Nicht nur an Weihnachten: Wein zu Ente, Gans und Co.

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Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die jährliche Diskussion, welcher Wein zu Ente, Gans oder Pute geöffnet werden soll. Denn die Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden. Vor allem, wenn man nicht mit Freunden, sondern mit der Familie genießen möchte. Deswegen habe ich mal ein paar Tipps zusammengestellt.

Erlaubt ist, was schmeckt. Das ist eine Regel, die nicht nur zu den Feiertagen gilt, die dort aber besonders wichtig ist. Wir kennen es wohl alle: Der kundige Weinliebhaber ist meist für die Beschaffung des edlen Rebensafts verantwortlich, wenn es um das Weihnachtsessen geht. Stundenlang brütet man über Hauptkomponente, Beilagen und Füllung und geht dann im Weinkeller auf große Genusssuche, nur, damit die Tante zweiten Grades beim Anblick des edlen Pinot Noirs aus dem Burgund enttäuscht das Gesicht verzieht und rumnörgelt, dass sie ja nur Weißwein trinken würde.

Deswegen ist mein erster und wichtigster Tipp: Denkt nicht nur an das Essen selbst, sondern auch an die Menschen, die es genießen werden. Wenn man weiß, dass der Vater gerne Tempranillo trinkt, während die Schwester lieber feinherbe Weißweine genießt, dann geht halt einfach darauf ein, wenn ihr eure Auswahl trefft. Es ist ja schließlich Weihnachten. Da darf man ein paar Foodpairng-Regeln in Sachen Wein zu Ente und Gans ruhig mal missachten. Denn ja, diese gibt es tatsächlich. Ich stelle sie euch mal in groben Zügen vor.

Der richtige Wein zu Ente und Co. ist kein Hexenwerk
Zur Weihnachtsgans kann man mit einem Pinot Noir eigentlich nichts falsch machen ©shy_photographer/Pixabay

Wein zu Gans

Sie ist wohl der Klassiker an den Feiertagen: die Gans. Meistens so richtig schön klassisch mit Rotkohl (oder wahlweise Blaukraut) und Knödeln (oder Kartoffeln oder Kroketten). Oft wird sie mit Äpfeln oder Trockenobst oder Maronen gefüllt. Manchmal auch mit den eigenen Innereien und Reis. Dank ihres Fetts bleibt so eine Gans in der Regel recht saftig – und ihr Fleisch ist schön aromatisch. Genau dieses Fett verträgt gut und gerne Weine mit Säure, während Weine mit eher ruppigen Tanninen das Fleischaroma überlagern können. Deswegen gibt es unter den Weinen einen Superstar, zu dem bevorzugt gegriffen wird, wenn es um den Gänsebraten geht: Pinot Noir. Seine feine Säure und die meist samtenen Tannine passen ganz hervorragend zur Gans.

Nun ist nicht jeder Fan von Spätburgunder. Ich weiß. Klingt komisch, ist aber so. Deswegen wäre zum Beispiel ein Chianti eine gute Alternative. Oder aber ein Zweigelt. Und wer jetzt die Tante zweiten Grades vor Augen hat, die per se keinen Rotwein trinkt: Wie wäre es etwa mit einem Riesling? Also nicht so einen schlanken und knackigen, weil jungen Riesling, sondern einen, der schon so zwei bis vier Jahre auf dem Buckel hat? Leicht gereift ist die Säure immer noch schön präsent, aber die Aromen des Rieslings gehen bei all dem Gänsefett nicht so unter.

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Klassische Weihnachtsente @RitaE/Pixabay

Wein zu Ente

In kleinerer Familienrunde wird statt Gans oft gerne eine Ente serviert. Im Gegensatz zur Gans kann so eine knusprige Ente Tannine recht gut ab. Vom Cabernet Sauvignon bis hin zu einem Malbec ist vieles möglich. Ich persönlich genieße zu einer Ente mit Maronenfüllung, Rotkohl (mit Apfel), Kartoffelknödeln und einer kräftigen Sauce sehr, sehr gerne Blaufränkisch, der bevorzugt schon gereift sein darf. Die Säure sollte halt nicht mehr zu „bissig“ sein. So für mich. Auch der Pinot Noir aka Spätburgunder kann hier wieder ganz hervorragend serviert werden. Aufgrund der Säure dann auch gerne gereift. Solch ein Wein zu Ente ist für mich ein Träumchen.

Und bevor sich die passionierten Weißweintrinker jetzt echauffieren: keine Panik! Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay oder sogar Silvaner – solange die Weine körperreich (bitte nicht mit holzreich verwechseln!) sind, werdet ihr immer viel Freude haben. Nur wie gesagt: Zu starke Holznoten könnten kontraproduktiv sein. Falls ihr den Klassiker Ente à L’Orange zubereiten solltet, würde ich persönlich einen Grau- oder meinetwegen auch einen körperreichen Weißburgunder nehmen, die die Fruchtigkeit des Gerichts schön unterstützten.

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Zur Pute darf’s auch gerne mal ein Rosé sein @kaboompics/Pixabay

Wein zu Pute

Wer in großer Familienrunde Weihnachten feiert, wird wahrscheinlich gerne mal eine Pute servieren. Denn so ein Vogel in groß kann locker zehn Personen oder mehr statt machen. Im Gegensatz zur Gans und Ente ist Putenfleisch etwas feiner und weniger aromatisch. Hier Rotweine zu servieren, ist etwas tricky, denn die Tannine können den Geschmack des Essens schnell überdecken. Wenn es schon Rotwein sein muss, empfehlen sich die leichteren Varianten. Wie wäre es da zum Beispiel mit einem Sankt Laurent oder einem nicht ganz so kräftigen deutschen Spätburgunder? Noch besser ist aber zum Beispiel ein schöner Rosé.

Mit einem Weißwein ist man bei einer Pute eigentlich immer auf der sicheren Seite. Wir bevorzugen hier tatsächlich gerne einen Weißburgunder aus Rheinhessen oder einen fränkischen Silvaner. Der Vorteil: Durch die geringere Säure sind beide Rebsorten sehr bekömmlich – und schmecken fast jedem. Wenn man in größerer Runde also weniger Diskussionen haben möchte, kann ich euch Silvaner und Weißburgunder zur Pute nur ans Herz legen.

Lecker Ente und lecker Wein, so soll das sein
Je deftiger das Weihnachtsessen, desto kerniger kann auch der Wein sein ©RitaE

Und sonst so

Obwohl es hier hauptsächlich um das Fleisch an sich geht, sind die Beilagen nicht minder wichtig. Denn sie bestimmen die Geschmacksrichtung des Weihnachtsgerichts nun mal entscheidend mit. Kräftige dunkle Saucen zum Beispiel können durchaus Tannine ab. Je feiner der Geschmack und je nuancenreicher das Essen, desto edler darf der Wein sein. Ein ganz, ganz feiner Pinot Noir ist indes aber etwas unglücklich als Wahl, wenn das Weihnachtsmahl per se eher deftiger ist. Er würde halt einfacher untergehen.

Aber letztlich ist es ja so: Es muss euch schmecken. Und eurer Familie. Womit wir wieder bei den Eingangsworten wären. Ihr könnt einfach nichts falsch machen, wenn ihr auf die Vorlieben eurer Familie achtet. Deswegen muss auch nicht nur ein Wein, also DER Wein auf den Tisch kommen. Es spricht absolut nichts dagegen, ein paar unterschiedliche Weine aufzumachen. Im Idealfall probiert sich die Verwandtschaft durch – und kann sagen, was ihr oder ihm am besten dazu schmeckt. Wenn ihr euch das dann aufschreibt, seid ihr fürs nächste Gans-, Enten- oder Putenessen bestens gewappnet. 😉

Copyright Titelbild: ©kaboompics/Pixabay

*Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er wurde weder in Auftrag gegeben noch bezahlt, sondern ist ganz allein auf meinem Weinmist gewachsen. 😉

3 Gedanken zu „Nicht nur an Weihnachten: Wein zu Ente, Gans und Co.“

  1. …abgesehen davon, daß es bei uns zu Weihnachten eigentlich nie was geflügeliges gibt, sondern eher in anderen Jahreszeiten, kann ich der Beschreibung nur hinzufügen, daß ich die Leute gerne auch mal mit etwas weniger bekannten oder beachteten Rebsorten konfrontiere. Zum Geflügel fallen mir da auf der roten Seite insbesondere Trousseau (Jura) und Fumin (Aostatal), auf der weißen Seite Chenin blanc (Loire) und Petite Arvine (auch Aostatal) ein. Gerade zur Ente paßt aus meiner Sicht auch was freakiges wie zum Beispiel der Welschriesling “Saybritz” von Weninger (Eisenberg, auch wenn das Weingut selbst im Mittelburgenland ist), in diesem speziellen Fall wegen der gleichzeitigen Präsenz von reduktiven und oxidativen Noten…

    Schöne Feiertage!

    1. Oh, den Weninger-Tipp muss ich unbedingt mal ausprobieren! Dankeschön! Chenin Blanc zur Ente geht tatsächlich prima. Den habe ich schlicht und ergreifend vergessen. Wobei ich gerade zu Weihnachten doch Rücksicht auf die Geschmäcker der Gäste nehme. Das ist für mich jetzt nicht die Zeit, um die Gaumen der Familie zu “trainieren”. Da möchte ich einfach nur eine schöne Zeit mit allen haben. Deswegen werden auch ganz unterschiedliche Weine aufgemacht.
      Was gibt es denn bei euch traditionell Leckeres zu Weihnachten?
      Dir auch ein zauberhaftes und entspanntes Fest!

      1. …in der Regel gibt’s am 24. und am 31. Raclette und Fondue, nur die Reihenfolge wechselt immer wieder, je nachdem, wer wann wo wie ist. Dazwischen geht es eher “wild” zu, dieses Jahr wird’s wohl einmal Rehrücken und einmal Wildschweinfilets geben. Und in jedem Fall natürlich mindestens einmal “Baraida grina Gleeß”… 🙂

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