrich I.) ins Heilige Land gefolgt sein. Und während des Russlandfeldzugs im Jahre 1821 bestanden die württembergischen Regimenter darauf, dass man sie gefälligst mit Spätzle versorgt. Käsespätzle gab es da freilich noch nicht. Denn dafür muss ja nun mal auch der Käse zwischen den einzelnen Spätzleschichten schmelzen. Ein Ofen ist also sehr von Vorteil.

Und eh! Der Käse! Da kann man tatsächlich eine eigene kulinarische Philosophie draus machen. Da es hier jetzt aber irgendwann auch endlich mal ums Thema Weinbegleitung zu Käsespätzle gehen soll, nenne ich nur die wichtigsten Sorten. Bergkäse und Emmentaler gehören etwa in Schwaben zum guten Ton. Im Vorarlberg indes ist Montafoner Sauerkäse häufig anzutreffen. Es existieren aber auch Varianten mit Limburger oder Weißlacker-Käse. Was sie alle eint, ist der Umstand, dass sie einen hohen Fettanteil haben. Und genau dieser ist dann auch für die Weinauswahl entscheidend.

Riesling-Parade

Beim Thema Fett braucht es einen Wein, der eine höhere Säure hat und viele Aromen. Denn diese werden vom Fett ein wenig gedämpft. Womit wir per se erstmal beim Riesling wären. Aber da gibt es ja gravierende Unterschiede von Region zu Region. Ein schlanker und mineralischer Mosel-Riesling kann etwa leicht untergehen. Anders sieht es schon mit einem eher opulenterem Riesling aus dem Rheingau aus.

Zwei mit Weißwein gefüllt Weingläser auf einem Gartentisch, im Hintergrund ist eine Weinflasche zu sehen
Weißwein zu Käsespätzle darf ruhig mehr Säure haben. © Stevepb/Pixabay

Auch ein fruchtiges Exemplar aus der Pfalz passt recht gut. Die mineralischen Rieslinge aus Rheinhessen haben etwas mehr Körper als die von der Mosel. Sie sind also auch eine Möglichkeit. Und dann sind da ja noch die komplexen Varianten aus der österreichischen Wachau. Ein Riesling Smaragd zum Beispiel harmoniert sehr gut zu Käsespätzle.

Noch mehr Weißwein zu Käsespätzle

Wenn du eine hohe Säure im Wein nicht ganz so gut verträgst, finden sich auf der weißen Seite aber noch andere schöne Tropfen. Immer wieder stiefmütterlich behandelt, dabei aber ein idealer Speisebegleiter: Silvaner aus Franken. Während die Basisweine charmant, aber eben einfach sind, brillieren die Lagengewächse meist mit einer schönen Kräuterwürze und – je nach Herkunft – auch mit einer sehr passenden Mineralität. Gängiger als Begleitung ist indes natürlich ein Grauburgunder mit seiner voluminösen Fruchtigkeit. Da darf’s dann auch gerne ein Exemplar aus Baden sein, um sich der potenziellen Käsespätzle-Heimat anzunähern. Und wenn wir schon in Baden sind: wie wäre es mit einem Gutedel aus dem Markgräflerland? Die Säure ist hier zwar wirklich sehr gering, aber je nach Ausbau können die fruchtigen Nuancen einen schönen Gegenspieler zum Fett bilden.

Wer gerne mal etwas im Glas haben möchte, das noch mehr vom Standard abweicht, der sollte einen Blick auf die Rebsorte Savagnin werfen. Diese wird fast ausschließlich im französischen Jura und oder in Savoyen kultiviert. Auch in der Schweiz gibt es kleine Bestände. Hier nennt man die Traube allerdings Heida. Die goldgelben Weine bestechen mit ihren Nuss- und Honigaromen, die vor allem zu Käsespätzle mit vielen Röstzwiebeln eine gute Figur machen können.

Eine Gabel mit Käsespätzle vor einem schwarzen Hintergrund in einer Detailaufnahme
Es ist der Käse, der die Weinauswahl zu Käsespätzle bestimmt. © Ulleo/Pixabay

Trollinger ist Trumpf

Wobei nicht nur Weiß-, sondern auch Rotweine hervorragend zu Käsespätzle passen. Einzige Voraussetzung: sie sollten nicht zu viele Gerbstoffe und keine Ewigkeit im Holz gelegen haben. Denn Tannin und Fett gehen niemals eine kulinarische Liebesbeziehung ein. Dann lieber einen schlanken Rotwein mit etwas mehr Säure. Und was liegt da näher als ein Trollinger aus Württemberg?

Ja, ich weiß. Für einige Weingenießer:innen ist Trollinger dank seiner blassen Farbe und seines schlanken Körpers gar kein richtiger Rotwein. Ich muss an dieser Stelle aber mal eine Lanze für ihn brechen. Schließlich wird er noch mehr unterschätzt als Silvaner. Und seine leichte Fruchtigkeit passt tatsächlich hervorragend zu Käsespätzle. Wahlweise geht natürlich auch ein Vernatsch, wie Trollinger in Südtirol heißt. Wer es dann doch gerne etwas kräftiger im Glas haben möchte, dem empfehle ich die beiden Vernatsch-Varianten St. Magdalener oder Kalterersee.

Zwei halbvolle Rotweingläser auf einem Holztisch, nach denen gerade Hände greifen
Auch schlanke Rotweine können bestens zu Käsespätzle passen. © Deutsches Weininstitut

Weitere Rotweine zu Käsespätzle

Mit viel Kirschfrucht und einer lebendigen Säure ausgestattet, ist auch ein junger Zweigelt aus Österreich. Wie wäre es da zum Beispiel mit einem Rubin Carnuntum? Eine echt schöne Begleitung zu Käsespätzle! Etwas milder, dafür nicht minder fruchtig, kann ein Lemberger aus Württemberg sein. Das Österreich-Pendant Blaufränkisch würde ich persönlich allerdings nicht nehmen. Denn der hat mehr Tannine als sein deutscher Zwilling.

Und zum Schluss wäre da natürlich noch der Rotweinklassiker schlechthin. Pinot Noir. Hierzulande besser als Spätburgunder bekannt. Gerade Gewächse von der Ahr können mit ihrem schlanken Charakter und der hohen Weinsäure auftrumpfen. Oder wie wäre es mal mit einem Frühburgunder? Auch hier gerne von der Ahr oder aus Rheinhessen. Noch zarter, noch feiner, ebenso fruchtig – und preislich deutlich unter dem großen Bruder Pinot Noir zu haben. Denn machen wir uns nichts vor: Käsespätzle sind zwar äußerst lecker, aber eben keine Haute Cuisine. Da darf dann auch die Weinbegleitung gerne etwas bodenständiger sein. Aber wie immer gilt: hier ist nichts in Stein gemeißelt. Probiere dich durch und finde heraus, welcher Wein dir zu Käsespätzle am besten schmeckt. Ich hoffe, dass ich dich mit meinen Vorschlägen ein wenig inspirieren konnte.

Copyright Titelbild: © JuSa2000/Pixabay

*Dieser Text wurde weder in Auftrag gegeben, noch vergütet. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider. Gesetzte Links sind nicht kommerziell und dienen allein Service-Zwecken.

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